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09.11.2023

Klimawandel: Vorbereitet auf das Unausweichliche

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Kategorien in diesem Thema
von: ti
Lesedauer: 5 Min

Klimafolgen-Anpassung

 

Die Stadt und ihre Menschen für die Klimaveränderungen zu wappnen, gehört heute zu den wesentlichen Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Mönchengladbach erarbeitet deshalb derzeit ein Handlungskonzept Klimafolgenanpassung.

 

Der Klimawandel kommt. Oder besser gesagt: Er ist schon da. Die enormen Klimaschutzanstrengungen, um die weltweit politisch gerungen wird, sollen ihn auf ein für den Menschen zu ertragendes Maß begrenzen. Verhindern können sie ihn freilich nicht mehr. Neben Klimaschutz spielt deshalb ein anderer Aspekt eine immer wichtigere Rolle im kommunalen Handeln: Der Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Dabei stehen besonders zwei Auswirkungen im Fokus.
 

Hitze


Es wird immer wärmer. Weltweit ist die Lufttemperatur seit dem vorindustriellen Zeitalter bereits um 1 Grad angestiegen. Der globale Anstieg bis zum Jahr 2100 soll nach dem Pariser Klimaabkommen von 2015 auf 1,5 Grad begrenzt werden. Ein sehr wichtiges, aber auch sehr ambitioniertes und schwer zu erreichendes Ziel. In Deutschland haben wir die 1,5-Grad-Marke bereits „geknackt“. Denn die Landregionen erwärmen sich generell schneller als die Meere. 1,6 Grad beträgt der statistisch gesicherte durchschnittliche Anstieg der Lufttemperatur von 1881 bis 2021 laut Deutschem Wetterdienst.

Dass die Erderwärmung nicht linear, sondern exponentiell verläuft, verdeutlichen die Temperaturstreifen von Klimawissenschaftler Ed Hawkins. In seinem Diagramm hat er alle mittleren Jahrestemperaturen von 1888 bis 2022 farblich erfasst. Die kälteste Temperatur (7,4 Grad Celsius) wurde mit dunkelblau dargestellt und die wärmste (11,2 Grad Celsius) mit dunkelrot. Die anderen Jahre wurden entsprechend ihrer Durchschnittstemperatur entlang dieser Farbskala einsortiert.

Von links (1888) nach rechts (2022) kommen immer mehr überdurchschnittlich warme Jahre hinzu. Denn die Erderwärmung verläuft exponentiell. (© Ed Hawkins)

Starkregen


Auch der Niederschlag wird vom bereits laufenden Klimawandel beeinflusst. Im Winter ist es bislang signifikant feuchter geworden, während im Sommer die mittleren Regenmengen weitestgehend unverändert geblieben sind. Das mag zunächst überraschen, schließlich haben wir alle Bilder von trockenen Sommerlandschaften und verdurstenden Wäldern vor Augen, wenn wir an die letzten Jahre denken. Aber auch große Wassermassen werden immer mehr zum Problem. Denn wenn der lang ersehnte Niederschlag kommt, dann oft in Form von Starkregenereignissen.

Diese sind eine direkte Folge der erhöhten Temperaturen. Denn je wärmer es ist, desto mehr Wasserdampf kann durch die Atmosphäre aufgenommen werden. Und je mehr Wasser in der Luft ist, desto mehr kann auch als Regen herunterkommen. Ähnlich wie bei den Temperaturen ist bei Starkregenereignissen ein signifikanter Anstieg seit den 1960er Jahren erkennbar.

 

Klimafolgenanpassung als kommunale Daseinsvorsorge


„Darf ich 30-Grad-Wäsche bei 40 Grad aufhängen?“, fragt der Mediziner und Komiker Dr. Eckart von Hirschhausen scherzhaft in seinem Klimawandel-Buch „Mensch, Erde!“ Die Folgen des Klimawandels werden die Menschen aber vor noch viel größere Herausforderungen stellen als die richtige Antwort auf diese Frage zu finden. Im Fall extremer Hitzebelastungen können das gesundheitliche Beeinträchtigungen bis hin zum Tod sein. Und auch die Folgen von Starkregenereignissen können verheerend sein und von Überschwemmungen landwirtschaftlicher Nutzflächen samt der Vernichtung von ganzen Jahresernten bis hin zu großen Zerstörungen im städtischen Raum reichen.

Darf ich 30-Grad-Wäsche bei 40 Grad aufhängen?

Dr. Eckart von Hirschhausen; „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“; S.260

Die Vorbereitung auf bereits spürbare und noch bevorstehende Klimaveränderungen gehört deshalb heutzutage zu den wesentlichen Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Dabei behandelt die sogenannte Klimafolgenanpassung zwar ein globales Problem, für das es aber lokale Antworten braucht. In Mönchengladbach ist das Thema deshalb integrativer Bestandteil der städtischen Gesamtstrategie.

Begrünungen auf Dächern oder – wie hier am Rathaus Abtei – an Gebäudefassaden können bei hochsommerlichen Temperaturen für einen wichtigen Kühlungseffekt sorgen. (© Stadt Mönchengladbach).

Auf dem Weg zum gemeinsamen Klimafolgen-Fahrplan


Mit einem „Handlungskonzept Klimafolgenanpassungen“ möchte die Verwaltung herausarbeiten, welche Schritte zur Vorbereitung auf den Klimawandel und seine Folgen unternommen werden können und müssen. Das Konzept wird in zwei Teilschritten erarbeitet. Teil 1 behandelt das Themenfeld „Hitze“ und wird derzeit (Stand 11/2023) in Zusammenarbeit mit externen Experten erarbeitet. Anschließend soll ein zweiter Teil zum Themenfeld „Starkregen“ folgen.

Der Klimawandel findet schon jetzt immer stärker Berücksichtigung bei kommunalen Projekten. Zum Beispiel, wenn mehr Grünpflanzen für eine kühlende Wirkung gepflanzt werden oder Flächen so gestaltet werden, dass Regenwasser sich stauen oder versickern kann. Mit dem Handlungskonzept Klimafolgenanpassung geht man in Mönchengladbach das Thema aber nicht nur innerhalb einzelner Projekte, sondern übergeordnet und strategisch an. Ziel ist es, die Situation gründlich zu analysieren, besonders betroffene Bereiche und Gruppen zu identifizieren und auf dieser Basis klare Prioritäten festzulegen, was in welcher Reihenfolge zu tun ist.

Am Ende soll dabei nicht nur eine Strategie stehen, sondern auch ein konkreter Maßnahmenkatalog und ein Konzept, wie die Umsetzungsfortschritte überprüft werden können. Ein zentraler Baustein des Vorgehens wird die Beteiligung sein. Denn Mönchengladbach für die Folgen des Klimawandels zu rüsten, kann nur im Schulterschluss zwischen der Kommune, ihren Bürgerinnen und Bürgern und vielen weiteren institutionellen Akteuren gelingen.

Dass die Rolle der Stadt dabei keineswegs nur die der Macherin, sondern vor allem auch die einer Vermittlerin ist, zeigt ein Beispiel: Dachbegrünungen sind eine wirksame Maßnahme, um Gebäude im Sommer zu kühlen und Regenwasser zeitlich verzögert in die Kanalisation einzuleiten. Wenn die Stadt ihre kommunalen Gebäude mit Dachbegrünung versieht, kann das ein wirksamer Schritt zur Klimafolgenanpassung sein. Viel größer aber ist der Effekt, wenn auch Eigenheimbesitzer, Immobilieninvestoren und Gewebetreibende dasselbe tun. Die Stadtverwaltung kann dazu motivieren, beraten, Handreichungen und Unterstützungen anbieten und so einen Prozess voranbringen, in dem sich Mönchengladbach und seine Menschen gemeinsam auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten, die unausweichlich sind.