Winand Herzog

Winand Herzog

Oskar-Kühlen-Straße 8
41061 Mönchengladbach
Tel.: 02161/ 23 297

 

 

Biografie

Geboren am 10. März 1949 in Oberhausen (Rhld.); Studium der Psychologie, Philosophie, Germanistik und Sozialwissenschaften in Hannover.Herr Herzog lebt und arbeitet seit 1978 als Lehrer in Mönchengladbach.

Neben essayistischen und szenischen Texten schreibt der Autor vorwiegend Prosa und Lyrik.
Er war seit 1988 für fast ein Jahrzehnt verantwortlich für Literaturveranstaltungen im Mönchengladbacher Zentrum für offene Kulturarbeit (BIS).
In diese Zeit fiel u.a. die Entwicklung der Reihen "Literarische Portraits" und "Niederrheinische LiteraturNacht". Außerdem organisierte und initiierte der Autor verschiedene Ausstellungen.

 

Bibliografie

Neben Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und im Rundfunk liegen als Einzelveröffentlichungen im Mönchengladbacher Verlag Büro für Realitäts Design (BRD) vor:

1992
Rot Front, Hannen Alt! Bierdeckel- und WundertütenGedichte. Mit Abbildungen und Collagen

1992
Lob der Tse-Tse-Fliege. Gedichte und Prosa. Mit zahlreichen Abbildungen und Collagen

1994
Klagenfut. Eine Erzählung.
Mönchengladbach ISBN 3-930509-03-2

1995
Leben die Bücher bald?. Erinnerungen an eine Bibliothek um 1968. Texte und Materialien für eine Ausstellung mit Abbildungen.
ISBN 3-930509-68-7

1995
Fata Morgana in Dosen, Gedichte für Freundinnen. Mit Monotypien von Ulrike Creischer-Nentwig
Mönchengladbach ISBN 3-930509-23-7

1998
75 Jahre Ernte 23. Verbeulte Idyllen. Meisteranekdoten mit Lehrlingen und andere Texte aus der Jahresproduktion (als Privatdruck veröffentlicht)

2000
Killerbienenwelt! Verbeulte Idyllen 2. Aus der Jahresproduktion 1999 (als Privatdruck veröffentlicht)


Aktuelle Zeitschriften-Veröffentlichungen


Vorabdrucke aus "Wolfskreide. Gedichte zur Zeit" in: "Krautgarten. Forum für junge Literatur" (St. Vith, Belgien), zuletzt Nr. 35 / Oktober

1999
"entwürfe. Zeitschrift für Literatur" (Zürich, Schweiz), Nr. 21, März

2000
Vorabdrucke aus "Verbeulte Idyllen. Meisteranekdoten mit Lehrlingen" in: "neue deutsche literatur" (Aufbau Verlag, Berlin) Nr. 5 / 1999 unter dem Titel: "Regenmäntel für den SDS. Drei Anekdoten aus der Rebellionsgeschichte."
Geplant für eine Ausgabe der "neue deutsche literatur" Ende 2000: "Montage verrutscht".


Lesungen, szenische Lesungen, Literarische Portraits, Ausstellungen

ab 1981
verschiedentlich Lesungen aus "unRuhe. Historische Novelle aus dem Jahre 1966" (unveröffentlicht)

ab 1990
regelmäßige Lesungen aus der aktuellen literarischen Produktion

1992
"... doch dein Herz sagt Maracuja", literarisch-musikalische Performance, zusammen mit Manfred Heinen und Christian Storms. Dazu erschien: " Rot Front, Hannen Alt!"

1993
"Great Society Rioting Blues", Lesung zusammen mit Ricardo Bollig (Gitarre) und Harald Strauß (Gitarre, Bluesharp). Dazu erschien: "Lob der TseTse-Fliege"

1995
Portrait-Sendung mit Texten u.a. aus "Der Kinnhakenempfänger" im SWF, ab 1994 Lesungen aus "Der Kinnhakenempfänger", Literaturgeschichten, u.a. "Ein betrunkenes Pferd" und "Klagenfut"

1994/95
Leben die Bücher bald?, Erinnerungen an eine Bibliothek um 1968, Buchausstellung, dazu erschien die gleichnamige Broschüre

1995
Unter Augenzwang entstand der Traum. Radierungen, Zeichnungen, Bilder und Bücher von Christoph Meckel. Initiator und zusammen mit Prof. Peter Jürgen Sommer Ausstellungsmacher

1997
Für Mönchengladbach Initiator und Mitorganisator der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 1944"

1999
Für Mönchengladbach Initiator der Ausstellung "Arno Schmidt 1914 - 1979"

1993-97
Literarische Portraits, u.a. zu Hölderlin, Wieland, ETA Hoffmann, Holz, Scheerbart, Arp, Kafka, Benn, Jahnn, Arno Schmidt

Der König der Romantik im Geräusch der Welt. Szenische Lesung mit Texten von und über Ludwig Tieck, zusammen mit dem Theater 407

Verletzend des Flüchtlings dritte Regel: Habe nichts!. Bertolt Brecht in Finnland. Textcollage

Hätte ich das Kino.... Die Autoren der Klassischen Moderne & das frühe Kino. HörFilm - Textcollage

Aus deinen Striemen fließt der rote Sand. Die dunklen Seiten der Ingeborg Bachmann. HörFilm - Textcollage, Mitarbeit Tanja Postpischil

1995/96
Lesungen aus: Tanz der Steine. Eine andere Geschichte. Ein Band politischer Satiren und Erzählungen (unveröffentlicht), z.B. "Die Blendung des Agenten Rainer Gehlen"

ab 1997
Lesungen aus: Wolfskreide. Gedichte zur Zeit (einzelne Gedichte in Zeitschriften veröffentlicht)

 

Leseprobe

Versuche zu schreiben, damit aufzuhören & wieder anzufangen

... so überschrieb ich vor langer Zeit einen mittlerweile verschollenen Text, der sich und mir versichern sollte, wie es sich verhielte mit dem Autor und seinen Zielen zwischen den Zeilen. Die naiven Versuche außerhalb jeglicher Literaturgeschichte lagen da schon eine Zeitlang hinter mir, doch vorzugsweise schrieb ich noch immer Lyrik, tastete mich den Irrweg in die Gefilde hermetisch verschlossener Gebankengebäude zurück zu den Untertiteln der Praxis, gesprüht an zerbröckelnde Mauern. Die verwackelt undeutlichen Schnappschüsse aus jenen Welten entwickelte ich erst sehr viel später. Einige verwischte oder überbelichtete Negative in Wolfskreide, meinem Versuch, nach langer Unterbrechung wieder Gedichte zur Zeit zu schreiben, verdanken den frühen Expeditionen manche gelungene Einstellung.

Der Gedichtband Fata Morgana in Dosen vermag diese Entwicklung recht gut zu zeigen, da ich für dieses Buch Gedichte aus einem Zeitraum von dreißig Jahren (1966 bis 1995) ausgewählt habe. Wie bei anderen Autoren auch waren Gedichte für Freundinnen, wie ich den Band im Untertitel genannt habe, unter den ersten Versuchen zu schreiben. Die in geheimer Gemeinsamkeit versiegelten Zeichen sind Thema eines Gedichtes wie Canned Heat, das jedoch zugleich die Entschlüsselung dieser Zeichen mitteilt, im Bewußtsein einer zu privaten Chiffrierung.

Diese Problem führte zu den Versuchen, mit dem Schreiben aufzuhören. Auf Entzug gehen, herausfinden, ob ich schreiben muss; dann auch: nicht sich vom Schreiben beherrschen lassen, sondern das Schreiben beherrschen lernen..., unbekümmerte Postpubertät wie unproduktive Avantgardismen hinter sich lassen, zwischendurch auch mal nicht weiterwissen... In der bleiernen Zeit der 70er Jahre gab es für mich keine adressierbare Öffentlichkeit, so dass meine Texte weitgehend privat bleiben. Die 10 Gedichte aus dieser Zeit, die in Fata Morgana in Dosen abgedruckt sind, lassen sich, glaube ich, auch heute noch gut lesen, und das kann nicht über vieles aus dieser Epoche der Neuen Deutschen Innerlichkeit gesagt werden.

Ohne dass ich jemals ganz aufgehört hätte zu schreiben, stellen doch die 90er Jahre in gewisser Weise einen Neuanfang dar. In der separat veröffentlichten Erzählung Klagenfut und den anderen Literaturgeschichten aus Der Kinnhakenempfänger - Satiren auf den Literaturbetrieb - entwickelte ich einen Ton humoresker Ironie mit Drall zur subversiven Allotria, der sich ebenfalls als brauchbar für anderes erwies. Dass die Welt, wie sie ist und immer unerträglicher, auch gefährlicher wird, in einem so betäubenden Ausmaß klaglos hingenommen wird, kann einen in die Verzweiflung treiben, den andern zum aufklärerischen Singen -: Fun, fun, fun till her daddy took her T-bird away rockten die fröhlichen Beach Boys schon Mitte der 60er Jahre: Wenn Papa dir erst dein Spielzeug wegnimmt, dann ist Schluß mit lustig! Das Überdrehen von Realität oder ihr entsprechendes Zurechtschnitzen (Realitäts-Design) ist hier vielleicht eine herausfordernde Methode, durch den zur Kenntlichkeit entzerrenden Spiegel heilsames Erschrecken oder zupackendes Gelächter zu erzeugen...

Dass, wer die Gegenwart verstehen und ändern will, die Vergangenheit kennen muss, ist ein immer noch gegen besengende Sonne schützender alter Hut, der mich aber dazu veranlasst, in umfassenden epischen Kreisbewegungen bestimmende Entwicklungen der letzten 35 Jahre schreibend zu durchdringen und zu rekonstruieren. Ein erster Anfang war die Novelle unRuhe, in der ich den Versuch machte, die individuellen inneren Bedingungen für die Revolte der 60er Jahre prototypisch nachzuzeichnen. Die Fortsetzung dieses Projektes bis ans Ende des 20. Jahrhunderts bietet, neben allem anderen, Stoff für die nächsten 20 Jahre..

Wer schreibt, bleibt.

(2. Juni 2000)