Karin Ebeling

Venloer Straße 352
50825 Köln
Tel.: 0221/ 58 91 96



Biografie

Geboren am 17. Januar 1965 in Hamburg und aufgewachsen im ländlichen Raum Nordhessens; Studium der Germanistik und Philosophie in Hamburg, Freiburg, Berlin und Düsseldorf; 1994 Abschluss des Studiums mit Magisterprüfung; diverse Jobs in der Produktion und im Büro sowie im Krankenhauslabor und als Taxifahrerin; 2001/2002 war sie Mitglied in der Jury des Friedrich-Glauser-Preises, Krimipreis der Autoren; heute erstellt Karin Ebeling Zeitschriftendokumentationen und ist in der Erwachsenenbildung tätig.

Die Autorin, die von 1995 bis 2001 in Mönchengladbach lebte - eine Zeit in der alle bisherigen Publikationen entstanden sind- hat schon als Kind angefangen zu schreiben. Als Krimi-Autorin interessieren sie die kleinen Tragödien mehr als die großen Verschwörungen, schriftstellerisches Hauptanliegen ist ihr die präzise, dem Stoff angemessene sprachliche Gestaltung. Sie sagt: " In einem gelungenen Text steht idealerweise genau das richtige Wort an exakt der Stelle, an die es gehört.". Gemeinsam mit Sabine Pachali hat sie den heiteren Nordhessenkrimi verfasst, solo schreibt sie weniger heitere Kurzgeschichten, sondern vielmehr traurige Außenseiter-Stories wie die nachfolgende Leseprobe aus "Voll der Versager" beweist, übrigens eine Geschichte mit einem konkreten Bezug zu Mönchengladbach. 

 

Bibliografie

1999
"Alles geht vorüber", Roman mit Sabine Pachali.
Fischer TB-Verlag, Frankfurt ISBN: 3-596-14123-0

2000
"Zwei Punks" in "Rheinleichen", Kriminalgeschichten von Rhein, Hrsg. Ina Coelen und Ingrid Schmitz.
Emons Verlag, Köln ISBN: 3-89705-182-6

2001
"Voll der Versager" in "Tödliche Beziehungen", Kriminalgeschichten, Hrsg. Ina Coelen und Ingrid Schmitz.
Emons Verlag, Köln ISBN: 3-89705-213-X



Leseprobe 

"Ey, und danke, dass ihr mir helft", wiederholt Mischa zum soundsovielten Mal. "Ich krieg das echt nicht geregelt, allein." Er stürzt über einen Ast und geht zu Boden. "Genau. Zu blöd zum Scheißen." Roger grinst und streckt ihm die Hand entgegen. "Wenn du uns nicht hättest." Mischa fasst zu und lässt sich hochziehen. "Voll der Versager", murmelt er. "Der Alte hat ja so Recht." Janine streicht ihm zärtlich die dunklen Haare aus dem Gesicht. Ihre Stimme ist rau. "Ach komm. Du ziehst es doch durch."  Schweigend gehen sie weiter, immer am Waldrand lang. Die Sonne hängt schon knapp über einer Pappelreihe auf den Feldern. Auf einer Stromleitung singt eine Amsel, und irgendwo hämmert ein Specht. Janine räuspert sich und fragt:" Hätten wir nicht was mitnehmen sollen? "Also..."  "Cola oder so", träumt Roger vor sich hin. "Hättste auch früher drauf kommen können." Massig wie er ist, schwitzt er mächtig und wischt sich immer wieder mit dem Ärmel seines roten Karo-Hemds über die Stirn. "Hat wenigstens wer 'ne E dabei?"
"Ich meinte eher so was wie ... irgendwas, womit wir's machen können." Sie mustert Mischa, der wie aufgezogen mit gesenktem Kopf neben ihr herläuft, die tiefen Furchen über dem Schlüsselbein, die dünnen Oberarme. Feinripphemd und Adidashose schlottern an seinem Körper. "Vertrau mir." Roger strahlt sie an. "Wir sind fast da-ha." Er deutet auf einen alten Hochsitz, nicht mehr als eine überdachte Bank mit Leiter. "Und guckt mal, was Papa sonst noch dabei hat!", brüllt er und macht sich an den Beintaschen seiner Worker-Jeans zu schaffen. In jeder Hand eine eckige Flasche tanzt er um den Ansitz herum.
Janine bleibt in Brombeerranken stecken und reißt sich die Strumpfhose kaputt. "Ja, komm, hol alle her", krächzt sie.
"Ist das nicht cool?", schnauft Roger und hält ihnen die Etiketten mit dem Hubertushirsch hin. Janine rümpft die Nase. Mischa schaut woanders hin. Achselzuckend verstaut Roger den Kräuterlikör wieder. "Gehn wir rauf?" Bald sitzen sie auf der schmalen Holzbank. Robert schraubt eine Flasche auf und reicht sie herum. Wellenbewegungen durchlaufen die Getreidefelder, das Licht ist klar. Irgendwo bellt ein Hund. Janine schaltet das Handy in ihrer Umhängetasche aus. Mischa hängt zusammengesunken zwischen den beiden und blinzelt in die hellen, pulsierenden Lichtflecken zwischen dem Pappellaub.
"Ich hab auch noch was dabei", bekennt er leise. Umständlich zündet er einen Joint an und bläst eine dicke Rauchwolke in den Himmel. Er umfasst das Panorama mit einer ungelenken Armbewegung. "Ey, das sieht so geil aus, das tut voll weh."  Roger lehnt die angebotene Tüte erst ab. "Später, Kumpel. Wenn wir's hinter uns haben." Er fährt sich durch den halben Zentimeter Haare und greift mit einem verlegenen Lächeln dann doch zu.  "Willst du's dir nicht noch mal überlegen?" Janine inhaliert und streicht mit zwei Fingern über ihre Laufmaschen.
Mischa schüttelt langsam den Kopf. "Nen Job krieg ich doch im Leben nicht mehr", nuschelt er bedrückt. "Und, wo soll ich'n hin, ey, wenn der Alte mich nicht mehr will. Der versteht doch voll nichts von dem Zeug." Er nimmt den Joint und verstummt. Roger deutet auf eine sich nähernde Silhouette:"Ein Bussard." Alle drei beobachten, wie der Vogel auf dem Feldrain unter ihnen landet. "Das ist eine Scheiß-Krähe." Janine wirft die leere Flasche nach dem Tier. "Ihr zieht das doch durch?", fragt Mischa und sieht dem auffliegenden Vogel unruhig nach. " Ey, ihr habt's versprochen!"
"Du kannst dich auf uns verlassen", kiekst Janine. "Ja, Mann, und hör auf, Scheißstimmung zu machen." Roger öffnet die zweite Flasche. "Sonst geht das ganz schnell." Er legt Mischa die Hand auf den Rücken und deutet einen Schubs an. Mischas starre Züge verziehen sich zu einem trübsinnigen Lächeln, und er schnipst die abgebrannte Kippe ins Weizenfeld. Unsicher steigen sie die Leiter wieder runter und gehen in den Wald. Roger bleibt stehen:"Reicht." In einiger Entfernung schimmert es hell zwischen den Bäumen durch. Bevor er die Flasche zuschraubt und abstellt, trinkt Roger noch einen hastigen Schluck. Langsam krempelt er die Ärmel hoch. Janine schiebt den Daumen in den Mund und kaut am Nagelbett. Mischa reibt sich die Arme und blickt stumpf zu Boden. Dann sagt er tonlos:"Na macht schon,ey." Janine umarmt ihn. Sie tritt beiseite und nimmt seine Hand. "Jetzt? Echt?" Roger lässt die Fingergelenke knacken. Mischa nickt und schließt die Augen. "Okay, Kumpel. Mach dich klein", befiehlt Roger, legt die Hände um Mischas Hals und drückt zu.  Mischa zittert. Seine Lider flattern, öffnen sich wieder. Überrascht und furchtsam sieht er auf. Er zieht Janine die Hand weg. Seine Finger krampfen sich um die Daumen an seiner Kehle.
"Scheiße, was soll'n das?" beschwert sich Roger. "Lass mich", bringt Mischa gerade noch raus. "War doch deine Idee." Roger lässt los. "Mann, du bist echt nur der Loser." Mischa japst und stolpert ein paar Schritte rückwärts. Janine zuckt die Achseln, als Roger sie anblickt. Beide gucken Mischa an, der, die Hände auf die Oberschenkel gestützt, gierig atmet. Ein aufgeschreckter Singvogel flüchtet mit Alarmgeschrei. Roger kaut auf seiner Unterlippe. "Ich zieh das jetzt durch", verkündet er.