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Eliteschule des Fußballs

junger Mann, eine Hantel stemmend, Foto: Borussia

In einer langen Fußballhistorie hat der Niederrhein, und hier insbesondere der Verein VfL Borussia Mönchengladbach, trotz großer Konkurrenz im direktem Umfeld und schwieriger struktureller Bedingungen, über viele Jahrzehnte erfolgreich Fußballer entwickelt und gefördert. Aber die Anforderungen an die modernen Strukturen der Talentförderung im Jugendfußball haben sich grundlegend verändert. Spitzentalente im Fußball sind einer permanenten Doppelbelastung ausgesetzt. Denn sie müssen zeit- und belastungsintensive sportliche Anforderungen mit der schulisch-beruflichen Ausbildung koordinieren, um auch jenseits der letztlich unsicheren Fußballkarriere eine chancenreiche Lebensperspektive zu haben. Daher ist eine an den individuellen Möglichkeiten des Talentes ausgerichtete Bildungsförderung eine unbedingte Grundvoraussetzung für eine verantwortungsvolle und letztendlich erfolgreiche Jugendarbeit. Das Konzept der „Eliteschulen des Fußballs“ des DFB zielt genau in diese Richtung und ist daher auch für Mönchengladbach die optimale Symbiose zwischen sportlicher und schulischer Förderung.

In ganz Deutschland bilden derzeit 29 Eliteschulen ein flächendeckendes Netzwerk an speziellen Bildungs- und Fördereinrichtungen für Fußball-Talente.

Unter der Federführung des Vereins VfL Borussia Mönchengladbach haben es sich für den Standort Mönchengladbach die Partnerschulen Gymnasium Rheindahlen, Gesamtschule Hardt und Berufskolleg Volksgartenstraße für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Mönchengladbach seit Juni 2012 zur Aufgabe gemacht, jungen Fußball-Talenten eine individuell ausgerichtete Bildungsförderung im Spannungsfeld Schule und Sport zu ermöglichen und somit die 30. Eliteschule des Fußballs, erstmalig am Niederrhein, zu gründen. Die Umsetzung dieses Konzeptes soll durch die drei Partnerschulen, Borussia Mönchengladbach sowie der Stadt Mönchengladbach als Schulträger realisiert werden.

Ein entsprechender Antrag zur Anerkennung des Schul- und Verbundsystems in Mönchengladbach als „Eliteschule des Fußballs“ wurde seitens des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen positiv beschieden und liegt  im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zurzeit beim DFB. Eine Zertifizierung wird seitdem erwartet.

Die Realisierung der sportlichen Förderung der Talente wird in Mönchengladbach über das vereinseigene Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) von Borussia abgedeckt, welches sich in zentraler Lage zu den drei Partnerschulen befindet. Hier sind sowohl organisatorisch, wie auch räumlich sehr gute Strukturen vorhanden, um die fußballerische Ausbildung der Talente zu optimieren. Die organisatorischen Anforderungen, zum Beispiel bezüglich des Fahrdienstes von und zu den Trainingseinheiten, oder die medizinische bzw. physiotherapeutische Betreuung können über die bestehenden Strukturen des NLZ ideal abgedeckt werden.

Auf der schulischen Seite sind die drei Partnerschulen das Gymnasium Rheindahlen, die Gesamtschule Hardt und das Berufskolleg Volksgartenstraße für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Mönchengladbach nun dabei, die bereits praktizierte, positive Zusammenarbeit mit dem Verein bzw. dem NLZ zu intensivieren, um letztlich eine möglichst große Anzahl von Talenten zu erreichen.

Zudem betreuen die Lehrer des Gymnasiums Rheindahlen die jugendlichen Sportlerinnen und Sportler im Sport-Teilinternat Mönchengladbach, welches sich durch die räumliche Nähe und die zusätzlichen Unterstützungsmöglichkeiten im schulischen Bereich als ergänzender Baustein zu den verschiedenen Bildungsgängen empfiehlt.

Am 11. Oktober 2011 fiel der Startschuss für die erste Testphase und läuft seitdem sehr stabil. 18 talentierte Jugendfußballer nehmen derzeit in Mönchengladbach am Verbundssystem „Eliteschule des Fußballs“ teil und profitieren bei der Organisation ihres Tagesablaufes von der guten Koordination zwischen Schul- und Vereinsarbeit.

Die 18 Verbandsauswahlspieler, Juniorennationalspieler oder Spieler eines Nachwuchsleistungszentrums bekommen einen höheren Trainingsumfang durch zusätzliche Trainingszeiten im Vormittagsbereich, also im Stundenplan des Schulunterrichtes. Somit soll eine systematische Vorbereitung der Talente auf sportliche Spitzenleistungen, durch individuell an den Spieler und die Altersklasse angepasste Trainingsschwerpunkte gewährleistet werden.

Die wöchentlichen Trainingszeiten am Vormittag, in den jeweiligen Altersstufen, orientieren sich an den Empfehlungen des DFB. Diese werden individuell festgelegt.

Die jungen Fußballer werden bei Bedarf von einem Fahrdienst des NLZ an den Schulen abgeholt und zum entsprechenden Trainingsort gebracht. Das Training orientiert sich in den jeweiligen Altersstufen an den vorhandenen Jahresplänen bzw. Ausbildungsschwerpunkten des NLZ sowie den Empfehlungen des DFB. Es ist aufgeteilt in Athletiktraining und Techniktraining und findet in Form von Kleingruppen bzw. auch gezielt mit einzelnen Spielern statt.

Die Trainingseinheiten werden von hauptamtlichen Trainern sowie einem Athletiktrainer des NLZ übernommen.

 

Die durch das Zusatztraining versäumten Unterrichtsinhalte werden durch einen individuellen Nachführunterricht an der jeweiligen Partnerschule aufgefangen oder über schriftliche Informationen und als Hausaufgaben zur Nacharbeit im Sportteilinternat aufgegeben.

Für jeden zu fördernden Jugendlichen wird ein individueller Bildungsplan erstellt, der individuelle Nachhilfe oder schulische Termine wie beispielsweise Klausurtermine berücksichtigt.

 

Exemplarischer Tagesablauf eines Teilnehmers

Der 3-Jahresdurchschnitt zeigt, dass beispielsweise ein U15 Kadersportler bis er die Jugend verlässt zusätzliche 240 Trainingseinheiten leistet. Im Schnitt 80 Trainingseinheiten pro Jahr, welche den sportlichen Effekt neben dem schulischen Unterstützungssystem deutlich belegen. Somit ist der optimal fußballerische Leistungsaufbau eingebettet in ein übergreifendes pädagogisches Konzept, das gleichzeitig die sozialen, schulischen und beruflichen Qualitäten junger Persönlichkeiten fördern will.