Biodiversität in Gärten

Biodiversität in Gärten

Was ist Biodiversität?

Biodiversität oder biologische Vielfalt beschreibt die Vielfalt des Lebens auf allen Ebenen. Sie beinhaltet die Vielfalt von Ökosystemen und Lebensräumen, die Vielfalt der Arten sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Sie sorgt dafür, dass natürliche Prozesse wie z. B. Bestäubung, Samenverbreitung, Klimaregulierung, Trinkwasserfilterung, Nährstoffzyklen und Schädlingskontrolle funktionieren. Ohne Biodiversität funktioniert kein Ökosystem und auch Menschen sind auf sie angewiesen.

Die Biodiversität ist in Deutschland erheblich bedroht. Rund ein Drittel der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gilt als gefährdet. Besonders dramatisch ist die Situation bei Insekten: Von etwa 560 Wildbienenarten sind über die Hälfte gefährdet, 60 davon sogar akut vom Aussterben bedroht.

Warum Gärten so wichtig sind

Mit rund 17 Millionen Privatgärten in Deutschland herrscht hier ein gewaltiges Potenzial für den Naturschutz. Wenn Gärten naturnah und vielfältig gestaltet sind, bieten sie Tieren wertvolle Rückzugsorte und können Trittsteine zwischen größeren, natürlichen Lebensräumen bilden.

Viele Gärten bleiben jedoch unter ihren Möglichkeiten. Häufig fehlen heimische Pflanzen, strukturreiche Bereiche oder natürliche Nahrungsquellen. Stattdessen dominieren versiegelte Flächen, exotische Zierpflanzen und der Einsatz von chemischen Mitteln.

Die häufigsten Probleme in Gärten

Viele Gärten schöpfen ihr ökologisches Potenzial nicht aus:

Fehlende Nahrung: Zuchtformen mit gefüllten Blüten sehen zwar schön aus, bieten aber weder Pollen noch Nektar. 

Lebensraumverlust: Regelmäßig gemähte Rasenflächen, Pflastersteine oder Schottergärten bieten wenig Schutz, Nistplätze oder Nahrung. Weshalb wilde Ecken, hohe Gräser und heimische Pflanzen umso wichtigere Lebensräume darstellen.

Einsatz von Pestiziden: Pflanzenschutzmittel töten nicht nur gezielt Schädlinge, sondern auch viele Nützlinge wie z.B. Marienkäfer. 

Versiegelung: Bodenversiegelung verhindert die natürliche Versickerung von Wasser und zerstört die Lebensräume von Bodenlebewesen. 

Falsche Pflegezeitpunkte: Der Rückschnitt von Stauden und Gräsern im Herbst entfernt wichtige Winterquartiere für Insekten. Daher sollten über den Winter die Stängel von Blumen und Stauden stehengelassen werden (bis Ende April/Anfang Mai), denn sie bieten wertvollen Unterschlupf.

So kann die Artenvielfalt im Garten gefördert werden

Der Garten muss nicht komplett umstrukturiert werden. Viele einfache Maßnahmen können schon helfen:

Heimische Pflanzen wählen

Wildpflanzen, Wildstauden und artenreiche Blumenrasen bieten Nahrung für Insekten. Heimische Pflanzen sind essenziell, da viele Arten im Laufe der Evolution auf sie spezialisiert wurden. Sie liefern nicht nur Nahrung für Wildbienen und Schmetterlinge, sondern oft auch Samen für Vögel oder Futter für Raupen.

Strukturelle Vielfalt schaffen

Lebensräume entstehen durch Vielfalt. Wildsträucherhecken, Totholz, Trockenmauern oder Reisighaufen bieten Verstecke, Nistplätze und Überwinterungsmöglichkeiten. Ideal sind Sträucher wie Kornelkirsche, Weißdorn, Liguster, Faulbaum oder Pfaffenhütchen.

Wilde Ecken zulassen

Ein ungemähter Wiesenstreifen oder eine Naturinsel im Garten bieten Lebensraum und Nahrung für Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und Co.

Natürliche Nisthilfen aufstellen

Neben Insektenhotels sind auch Sandkuhlen, offene Bodenbereiche oder Totholz hilfreiche Nistplätze für z.B. Wildbienen, Marienkäfer oder Hummeln.

Wasser bereitstellen

Ein Miniteich oder eine flache Wasserschale kann für viele Tiere lebenswichtig sein. Libellen, Vögel oder Amphibien nutzen solche Angebote zum Trinken, zur Eiablage oder als Lebensraum. Schon eine Schale mit Steinen als Ausstiegshilfe kann helfen.

Vertikale Begrünung

Auch begrünte Zäune und Hauswände können Lebensräume bieten. Vertikal begrünte Flächen bieten Sichtschutz, Lebensraum und verbessern das Mikroklima. Kletterpflanzen mit ökologischen Vorteilen sind z. B. Wilder Wein oder die Waldrebe.

Naturecke

Miniteich

Warum Biodiversität auch für den Menschen wichtig ist

Ein Garten mit vielen heimischen Pflanzen und Tieren bringt einige Vorteile. Je mehr verschiedene Arten im Garten leben, desto besser funktioniert das Ökosystem. Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen fressen z.B. Schädlinge wie Blattläuse, womit weniger Schädlingsdruck herrscht. Wildbienen und Hummeln bestäuben Obst und Gemüse, was eine gute Ernte ermöglicht und kleine Tiere wie Schmetterlingsraupen oder Käfer sind zudem wichtiges Futter für Vögel und Fledermäuse. Außerdem helfen im Boden Kleinstlebewesen und Bakterien dabei, Nährstoffe zu verwerten und für Pflanzen verfügbar zu machen. So entsteht ein natürlicher Kreislauf, in dem alles voneinander abhängt.

Heimische Pflanzen sind dabei besonders wichtig. Viele Tiere sind genau auf sie angewiesen, weil sie sich über lange Zeit gemeinsam entwickelt haben. Wer also Wildpflanzen im Garten hat, tut nicht nur etwas für die Artenvielfalt, sondern sorgt auch dafür, dass das natürliche Gleichgewicht erhalten bleibt.

 

Bilder und Texte: Quelle Projekt gARTENreich.