Das Klavier - schnelle Erfolge, aber auch ein Instrument für Leistungssportler

Julius und Maximilian Gruber, Klavierschüler

Eigentlich spricht vieles gegen das Klavier: Es ist groß wie ein Schrank, teuer und niemand wird mal eben sein 300 bis 500 Kilo schweres Instrument zum Auftritt mitbringen. Trotzdem ist das Klavier seit vielen Jahren mit Abstand das beliebteste Instrument - nicht nur bei den Musikschülern in Mönchengladbach, sondern deutschland- und sogar weltweit. Und egal, welches Instrument man studiert: Klavier ist Pflicht-Nebenfach, so wie jeder angehende Lehrer Pädagogik belegen muss und jeder Medizinstudent Anatomie.

Wer am Klavier sitzt, hat die gesamte Tonleiter aufgeblättert vor sich liegen. 88 Tasten hat das Klavier. Das ist ein Tonumfang von über sieben Oktaven. Manche Konzertflügel haben sogar links vier zusätzliche Tasten und kommen auf acht Oktaven. Mehr geht aber wirklich nicht, sonst wären die  Töne im Bass nur noch ein tiefes Grummeln.

Stehen ein Klavier, eine Geige und eine Trompete im Raum, dann werden sich neun von zehn Kindern ans Klavier setzen und drauflosklimpern. Eine Taste zu bewegen, ist nun mal einfacher, als auf anderen Instrumenten einen Ton zu produzieren. Auch im Klavierunterricht kommen schnell erste Erfolge. Aber virtuos Klavier zu spielen, ist eine lebenslange Herausforderung. Gute Pianisten sind Leistungssportler. Was sie an Akrobatik mit ihren Händen vollbringen, grenzt an Hexerei.

Komplex wird es dadurch, dass man beim Spielen immer mehrere Töne gleichzeitig denken muss. Und ein Pianist hat parallel die Noten im Bass- und im Violinschlüssel vor sich. Oft macht die linke Hand etwas ganz anderes als die rechte. Das ist so ähnlich, wie sich mit links rhythmisch auf den Kopf zu klopfen und gleichzeitig mit rechts langsam kreisend den Bauch zu massieren. Dabei sitzt man beim Klavierspielen vor einem Schrank und nur die Fingerspitzen und die Sohle des rechten Fußes am Pedal berühren das Instrument. Aber der Atem und der ganze Körper spielen mit. Am Klavier sitzt man in einer Energie-Glocke: Es ist sehr intensiv - mal mit Vollpower, mal streicheln die Hände sanft die Tasten. Für all das ist das Klavier ein treuer, ehrlicher Freund.

 

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Zu wem passt das Klavier?

Johann Sebastian Bach hatte solche Pranken, dass er zwölf weiße Tasten weit greifen konnte. Die Spannweite seiner Hände betrug 26 Zentimeter. Für so einen Handspagat sind lange, schlanke Finger ideal. Doch auch wer nicht mit Spinnenhänden gesegnet ist, kann virtuos Klavier spielen. Wenn die Töne in einer Hand weit auseinander liegen, gibt es einige Tricks, um zu pfuschen.

In einem ausgewachsenen Sinfonieorchester spielen 30 Geiger, aber maximal ein Pianist. Auf diese Stelle zu spekulieren ist, wie Lotto zu spielen. Ähnlich klein sind die Chancen, als Solist am Klavier erfolgreich zu werden. In kleinen Ensembles hingegen gibt es viel zu tun. Und ein guter Klavierbegleiter kann sich vor Nachfragen kaum retten. Pianisten brauchen nicht so feine Ohren wie Geiger, die immer aufpassen müssen, dass sie nicht knapp unter oder über dem Ton spielen. Am Klavier gibt es nur Taste treffen oder nicht. Was enorm hilft, um sie zu treffen: üben, üben und nochmals üben. Klavierschüler sollten vor allem Fleiß und Ausdauer mitbringen. Wenn ein Pianist in einem Ensemble spielt, ist er immer derjenige, der die meisten Noten zu lernen hat. Das ist zwar himmelschreiend ungerecht. Aber da müssen Klavierspieler nun mal durch.

Berühmte Klavierstücke

Was haben die „Ballade pour Adeline“ von Richard Clayderman, Beethovens „Für Elise“ und der Filmsong „Comptine d´un autre été“ aus „Die fabelhafte Welt der Amélie“ gemeinsam? Für ganze Generationen von Klavierschülern war eines dieser populären Stücke der Grund, mit dem Unterricht anzufangen. Klavierlehrer lächeln in der Regel gequält, wenn mal wieder ein Schüler einen dieser Gassenhauer spielen möchte. Dabei ist zumindest „Für Elise“ eines von Beethovens schönsten Klavierstücken, wenn man seinen Kopf leer macht und neu hinhört.

Chopins „Revolutionsetüde“ trennt bei den Pianisten die Spreu vom Weizen: Rasend schnelle Läufe, gewagte Chromatik und stürmisches Wüten sind zu hören. Das verteufelt schwere Stück erzählt auch von der Auflehnung der Polen gegen die Russen. Eines der weltweit bekanntesten Jazz-Alben ist das frei improvisierte „Köln Concert“ von Keith Jarrett. Auch Menschen, die sonst wenig Jazz hören, lieben die sehr eingängige Musik, die zwischen ruhigen und treibenden Momenten und ekstatischer Erlösung wechselt.

 

Sophie Sczepanek

Lehrerin und Liedbegleiterin

Sie spielt Klavier, seit sie vier Jahre alt ist. Sie war Bundespreisträgerin beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ und in ihrem Lebenslauf steht eine beeindruckende Liste an Auszeichnungen und Stipendien. Sie hat einen Masterabschluss mit Bestnote in Liedbegleitung. Aber was sie beim Klavierspielen am meisten reizt: die Verbindung mit anderen Menschen zu spüren - als Lehrerin an der Musikschule und als Begleiterin. Dafür ist essenziell wichtig, sensibel und vorausdenkend zu sein. Aber auch, jederzeit spontan ausbügeln und umswitchen zu können - zum Beispiel, wenn der Sänger eine Passage überspringt. Sophies Patentrezept: „Mitdenken, mitatmen, mitfühlen.“ Und sie liebt es, bei der Duoarbeit Menschen schnell intensiv kennenzulernen.

Burkhard Kerkeling

Spezialist für vierhändiges Klavierspiel

„Man muss sich gut riechen können“ - so beschreibt der Fachleiter für Tasteninstrumente die Grundvoraussetzung für vierhändiges Klavierspiel. Nicht nur, weil Duos sich am Klavier körperlich nahe kommen. Auch das gleiche Zeitgefühl ist wichtig. Wenn zwei Anschläge nur eine Zehntelsekunde auseinanderliegen, hört man es bereits. Kerkeling hat sich auf diese Herausforderung spezialisiert. Zusammen mit seiner Duo-Partnerin Martina Walbeck ist er schon in der New Yorker Carnegie Hall, in Rom, Griechenland und Argentinien aufgetreten. Und er hat auch schon viele Schüler-Duos ausgebildet - wie die Zwillinge Julius und Maximilian Gruber. Die beiden 13-Jährigen schlafen in einem Zimmer und waren erst einmal einen Tag getrennt, weil einer von ihnen ins Krankenhaus musste. „Die beiden haben ein extremes intuitives Verstehen“, sagt Kerkeling. „Aber dafür ärgern sie sich ständig gegenseitig.“

Übrigens...

Macht Klavierspielen klug oder spielen kluge Menschen Klavier? Da kann man genauso fragen: War die Henne zuerst da oder das Ei? Psychologen haben nachgewiesen, dass Klavierspielen den IQ um sieben Prozent erhöht - auch noch bei Erwachsenen. Änderungen im Gehirn sind schon nach fünf Monaten Üben nachweisbar. Bemerkenswert ist auch das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage unter Frauen in Mönchengladbach, ob sie Männer attraktiv finden, die Klavier spielen. Alle Frauen zwischen 20 und 70 Jahren lachen und sagen: „Wenn ich ehrlich bin: ja.“