Das Schlagzeug - Oberbegriff für über 40 Instrumente

Felix Elsenbruch, Schlagzeugschüler

Schon im Bauch unserer Mutter war ihr Herzschlag Musik in unseren Ohren. Manche sagen, dass wir unser Leben lang in der Musik diesen Puls wiederfinden wollen. Unterbewusst spüren wir in jedem gleichmäßigen Rhythmus etwas von diesem Gefühl der Ruhe, Nähe und Geborgenheit.

Der Schlagzeuger ist das pochende Herz der Band oder des Orchesters. Dabei ist die Bezeichnung Schlagzeug ähnlich ungenau wie das Wort Hund. Ist er schwarz, weiß, groß, klein, bissig, langhaarig? Über 40 Instrumente gehören zum Schlagwerk - von Tom Tom über Becken, Pauke, Xylophon, Gong, Triangel bis hin zu Rassel und Schellenkranz. Eingeteilt werden die Schlaginstrumente in vier Gruppen: Die erste ist das Drumset‚ das klassische Schlagzeug. Die zweite Gruppe sind die Pauken, die oft im Sinfonieorchester eingesetzt werden. Sie können übrigens nicht nur dröhnend laut spielen, sondern auch ganz leise grummeln. Stabspiele sind die dritte Gruppe. Das Xylophon ist eines von ihnen. Es eignet sich gut, um Kindern musikalische Grundlagen zu vermitteln. Auf seiner großen Schwester Marimbaphon sieht es wie Hexerei aus, wenn ein Musiker mit je zwei Schlägeln pro Hand in irrem Tempo über die Klangplatten huscht. Percussion-Instrumente beginnen eigentlich schon bei der Babyrassel. Doch wie bei allen Schlaginstrumenten gilt: Was die Artistik des Musikers angeht, gibt es keine Grenzen nach oben - auch in Mönchengladbach. Regelmäßig gewinnen Schlagzeuger der Musikschule Preise beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“.

 

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Zu wem passt das Schlagzeug?

Anfangen können Kinder schon im Vorschulalter. Dieses Instrument ist unüberhörbar. Das bedeutet für den Musiker auch eine große Verantwortung. Wegducken geht nicht. Der Schlagzeuger zählt ein und hält das Schiff auf Kurs.

Wissenschaftler haben gemessen, dass das Herz eines Schlagzeugers phasenweise schneller schlägt als das eines Profi-Fußballers: bis zu 190-mal pro Minute. Schlagzeug spielen ist eindeutig Fitness-Training. Freude an Bewegung ist dafür eine gute Voraussetzung.

Ganz wichtig ist auch Rhythmusgefühl. Manche bringen es mit, andere müssen es trainieren, denn sonst fängt die ganze Band an zu wackeln. Die rechte Hand macht am Schlagzeug ganz etwas  anderes als die linke und der Fuß am Pedal wieder etwas anderes. Dieses Instrument ist halt sehr körperlich. Das ist auch der Grund, warum ein Drummer auf viele cool und anziehend wirkt: Im Grunde tanzt er die ganze Zeit auf seinem Hocker.

Berühmte Schlagzeugmusik

Rhythmus und Melodie, Triangel und Pauke, Sinfonieorchester und Punkband, Schlager und Oper - das Schlagzeug ist vor allem eins: sehr vielfältig.

Der Police-Drummer Stewart Copeland ist der Gott mancher Schlagzeuger. In dem Hit „Wrapped around your Finger“ beginnt er mit einem dumpfen Gongschlag und Zimbeln, spielt Melodie und Reggae-Beats mit Glockenspiel und Pauken. Nur am Höhepunkt wechselt er kurz an die Drums. Copeland spielt energisch, genau und ohne Angeberei - einfach nur genial gut. Ob er Sting die Show stiehlt? Nein: Copeland ist die Show.

In der klassischen Musik haben die Pauken einen spektakulären Auftritt in „Dies Irae“ von Berlioz. 16 Pauken donnern los, um die Schrecken der Hölle erklingen zu lassen. Wenn der Chor vom Jüngsten Gericht singt, lassen die Pauken buchstäblich die Erde beben. Als in der Wagner-Oper „Die Walküre“ Siegfried von seinem nahen Tod erfährt, macht die Pauke sein angstvoll pochendes Herz hörbar. Haydns „Sinfonie mit dem Paukenschlag“ beginnt mit leise säuselnden Dreiklängen. Nach 16 Takten kommt als Knalleffekt ein fetter Paukenschlag. Haydn soll sie in den langsamen zweiten Satz hineinkomponiert haben, damit ihm das träge Konzertpublikum nicht wegdämmerte.

Wenn der österreichische Multi-Percussionist Martin Grubinger über die Bühne wirbelt, ist sie gerammelt voll mit Schlaginstrumenten. Grubinger, der weltweit mit großen Musikern und Orchestern spielt, macht Musik auf allem von Glockenspiel bis Gartenzaun. Er ist auch der witzige Moderator des Klassikmagazin „KlickKlack“ beim Bayerischen Rundfunk. Grubingers Energie und Kreativität sind enorm. Auch bei sich zu Hause hat er 500 Schlaginstrumente - und ein Fitness-Studio.

 

Rüdiger Tiedemann

Drummer der Bands „Booster“ und „Plexiphones“

Rüdiger Tiedemann, ehemaliger Musikschüler, ist inzwischen Drummer der Band Booster.

Wenn im Auto der Blinker tack-tack macht, dann trommelt er automatisch auf dem Lenkrad einen Rhythmus dazu. „Ich habe immer mehr den Puls wahrgenommen als die Melodie“, sagt Rüdiger Tiedemann. Erst hatte er fünf Jahre Klavierunterricht an der Musikschule. Doch dann bekam er eine Cassette mit Police-Songs. Als er darauf den Drummer Stewart Copeland hörte, wusste er: „Das ist es.“ Er wechselte zum Schlagzeug, mischte bald in diversen Bandprojekten mit und wurde Drummer der Musikschulband „Groove News“. „Wir durften immer bis 22 Uhr Krach machen“, erzählt er. Danach brachte jemand aus der Band der Hausmeisterin den Schlüssel zu Hause vorbei. Rüdiger stand auch im Jugendsinfonieorchester an den Pauken. „Ich habe dort musikalische Strukturen kennengelernt“, sagt er. „Und der klassische Klangapparat ist einfach eine Wucht.“

Er machte eine Ausbildung in der Schlagzeug-Abteilung eines Musikalienhandels und ein Intensiv-Studium am „Drummers Institute“ in Düsseldorf.  „Nichts erfüllt mich so sehr, wie mit Freunden auf der Bühne zu stehen“, sagt Rüdiger. Sture Arrangements langweilen ihn, er spielt am liebsten emotional und reagiert spontan auf den Sänger. Schon lange kann er ausschließlich von der Musik leben: Er ist Drummer der Band „Booster“, in der sein Musikschul-Kumpel René Pütz singt. Auch bei den „Plexiphones“, „Rocking Chairs“ und dem Blues-Rock-Trio „Purple Road“ sitzt er am Schlagzeug. Rüdiger ist ein sonniger, unkomplizierter Typ. „Es hat sich irgendwie immer gefügt“, sagt er. Ob er auch mal seine Wut am Schlagzeug auslässt? „Nein, dafür liebe ich mein Instrument zu sehr. Zum Abreagieren gehe ich spazieren.“

Schlagzeug spielen ist ein extrem effektives Gehirntraining. Das liegt daran, dass man am Schlagzeug ständig trainiert, mit rechts und links unterschiedliche Dinge zu machen.

Übrigens...

Schlagzeug spielen ist ein extrem effektives Gehirntraining. Bochumer Forscher haben nachgewiesen, dass Profi-Schlagzeuger deutlich dickere Verbindungsfasern zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte haben. Das liegt daran, dass man am Schlagzeug ständig trainiert, mit rechts und links unterschiedliche Dinge zu machen. Wenn ein untrainierter Mensch versucht, gleichzeitig zwei unterschiedliche Rhythmen zu spielen, verknotet er sich nur die Hände. Ein weiteres inoffizielles Ergebnis der Studie: Schlagzeuger sind nette Menschen, denn im Abschlussbericht der Untersuchungsleiterin steht ein ungewöhnlicher Satz: „Wir hatten sehr viel Spaß bei der gemeinsamen Arbeit.“