Das Keyboard - für kreative Musiker und Technikfreaks

Noah Zachowski, spielt in der Musikschulband TerrorQuark, studiert Sozialwissenschaften

Das Keyboard ist ein großes Buffett: Da gibt es Schinken und Salami, Rinderfilet, buntes Gemüse, Pommes Frites, Nudeln, Tiramisu und Eistorte. Wer mag, trinkt dazu ein edles Wasser. Aber auch süß-prickelnde Coca Cola und ein gehaltvoller Rotwein stehen bereit. Das Keyboard ist ein Tausendsassa. Neben einer Klaviertastatur hat es Drehknöpfe, Schieber, Regler und Display. Jeder, der ein Keyboard zu Hause hat, weiß um die magnetische Anziehungskraft dieses Spielzeugs: Wer ein Kind mit einem Keyboard allein lässt, kann sicher sein, dass er erst mal seine Ruhe hat. Allerdings nur mit Ohrenstöpseln.

Das Keyboard ist der moderne Nachkomme der Kirchenorgel: Es ersetzt ein ganzes Orchester. Jeder musikalische Alleinunterhalter braucht nicht mehr als ein Keyboard, um eine Party zu schmeißen. Das Keyboard, eigentlich ein Oberbegriff für alle elektronischen Tasteninstrumente von Synthesizer bis Hammond-Orgel, deckt eine unglaubliche Vielfalt an Musikstilen und Klangfarben ab.

Wer am Buffett Kaviar und Austern erwartet und dazu nur Champagner schlürft, sagt vielleicht, elektronisch erzeugte Musik sei nicht sein Ding. Doch er verpasst etwas: Auch für einen passionierten Radfahrer mit trainierten Beinmuskeln lohnt sich in den Bergen ein E-Bike. Er erreicht damit Aussichtspunkte, die er ohne Motorisierung nie zu Gesicht bekommen hätte. 

 

FAQs zur Anmeldung  Ansprechpartner  Hier gehts zur Anmeldung

Zu wem passt das Keyboard?

Es gibt zwei Typen von Keyboardern: Die einen sind Technikfreaks und Bastler, die fasziniert von den Klangwelten des Keyboards sind. Die anderen spielen dieses Instrument aus praktischen Gründen, weil es eine enorme Bandbreite an Ausdruck und Kreativität ermöglicht. Die Musikschule legt Wert darauf, dass Keyboard spielen vor allem eines ist: musizieren. Der Keyboardlehrer Hans-Peter Faßbender hat eine fundierte Ausbildung als Pianist und vermittelt das auch an seine Schüler. Wenn ein Kind neu zu ihm kommt, ist auch immer erst mal Notenlernen angesagt. Klavier oder Keyboard? Das hängt eigentlich nur von den eigenen musikalischen Vorlieben ab. Wer Porsche liebt, muss ja nicht Mercedes fahren. 

Berühmte Keyboardstücke

Ein Beispiel für das, was nur dieses Instrument kann, ist Isao Tomitas Keyboard-Bearbeitung des Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Der Japaner hat den 1874 von Mussorgsky komponierten virtuellen Rundgang durch eine Kunstausstellung sehr lautmalerisch umgesetzt. Das Keyboard produziert all die Geräusche, die zu den Bildern passen: Da tschilpen flaumige Küken in hohen Tönen, wir hören fröhlich hüpfende Kinder und die salbungsvollen Ermahnungen der Gouvernante. Das ist großes Ohrenkino.

Die erste Band, die mit elektronischer Musik weltbekannt geworden ist, war Kraftwerk, übrigens aus Düsseldorf. Vier unbeteiligt wirkende Männer auf der Bühne, die futuristische Klänge erzeugten - das war in den 1970er-Jahren mit ihren wilden Rockstars eine Gegenrevolution. Bis heute haben kühle, monotone, aber doch sehr melodische Titel wie ihr Song „Autobahn“ viele Musikrichtungen von Rap bis Techno geprägt.

Unter dem Billie Eilish-Song „Bad Guy“ liegt ein fetter Bass, wie ihn nur Keyboard und Synthesizer hinbekommen. Kein akustisches Instrument könnte uns so den Beat in den Körper jagen, dass wir das Vibrieren tief im Bauch spüren. Das Stück hat eine suggestive Melodie, die wie eine Flöte klingt. Durch Drehen an einem Rad, sogenanntes Bending, werden die Töne aber verzerrt. Das klingt so schräg und abgründig, wie dieser 18-jährige Weltstar selbst auch ist.Jean Michel Jarre ist ein wichtiger Vordenker der Techno-Musik. Seit vielen Jahren lotet er die Klangwelten des Keyboards aus. Seine Konzerte sind Gigantomanie. 75 Millionen Zuschauer waren zuletzt bei seinem virtuellen Konzert „Welcome to the other Side“ in der Pariser Kirche Notre Dame dabei. Ein einziger Mann an den Keyboards, sphärisch-rhythmische Musik, eine spektakuläre Lichtshow - so hat man Kirche noch nicht gesehen.

 

Rene Pütz

Musikalisches Multitalent

Rene Pütz, Bandleader von Booster

„Booster“ ist eine der angesagtesten Popbands am Niederrhein. 80.000 Fans kommen jedes Jahr zu den Konzerten. Die Band hat Motto-Konzerte wie die „Silent Night“ entwickelt und zu einer Marke gemacht. René Pütz, der Sänger und Bandleader, hatte an der Musikschule Klavier- und später auch Schlagzeugunterricht und Bandcoaching. Mit elf Jahren hat er zum ersten Mal in einer Musikschul-Band Keyboard gespielt, bei den „Groove News“. „Da war ich verloren“, sagt René. „Ich habe nie wieder aufgehört.“ Sein Konzertexamen hat er in den Fächern E-Bass und Gesang, er versteht sich aber als „Multi-Instrumentalist“. Auf der Bühne steht er meistens am Keyboard, genau wie beim Komponieren und im Studio. Das Keyboard ist für ihn das flexibelste Instrument. „Auf ihm kann ich mich durch die unendlichen Weiten des Sounds hangeln.“ Er spielt auch in mehreren anderen Bands und auf seiner CD „Leichtes Spiel“ zeigt er großes Talent als Solist. Sein Stil liegt irgendwo zwischen Deutsch-Pop, Blues und Singer-Songwriter. Seit Jahren ist René auch Musiker der satirischen „heute-Show“ im ZDF. Meist produziert er dafür in kürzester Zeit am Keyboard Songs nach und singt und spielt dann „No Woman, no Cry“ wie Bob Marley oder „Biene Maja“ wie Karel Gott. Oder er spielt komplexe Filmmusik mit Orchestersound ein. „Ich zehre heute noch von dem Band-Coaching an der Musikschule bei Theo Hermsen“, sagt René. Dabei habe er auch Tugenden wie Pünktlichkeit, Rücksicht und effektive Organisation gelernt. Und er hat damals festgestellt: „Musik ist die große Liebe meines Lebens“. René hat einen zwölfjährigen Sohn, der an der Musikschule Klavierunterricht bekommt. Aus Dankbarkeit gegenüber seinem Lehrer hat er den Jungen Theo genannt.

Übrigens...

Eine MIDI-Schnittstelle eröffnet jedem Keyboarder neue Welten. Denn damit kann er sich über ein USB-Kabel mit dem Computer verbinden. Das hat zwei große Vorteile: Er kann nacheinander einzelne Stimmen aufnehmen und am Bildschirm zu einer Band oder einem Orchester zusammensetzen. Und er kann am Computer den Zauberkasten der Klang- und Effektmöglichkeiten noch einmal erheblich erweitern. Moderne Computerprogramme sind so benutzerfreundlich, dass auch der größte Computer-Tollpatsch mit ihnen klarkommt.