Das Saxophon - der ideale Partner für Improvisationen

Timo Bodden, ehemaliger Schüler, spielt in der Band Meniak

Das Saxophon ist ein Zwitterwesen. Sein Erfinder Adolphe Sax wollte ein Instrument schaffen, das lauter ist als die Klarinette, aber so sanft und lieblich wie die Geige. 1842 wurde das Saxophon patentiert. Tatsächlich kann es jedes Orchester übertönen. Und mit seinem weiten Trichter nähert es sich dem warmen Klang des Horns an.

Es gibt sieben Ausführungen vom Sopranino- bis Kontrabass-Saxophon. So kann es in jeder Tonlage mitmischen. Saxophonisten lieben ihr Instrument gerade wegen seiner riesigen Ausdrucksmöglichkeiten. Es kann ein Schreihals sein, aber auch ein Flüstern im Wind. Der Klang reicht von überirdisch bis sehr erdig, von scharf und aggressiv bis verträumt. Dadurch ist es das ideale Instrument, um farbenreich Geschichten zu erzählen.

Eigentlich ist unlogisch, dass das Saxophon zur Familie der Holzbläser gehört. Die Begründung ist dürftig: weil das Rohrblatt aus Schilfrohr ist. Das Rohrblatt ist der Teil des Mundstücks, der beim Blasen die Luft in Schwingung versetzt und den Ton erzeugt. Aber da sprechen wir von einem schmalen, gerade mal sieben Zentimeter langen Teil. Der Rest ist: Blech, Blech und noch mal Blech.

Mit dem Saxophon ist es wie beim Essenkochen: Manche zaubern ein tolles Menü, indem sie sich minutiös an das Rezept halten. Andere werfen in den Topf, was da ist. Und komponieren jedes Mal ein anderes Gericht. Auch das kann köstlich schmecken. Wer gerne improvisiert, hat mit dem Saxophon einen wunderbaren Partner.

 

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Zu wem passt das Saxophon?

Das Saxophon ist eines der wenigen Instrumente, bei dem Lehrer empfehlen, nicht ganz so jung anzufangen. Ab etwa 10 Jahren ist der Einstieg sinnvoll. Man kann dann schon Grundlagen von der Blockflöte oder Klarinette mitbringen.

Dafür ist es ein beliebtes Instrument bei Erwachsenen, die sich den Lebenstraum erfüllen wollen, ein Instrument zu lernen. Sicher auch, weil das Saxophon eine Nische füllt für Menschen, denen die Klassik zu steif ist und die Popmusik zu seicht. Sie sind bei jazziger Saxophon-Musik bestens aufgehoben. Und Jazzer haben nun mal den Ruf, gebildet und gleichzeitig locker zu sein.

Ein bekannter erwachsener Hobby-Saxophonist ist Bill Clinton, der Ex-Präsident der USA. Auch zu Amtszeiten hat der nicht gerade unterbeschäftigte Mann regelmäßig geübt. Er hatte dafür im dritten Stock des Weißen Hauses extra ein kleines Musikzimmer.

Berühmte Saxophonmusik

Dass das Saxophon in allen Stilen zuhause ist, zeigt niemand besser als Branford Marsalis aus New Orleans. In der Band des Popsängers Sting spielte er fetzige Soli und zarte Melodien, in seinen eigenen Gruppen pflegt er einen sinnlichen Jazz voller raffinierter Details. Und auch in der Welt der Klassik ist er ein gefragter Solist. In Faurés „Pavane“ zum Beispiel klingt Marsalis Saxophon fast so innig wie eine Oboe. In Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ hat das Saxophon in der Szene „Das alte Schloss“ ein wunderschönes Solo. Obwohl seine Stimme sehr klar und ruhig ist, klingt es mystisch, fern und fast surreal.

Der russische Komponist Alexander Glasunow hat 1934 das Saxophon als klassisches Instrument entdeckt und ernst genommen und ihm ein komplettes „Konzert für Saxophon und Streicherorchester“ gewidmet. Da übertönt das Instrument locker das ganze Orchester.

Jeder Erwachsene erkennt sofort die prägnante Saxophonstimme in George Michaels „Careless Whisper“ wieder. Für heutige Ohren klingt diese Pop-Ballade von 1984 gruselig kitschig. Aber damals war das Lied mit der traurigen Saxophon-Melodie einer der Welthits des Jahrzehnts.

Hypnotisch wirkt das Saxophon in der House Music der französischen Band Klingande. In dem Song „Jubel“, der 200 Millionen Mal angeklickt wurde, spielt es zu verzerrten Beats voller Sehnsucht - und auch ein bisschen dreckig.

 

Angela Puxi

Kopf der „Angela Puxi Band“ mit sardischem Background

(c) Angela Puxi

Sie wollte schon als Zehnjährige von der Blockflöte zum Saxophon wechseln. Erst Jahre später setzte Angela sich durch. Bei manchen Menschen wird viel Energie frei, wenn sie etwas nicht geschenkt bekommen. Angela startete mit Vollgas durch und schaffte die Aufnahmeprüfung zur Hochschule. In diesem Tempo ging es weiter. Sie hat die „Angela Puxi Band“ und das „Angela Puxi Quartett“ gegründet, mehrere Jazz-CDs mit eigenen Kompositionen herausgebracht und war als Saxophonistin mit der weltbekannten Elektro-Band „Yello“ auf Europa-Tournee.

„Es ist einfach mein Königsinstrument, meine Stimme“, sagt die temperamentvolle Frau mit dunklen Locken. Sie liebt das Ausdrucksspektrum ihres Instruments. Sie spielt Funk aus den 1970er-Jahren, Jazz, aber auch moderne Stile und Club-Sounds. Genauso energievoll unterrichtet sie an der Musikschule Saxophon. „Ich glaube, dass meine Schüler von meiner Praxis profitieren“, sagt sie. Wenn ihre Schüler das möchten, unterrichtet sie genauso Pop, Jazz und House wie Klassik. Sie mag, dass jeder seine Geschichte mitbringt. Ihr Ziel ist, dass ihre Schüler nicht nur lernen, sondern sich nach der Stunde auch besser fühlen. Es ist für sie genau wie bei Auftritten. „Das sind die Momente, für die ich sterbe: Wenn ich ein Statement in die Welt setze. Und wenn die Menschen mit einem Lächeln nach Hause gehen.“

Timo Bodden

Saxophonist der Band „Meniak“

Timo Bodden ist leidenschaflticher Saxophonist und Erzieher im Waldorf-Kindergarten.

Auftritte und Proben mit seiner Band sind für Timo Bodden „das Allerschönste in meinem Leben“. Er arbeitet als Erzieher in einem Waldorf-Kindergarten in Chemnitz. Aber mindestens jedes zweite Wochenende hat der Saxophonist ein Konzert mit seiner zehn Mann starken Fusion-Band „Meniak“, die bereits vier Alben herausgebracht hat. Timo hat als Neunjähriger in der Musikschule mit Klarinetten-Unterricht begonnen und mit 16 zum Saxophon gewechselt. „Diese Zeit war sehr geschmacksprägend für mich“, sagt der 29-Jährige. „In der Musikschule habe ich entdeckt, dass Bigband-Musik mein Ding ist.“ Saxophon studieren und seinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen wollte er aber nicht, denn „das ist ein knallhartes Business“. Die Kinder in seinem Kindergarten lieben es, wenn er Lieder für sie komponiert. Oder er macht Straßenmusik. Am liebsten aber improvisiert Timo mit seinem Instrument. Das ist für ihn, wie wenn er mit Kindern Fangen spielt. Dabei lerne man viel, sagt er: Zuzuhören, sich auch mal zurückzunehmen und im entscheidenden Moment für sich einzustehen. „Nichts ist cooler, als mit dem Saxophon ein fettes Solo zu spielen.“

 

Übrigens...

Das Saxophon hat einige Spitznamen: Blechkanne, Wundertüte, Messingvase, Tröte, Tute, Hörnchen, Haken, Näseltüte und Staubsauger. Und der Kabarettist Georg Ringsgwandl dichtete: Was war das für ein böser Ton auf deinem krummen Saxophon?