Die Querflöte - wie der Gesang eines Vogels

Hannah Becker, ehemalige Querflötenschülerin, studiert englische Literatur.

Querflöte spielen lässt sich gut mit einer leeren Flasche üben: Einfach die Unterlippe anlegen, knapp drüber hinwegblasen, und schon entsteht ein Ton. Genau das ist auch der Trick bei der Querflöte. Sie ist ein „Schneideton-Instrument“. Anders als bei allen anderen Blasinstrumenten steckt der Flötist das Mundstück nicht in den Mund oder verschließt es mit den Lippen. Sondern er bläst halb darüber hinweg und dadurch entsteht der Ton. Dabei werden die Lippen gespannt und bilden einen kleinen Schlitz. Das klingt ein bisschen kompliziert - ist es aber gar nicht. Schon in der ersten Stunde kann ein halbwegs geschickter Schüler sich über seine ersten schönen Töne freuen.

Der Tonumfang der Querflöte entspricht der rechten Hälfte der Klavier-Tastatur. Bei ihren hohen, warmen Klängen denken wir schnell an Vogelgezwitscher. In dem Musikmärchen „Peter und der Wolf“ steht die Flöte für den Gesang des Vogels. Und wenn Querflötisten in der Natur spielen, kann man eine witzige Beobachtung machen: Die Vögel in den Bäumen fangen aufgeregt an mitzusingen.

Von der Blockflöte unterscheidet die Querflöte sich in mehreren Punkten: Sie wird nach rechts gehalten, hat Klappen und ist nicht aus Holz, sondern aus Nickel, Silber oder Gold. Dass sie trotzdem zur Familie der Holzblasinstrumente gehört, liegt nur daran, dass sie früher aus Holz gebaut wurde. Das ist wie beim Düsseldorfer Zoopark, der nur so heißt, weil dort früher ein Zoo war. Die heutigen Flöten aus Metall haben den Vorteil, dass sie im großen Orchester lauter und kräftiger sind. Ein Flötist im Orchester kann mehrere Instrumente spielen: die kleine, hohe Piccolo-Querflöte, die „normale“ Sopranflöte und die großen Schwestern Alt- und Bass-Querflöte. Je tiefer der Ton, desto größer das Instrument. Die Bass-Flöte ist gebogen wie ein „J“. Das ist sehr hilfreich, denn sie wiegt knapp zwei Kilogramm und ein Konzert kann lang sein. Durch den Bogen ist das Rohr kürzer und zieht nicht so nach unten, wenn es zur Seite gehalten wir. Denn aus dem Physikunterricht wissen wir: Je länger der Hebel, desto größer die Kraft.

 

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Zu wem passt die Querflöte?

Dass Querflötisten lang und dünn sind, ist natürlich ein Witz. Aber wie oft ist ein Fünkchen Wahrheit daran. Sie sind keine behäbigen Typen, sondern oft quirlig und lebhaft. Vor allem aber brauchen sie Führungsqualitäten, denn die Querflöten sind die ersten Geigen der Holzbläser. Häufig spielen sie die Melodiestimme. Dazu gehört Mut, denn die Flöten sind immer sehr klar herauszuhören. Am deutlichsten ist das, wenn die gerade mal 26 Zentimeter lange Piccolo-Querflöte hohe, schrille Töne spielt. Dann hat sie über 100 Dezibel Lautstärke. Das ist lauter als eine Kreissäge oder ein Formel 1-Rennwagen. Offensichtlich gilt auch bei den Instrumenten: Kleine Leute, große Klappe.

Berühmte Querflöten-Stücke

Claude Debussys „Prélude à l`après-midi d'un faune“ (Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns) erzählt melancholisch und getragen von einem Waldgeist, der die reizenden Nymphen mit seinem Flötenspiel anlocken will. Doch Sehnsucht funktioniert in der Kunst besser als Erfüllung. Der Dirigent Pierre Boulez sagt: „Nach der Flöte des Fauns atmet die europäische Musik anders.“ Temporeich und überaus rhythmisch im Zweiertakt ist die berühmte „Badinerie“ in h-Moll aus der „Suite Nr. 2“ von Bach. Das scherzhaft tändelnde Stück zeigt, wie quirlig, energievoll und virtuos die Querflöte ist.

Dass die Flöte auch in der Rockmusik ihren Platz hat, zeigte als erster Ian Anderson von Jethro Tull mit seinen legendären Querflöten-Improvisationen. In der Popmusik sind Querflöten gerade sehr in Mode, zum Beispiel bei dem Hip Hop-Rapper Future. Sein Song „Mask off“, in dem er ein Flötenmotiv sampelt, wurde über 500 Millionen Mal angeklickt. 

Piccolo-Querflöten spielen auch in der Marschmusik und bei Spielmannszügen eine wichtige Rolle. Ein berühmtes Beispiel ist der Radetzky-Marsch von Johann Strauss. Ohne die hellen, fast scharfen und sehr schwungvollen Töne der Piccolo-Flöten würde der Musik das Herz fehlen.

Sophia Aretz

Querflötistin in Köln

Sophia Aretz liebt den traumhaften Klang der Flöte.

Zur Querflöte gefunden hat Sophia Aretz durch ihre Patentante. „Sie war für mich wie eine zweite Mutter. Wenn sie mir vorspielte, hat mich das sehr berührt. “Mit acht Jahren bekam Sophia Querflöten-Unterrricht in der Musikschule. „Was ist Talent?“, sagt sie. „Allenfalls eine Voraussetzung.“ Fleiß, Disziplin und auch die Unterstützung der Eltern würden am Ende über den Erfolg entscheiden. „Ich liebte den traumhaften Klang der Flöte. Daher war ich von Anfang an sehr fokussiert.“ Sie hat fünfmal einen ersten Preis bei „Jugend musiziert“ gewonnen und ist danach weiter durchgestartet: Während des Bachelor-Studiums in Düsseldorf war sie zu Auslandssemestern in London und Salzburg, ihren Master in Alter Musik legte sie an der Hochschule Köln ab.
Die Liste ihrer jährlichen Autritte, CD-Veröffentlichungen, Preise und Stipendien ist lang. Als Studentin war Sophia AStA-Vorsitzende und sie gab zweimal wöchentlich Lebensmittel an arme Menschen aus. Sie möchte gestalten und etwas zu sagen haben. Daher arbeitet sie nicht auf eine hierarchische Laufbahn als Orchestermusikerin hin. Sie macht ihre geliebte Kammermusik machen und würde gerne an einer Musikhochschule lehren. Sie will gerne das Feuer und die Liebe weitergeben, die sie seit der Musikschule von ihren Lehrerinnen und Lehrern bekommen hat. Ihre Patentante ist leider früh gestorben. Wenn Sophia ein gelungenes Konzert hatte, denkt sie: „Schade, dass sie nicht da sein kann. Sie wäre bestimmt stolz auf mich.“

 

 

 

 

Übrigens...

Nein, die Querflöte ist kein Mädcheninstrument. Schon der Preußenkönig Friedrich der Große war ein leidenschaftlicher und exzellenter Querflötist. Es ist wie beim Reiten: Viel mehr Mädchen fangen an. Aber wie sieht es bei den erfolgreichen Reitern aus? An der Spitze sind überwiegend Männer. Das kann man gut finden oder schlecht. Fakt ist, dass auch der renommierteste Querflötist in Deutschland ein Mann ist: Emmanuel Pahud, der Soloflötist der Berliner Philharmoniker. Nils Frobel spielt seit 13 Jahren an der Musikschule Querflöte. Ihm war immer egal, wenn er als einziger Junge in einem Querflöten-Ensemble mitmachte. „Das war auch für die anderen nie ein Thema.“ Nils findet stereotypes Denken altmodisch und spießig. Seine Haltung dazu: „Jeder soll machen, was er oder sie will.“