Die Klarinette - sie klingt kraftvoll, verspielt und seidig warm

Charlotte Becker, ehemalige Klarinettenschülerin, studiert Mathematik.

Die Klarinette ist wie eine Katze. Sie kann sich zart und anmutig auf Samtpfötchen anschleichen. Im nächsten Moment schießt sie in die Höhe, ist scharf und kraftvoll wie ein Raubtier. Mal ist sie ein fröhliches, verspieltes junges Kätzchen. Aber sie kann auch seidig, voll und warm klingen wie eine Katzendame, die sich schnurrend in der Sonne räkelt.

Dieses Holzblasinstrument ist mit etwa 750 Gramm Gewicht leichter als eine Milchtüte. Aber es hat einen riesigen Tonumfang von fast vier Oktaven. Die Klarinette hat 32 Tonlöcher. Da wir bekanntlich nicht ganz so viele Finger haben, helfen uns 25 Klappen, diese Löcher zu verschließen. Klarinette zu spielen hat etwas sehr Ursprüngliches, ein bisschen, wie auf einem Grashalm eine Melodie zu blasen. Ihr typischer Ton wird nämlich auf einem dünnen Stück Bambus erzeugt, dem Rohrblatt. Man spannt es in das Mundstück ein. Wenn durch den Spalt zwischen Blatt und Mundstück Luft strömt, entsteht der Ton. Ein Trichter unten am Instrument verstärkt ihn. Es gibt fünf gebräuchliche Klarinetten-Größen. Anfänger spielen fast immer B-Klarinette. Am tiefsten klingt die Kontrabass-Klarinette. Sie ist genauso schmal wie die anderen Klarinetten, aber gebogen wie ein Saxophon. Wer dieses Instrument spielt, muss mit der Frage leben, ob sein Saxophon eine Hungerkur gemacht hat.

 

FAQs zur Anmeldung  Ansprechpartner  Hier gehts zur Anmeldung

Zu wem passt die Klarinette?

In der ersten Unterrichtsstunde sind viele erstaunt, wie kräftig man in das Rohr blasen muss. Aber das ist schnell gelernt. Beim Klarinettespielen bekommt jeder nach kurzer Zeit schöne Töne hin. Kinder können ab etwa sechs Jahren starten. Für sie gibt es extra kleine und leichte Kinderinstrumente. Vorher auf der Blockflöte zu üben, ist nicht nötig. Aber wer später Saxophon lernen will, hat es leichter, wenn er schon Erfahrung mit der Klarinette hat. Für manche ist der technische Aspekt des Instruments mit all seinen Klappen und Schrauben ein Anreiz. Aber Technik-Muffel kommen genauso gut klar.

Berühmte Klarinettenmusik

Jedes Kind kennt das Klarinetten-Solo der Katze in Prokofjews „Peter und der Wolf“ - oder jedenfalls sollte jedes Kind dieses wunderschön lautmalerische Stück kennen. Aber egal, ob Klassik, Jazz, Marsch-, Volks- oder Filmmusik, Klezmer oder Pop: Die vielen Gesichter der Klarinette sind für manch einen der Grund, mit diesem Instrument anzufangen. Weil die Klarinette enorme Ausdrucksmöglichkeiten hat, werden Klarinettisten im Orchester gerne auch als Solostimme eingesetzt. Der samtweiche zweite Satz aus Mozarts „Klarinettenkonzert in A-Dur“ ist dafür ein Paradebeispiel. Oder das traumhaft schöne Klarinetten-Solo in Zoltán Kodálys volkstümlich inspirierten „Tänzen aus Galanta“.

Bei Liebesszenen in Filmen erklingt im Hintergrund oft Klarinettenmusik. Sie ist eben wunderbar geeignet, um tiefe Gefühle zu transportieren. In „Jenseits der Stille“ und „Comedian Harmonists“ tritt der Klezmer-Klarinettist Giora Feidman auf. In „Jenseits von Afrika“ hört man Mozarts Klarinettenkonzert. Und in „Spongebob“ spielt Thaddäus so scheußlich auf seiner geliebten Klarinette Klarilein, dass alle glauben, im Haus sei ein sterbendes Tier.

 

Felix Brucklacher

Klarinettenstudent an der Hochschule Detmold

Felix Brucklacher, ehemaliger Musikschüler und Klarinetten-Student mit großen Ambitionen.

Felix Brucklacher ist erst 24  alt, aber er spielt bereits mit weltweit renommierten Dirigenten. Er war Akademist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und mit Sir Simon Rattle auf Welttournee. Ein Jahr lang war er stellvertretender Soloklarinettist der Nürnberger Symphoniker. Derzeit schließt er sein Bachelor-Studium an der Musikhochschule Detmold ab. Er hat schon als Schüler beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in der Solowertung einen ersten Preis gewonnen. Klarinette spielt er seit seinem fünften Lebensjahr, erst in Neuss, dann bei Isabelle Bach an der Musikschule Mönchengladbach. Fit dafür hält er sich mit Streckentauchen. Felix fasst es so zusammen: „Meine Klarinette ist für mich wie ein Lebewesen. Ich kann mit ihr lachen und weinen. Manchmal streiten wir uns auch. Wenn ich ein paar Tage keine Zeit für sie hatte, ist sie beleidigt. Dann will sie erst nicht. Aber irgendwann raufen wir uns wieder zusammen.“

Ulrich Becker

Erwachsener Schüler

Jeden Donnerstag um kurz vor 13 Uhr legt Ulrich Becker die Krawatte ab, er nimmt ein schwarzes Köfferchen und verlässt mit offenem Hemdkragen seine Kanzlei. Für das, was der 52-jährige Notar jetzt vorhat, braucht er viel Luft. All seine Mitarbeiter wissen: Diese Zeit ist ihrem Chef heilig. Denn er geht zum Klarinettenunterricht bei Isabelle Bach in die Musikschule. Ulrich Becker arbeitet mindestens 50 Stunden pro Woche in seiner Kanzlei. Er hat vier Kinder - und wenn er nach Hause kommt, übt er mindestens jeden zweiten Abend noch eine halbe Stunde. „Auf das Musizieren freue ich mich immer“, sagt er. „Wenn ich Klarinette spiele, kann ich vom Beruf abschalten.“ Der Notar hatte schon als Kind zwölf Jahre lang Klarinettenunterricht. „Dabei habe ich nebenbei auch Disziplin gelernt. Das hat mir im Jurastudium extrem geholfen.“Seine 20-jährige Tochter Lotte studiert Mathematik. Sie hatte auch viele Jahre Klarinettenunterricht bei Isabelle Bach. Die beiden spielen auch gerne im Duo. Anfangs konnte er ihr etwas vormachen. „Aber sie hat immer mehr geübt als ich“, gibt Ulrich Becker zu. „Inzwischen hat sie mich eindeutig abgehängt.“

Übrigens...

Ein Klarinettist geht durch den Wald. Da erscheint ihm eine gute Fee und gewährt ihm einen Wunsch. „Zurzeit gibt es so viele schlimme Kriege. Ich wünsche mir, dass sie aufhören.“ Darauf die Fee: „So viele Kriege, so viele Ursachen, das ist zu schwierig. Hast du  nicht einen anderen Wunsch?“ Der Klarinettist: „Ich wünsche mir, dass ich einmal die C-Dur-Tonleiter sauber und ohne Kiekser hinbekomme.“ Ohne zu zögern sagt die Fee: „Okay, welchen Krieg beenden wir zuerst?“