Die Tuba - die dicke Tante T

Emma Abel begleitet ihre große Schwester in die Musikschule und will bestimmt mal Tuba lernen.

Mal angenommen, im Orchester wäre jedes Instrument ein Tier. Dann ist die Tuba ein Nilpferd. Dieser sympathische Dickhäuter hat in Deutschland sogar einen offiziellen Fanclub. Das Nilpferd ist groß, dick und stark, aber gleichzeitig friedfertig und gemütlich - genau wie die Tuba. Das imposante Instrument ist nicht nur das tiefste Blechblasinstrument, sondern es brummt sogar am tiefsten im ganzen Orchester. So wie das Nilpferd sein breites Maul extrem weit aufreißen kann, hat auch der Schalltrichter der Tuba einen Durchmesser von bis zu 60 cm. Dadurch wird der Klang weich. Das Mundstück ist doppelt so breit wie bei einer Trompete. Doch keine Sorge: Je größer, desto leichter fällt dem Schüler die Ansprache, also einen Ton zu produzieren. Das funktioniert, indem man mit blubbernden Lippen in das Mundstück bläst: „Pfffffffff“. Eine gute Stütze im Unterbauch ist genauso wichtig wie beim Singen. Und bitte beim Blasen keine Hamsterbacken machen. Die Tuba hat einen Tonumfang von stolzen fünf Oktaven. Wenn man ihre verschlungenen Rohre gerade ziehen würde, käme man bei der Standard-B-Tuba auf 5,80 Meter. Bei der tiefsten Tuba, der Subkontra-Tuba, ist das Rohr sogar doppelt so lang.

Man sollte die behäbig wirkende Tuba nicht unterschätzen - genau wie das dicke, kurzbeinige Nilpferd, das 50 km/h schnell laufen kann. Ein durchtrainierter Jogger schafft maximal 10 km/h. Wie flink auch die Tuba sein kann, hat der Tuba-Professor Jörg Wachsmuth bewiesen. Er hat den Weltrekord im Schnellspielen von Rimski-Korsakows „Hummelflug“ gebrochen: 52, 7 Sekunden. Jetzt steht er damit im Guinness-Buch der Rekorde. Man kann es sich auf YouTube ansehen. Aber ehrlich gesagt klingt der Tuba-Hummelflug ziemlich genuschelt. Ruhige Melodien und rhythmische Basstöne, die dem Orchester das Fundament geben, liegen diesem Instrument eindeutig mehr.

 

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Zu wem passt die Tuba?

Manche wollen unbedingt Tuba spielen, weil das Wuchtige an diesem Instrument sie fasziniert. So einen Koloss zu beherrschen, macht stolz. Das kann jeder, der Lust darauf hat - die Musikschule hat auch kleine Kinder-Tuben. Und viele spielen auch erst einmal auf dem Euphonium, der kleinen Schwester der Tuba. Es hat einen besonders weichen, warmen Klang. 

Tuba spielen trainiert die Lungen optimal, denn man braucht dafür viel Luft. Das bekommen Frauen aber erfahrungsgemäß genauso gut hin wie Männer. Da man im Sitzen spielt, ist es auch kein Problem, dass die Tuba bis zu 15 Kilogramm wiegt. Zarte, schlanke Mädchen können sich ja ein Sitzkissen als Polster unter den Po legen. Tubisten haben immer Nachwuchsmangel. Wer sich für dieses Instrument entscheidet, hat also jede Menge Einsatzmöglichkeiten - in Blasorchestern, in der Volksmusik sowieso, aber auch im Sinfonieorchester. In der großen sinfonischen Musik gibt es wunderbare Tuba-Solostimmen. Aber oft bildet die Tuba den harmonischen Unterbau im Orchester. Tubisten sind Menschen, die nicht ständig reden müssen, sondern auch mal zuhören können. Eine Geduldsprobe ist allerdings die 9. Sinfonie von Schostakowitsch. Da spielt die erste Geige etwa 20.000 Töne. Und die Tuba ganze 14 - sogar nur zweimal die gleichen sieben Töne. Ein Trost: Wenn jeder Musiker für das Konzert 300 Euro Honorar bekommt, dann verdient der Geiger pro Ton 1,5 Cent, aber der Tubist 21,40 Euro.

Berühmte Tubamusik

Ob vielleicht ein Bonbon in der Tuba ist? Die kleine Emma erforscht das Instrument neugierig.

Volksmusik ohne Tuba - geht gar nicht. Im Sinfonieorchester steht der Tubist rechts außen hinter den Blechbläsern. Dort sorgt er von unten für ein stabiles Fundament. Aber die Tuba hat auch wunderschöne Solo-Parts.

In John Williams „Konzert für Tuba und Orchester“ macht die dicke Tante Tempo, die Finger des Musikers fliegen virtuos über die Ventile. Und die Tuba klingt trotzdem so freundlich, als würde sie die ganze Zeit lächeln. Tuba hoch vier: Meist tritt die Tuba ja als Einzelgänger auf. Geballte Tuba-Power liefert das Melton Tuba Quartett. Man muss diese vier Musiker einmal gehört haben, denn besser lässt sich nicht zeigen, wie warm, weich und kraftvoll dieses Instrument ist. Empfehlung: die zauberhafte „Wilhelm Tell Ouvertüre“ von Rossini.

Laut und schwer rumpelt die Tuba in der Szene „Bydlo der Ochsenkarren“ aus „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky in der Orchesterfassung von Ravel. Auch wenn der Ochse muht, gibt die Tuba ihm eine tiefe, brummige Stimme. Kein Instrument wäre dafür besser geeignet als dieser Koloss.

 

Leon Frantzen

Dirigent in Oman

Leon Frantzen, ehemaliger Gastschüler der Musikschule, ist inzwischen Dirigent in Oman.

Tubist und Dirigent. Eigentlich wollte Leon aus Verona für ein Jahr als Austausch-Schüler nach Berlin oder Bonn kommen. Seine Agentur sagte, sie habe eine Familie in der Nähe von Bonn für ihn. So kam er mit 16 Jahren nach Mönchengladbach - und fand „das musikalische Angebot so umfassend und die Lehrer so unglaublich gut“, dass er zwei Jahre blieb. Leon war in Verona bereits Jungstudent für Posaune. Damals wollte er schon lange Tuba spielen. Aber in Verona fand man ihn dafür zu klein. Entsprechend glücklich war er, dass er an der Musikschule Mönchengladbach sofort mit dem Tuba-Unterricht anfangen durfte. Aufgrund seiner Vorkenntnisse an der Posaune fiel ihm das Spielen sehr leicht und kurz darauf durfte er auch als Tubist ins Jugendsinfonieorchester. Leon möchte Dirigent werden. Deshalb erfüllte sich für ihn ein Traum, als er bei einem Konzert des Jugendsinfonieorchesters selbst am Dirigentenpult stehen durfte. Nach dem Bachelor-Studium in Maastricht absolviert er nun ein Master-Studium in Manchester. Zusammen mit drei anderen aus den USA, Portugal und Korea wurde er aus 120 Bewerbern ausgewählt. Für Leon haben der Tubist und der Dirigent manches gemein: Beide sind im Orchester allein auf weiter Flur und müssen bereit sein, diese Verantwortung zu tragen. Und beide sind Menschen mit viel Power und der Fähigkeit, den Puls des gesamten Orchesters voranzutreiben.

Übrigens...

In der Prokofjew-Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ hat die Tuba einen sehr wichtigen Einsatz. Da gibt es eine Köchin, die Eindringlinge mit ihren stinkbombenartigen Pupsen vertreibt. Wer ist dafür zuständig? Dreimal raten…

 

Weitere Infos

Hier nochmal Link zur Anmeldung und zum Ansprechpartner und Veweis auf das Buch mit weiterführenden Informationen, evtl. auch Link auf die Instrumenten-Übersicht