Die Trompete - wie Singen mit dem Megafon

Luzie Micha, ehemalige Schülerin, studiert Trompete

Tata - jetzt geht´s los! An welches Instrument denken wir bei dieser Fanfare? Richtig - an die Trompete. Aufmarsch der Reiter, Auftritt des Königs, Schlachtbeginn. Die Klänge der Trompete sind durchdringend und schicksalsverkündend, sie steht für Macht und Energie. Schon vor 3000 Jahren wurden dem ägyptischen König Tutanchamun zwei Trompeten aus Silber und Kupfer mit ins Grab gelegt. In der „Zauberflöte“ werden Tamino und Tamina mit Trompeten begrüßt. Bei Beethoven verkündet das Trompetensignal aus der Ferne die Freiheit. Selbst wenn der Elefant sich lautstark bemerkbar macht, sagen wir: Er trompetet - Töröö!

Trompeten sind eigentlich einfach aufgebaut: Man nehme ein Stück Gartenschlauch, stecke einen Plastik-Trichter darauf und schon kann ein Trompeter alle Naturtöne spielen. Das sind die Töne, für die er kein Ventil braucht. Er verändert dafür seine Lippenspannung und den Luftdruck. Im Prinzip geht das so: Lippen einziehen, durch einen engen Spalt dazwischen pusten und unbedingt Hamsterbacken vermeiden. Wenn die Lippen 440-mal pro Sekunde vibrieren, entsteht der Kammerton A. Wer dann auch noch die drei Ventile einsetzt, hat einen Tonumfang von fast drei Oktaven zur Verfügung.

Wer ahnungslos in eine Trompete bläst, produziert bestenfalls ein Quäken. Für den Körper ist es sehr aufwändig, einen schönen Trompetenton zu erzeugen. Trompete spielen ist wie Singen mit einem Megafon. Die drei Ventile dienen nur dazu, die Länge des Verstärkers zu regulieren.

 

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Zu wem passt die Trompete?

Trompeter sind oft spritzige Typen, eher Sprinter als Marathonläufer, denn um Trompete zu spielen, braucht man Schnellkraft. Tägliches Üben ist wichtig, um auch körperlich dafür fit zu bleiben - aber nur eine begrenzte Zeit. Niemand kann stundenlang Vollgas geben. Doch es gibt auch ruhige, eher in sich gekehrte Trompeter. Das Instrument kann ja auch sehr lyrisch klingen. Gerade im Jazz ist kein altväterlich-feierlicher Glanz gefragt, sondern ein leichter, luftiger Sound.

Im Symphonieorchester sind die Trompeten die Chefs in der Familie der Blechbläser, so wie bei den Streichern die Geigen. Wer dieses Instrument spielen möchte, der sollte keine Scheu haben, Verantwortung zu tragen.

Berühmte Trompetenmusik

Die Trompete ist eine Alleskönnerin. Sie spielt eine zentrale Rolle in der sinfonischen Musik, aber auch bei Militär- und Blasorchestern, bei Schützenfesten, im Jazz und der Rockmusik.

Unvergesslich ist die einsame Trompeten-Fanfare, die Gustav Mahlers 5. Sinfonie eröffnet und einen Trauerzug anführt. Am Ende des ersten Satzes wird die Trompete immer leiser und verhallt schließlich. Der Musikschul-Absolvent Lukas Beno ist mit dem Leipziger Gewandhausorchester in einer grandiosen Version auf YouTube zu sehen. Jedes Kind kennt den mitreißenden „Einzug der Gladiatoren“ von Julius Fučík. Denn der im 2/2-Takt komponierte Marsch, der mit schmetternden Trompeten beginnt, wird auch im Zirkus gespielt, wenn die Artisten und Clowns in die Manege einziehen. Eine andere, weiche Seite des Instruments zeigt der Jazz-Trompeter Chet Baker in „My funny Valentine“. Da klingen die Töne der Trompete wie seidiger Gesang.

 

Lukas Beno

Erster Solo-Trompeter beim Leipziger Gewandhausorchester

Lukas Beno, ehemaliger Musikschüler und Solo-Trompeter beim Leipziger Gewandhausorchester

Als Solo-Trompeter beim Gewandhausorchester Leipzig ist Lukas Beno einer der Großen in der deutschen Trompetenszene. Er hat auch schon bei den Berliner Philharmonikern, im Bayreuther Festspielorchester und in vielen anderen renommierten Häusern gespielt. Wenn man Lukas Beno fragt, wie groß sein Ehrgeiz auf einer Skala von Null bis zehn ist, dann lacht er und sagt: „13. Wenn ich etwas will, klemme ich mich dahinter, bis es geht.“ Er erinnert sich noch genau an seine erste Probe als Elfjähriger beim Jugendblasorchester der Musikschule. Damals wusste er nicht, wie er ein „C“ greifen sollte. Die neben ihm Sitzenden halfen. Alles kein Problem. Aber Lukas hat sich damals so unwohl gefühlt, dass er sich schwor: „Nie mehr in meinem Leben gehe ich unvorbereitet in eine Probe.“

Mit dieser Haltung ist er weit gekommen. Ihm sei nicht wichtig, was andere denken, sagt Lukas. Auch bei großem Beifall geht er oft unzufrieden von der Bühne. „Ich bin mit höchstens 15 Prozent meiner Auftritte einverstanden - und das ist gut so, denn sonst bleibst du irgendwann stehen.“ Das Wort „Ehrgeiz“ mag Lukas nicht, weil es nach Geiz klingt. Für ihn geht es um eine gute Kraft, „einen positiven Ansporn aus innerer Energie“. Er liebt es, täglich vier bis fünf Stunden Trompete zu üben. „Dann vergesse ich den Streit mit dem Kollegen oder den verbrannten Kuchen. Ich bin ganz im Tun und es geht mir gut.“

Konstantin Döben

Trompeter bei Clueso

Er ist Trompeter bei dem großen deutschen Popstar Clueso, Frontmann der Band „Conic Rose“ und im Team des innovativen „Stegreif.Orchesters“. „Diese Mischung ist mein beruflicher Traum“, sagt Konstantin. Früh hat der nachdenkliche junge Mann gespürt, „dass die klassische Welt nicht meine Komfortzone ist“. Er sei nie ein Strahlemann-Trompeter gewesen. Unterricht an der Musikschule hatte er seit seinem sechsten Lebensjahr. Er gewann als Jugendlicher Jazz-Preise, wurde Jungstudent an der Folkwang-Universität in Essen, spielte im Bundesjazzorchester. Und studierte in Essen und Berlin Trompete.

Bei Touren mit dem Popsänger Clueso ist die Band im Teambus unterwegs und übernachtet in Luxushotels. Genauso wichtig sind ihm aber seine Berliner Independent-Band „Conic Rose“, die Instrumentalmusik improvisiert, und das „Stegreif.Orchester“, das Werke ohne Dirigent und Noten auf die Bühne bringt. Improvisation zieht sich durch seine Musik wie ein roter Faden. Was ihn daran so reizt? „Kein Programm abzuspulen, sondern dem Moment tief zuzuhören. Dann ist für mich alles gut.“

Übrigens...

Wie hoch ist der Frauenanteil unter den Trompetern in den deutschen Profiorchestern? Gerade mal 5 Prozent, so eine Studie des Deutschen Musikrates von 2021. Die Musikschule ist da fortschrittlicher: Über 30 Prozent der Trompetenschüler sind weiblich. Sind Mädchen genauso geeignet? „Absolut“, stellt Stefan Vörding klar. Der Musikschulleiter und Trompetenlehrer  sagt, Trompeter seien keine muskelprotzenden Gewichtheber. „Sie müssen Kraft und Spannung dosiert und effektiv einsetzen.“ Seiner Erfahrung nach ist es in der Musikschule gar kein Thema, ob ein Junge oder Mädchen Trompete spielt. „Und auch bei allen anderen Instrumenten ist das Geschlecht nicht entscheidend.“