Ein aufheulender Motor macht „Wrrröömmm, wrrröömmm“, eine auf- und abschwellende Feuerwehr-Sirene „uuuuuuuuuuUUUUUUUUUuuuuuuuuuu“. Solche gleitenden Tonfolgen bekommt bei den Blasinstrumenten nur die Posaune hin. Das liegt an ihrem Zug, einem U-förmigen Bogen, mit dem der Posaunist beim Spielen das Luftrohr verlängert oder verkürzt. Je länger das Rohr, desto tiefer der Ton. Bei der Posaune geht das nicht nur schrittweise wie bei Ventil-Instrumenten, sondern der Zug kann wie auf Schlittschuhen übergangslos von Ton zu Ton gleiten. Glissando heißt dieser spezielle Posaunen-Sound.
In der Lutherbibel kündigen die Posaunen den Auftritt Gottes an, die Mauern von Jericho fallen nach sieben Tagen allein durch den Klang der Posaunen. Und wenn jemand von jetzt auf gleich sehr laut und vernehmlich spricht, dann sagen wir „herausposaunen“. Kräftig, kernig, sogar brachial - das kann die Posaune. Sie hat bei Aufnahmen schon so manches Studio-Mikrofon an seine Grenzen gebracht. In der Oper kommt sie, wenn die dramatische Schlacht beginnt, im Konzert am musikalischen Höhepunkt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Die Posaune kann auch sehr leise, weich und gesanglich sein. Da ihr Trichter weiter ist als bei der Trompete, wird sie nie so schrill oder stechend klingen wie diese. Die Noten für Posaune sind im Bassschlüssel gesetzt. Sie entsprechen dem angenehm weichen Klang einer Tenorstimme. Es gibt Posaunen in mehreren Tonlagen. Im Sinfonieorchester sind meist mehrere „normale“ Tenorposaunen und auch eine Bassposaune. In deren tiefen, tragenden Klang kann man sich verlieben. Es heißt nicht ohne Grund: Glück ist, wenn der Bass einsetzt.
Im Orchester muss der Dirigent tatsächlich immer ein bisschen aufpassen, dass die Posaunen nicht vorpreschen wie junge, starke Hunde. In manchen Orchestern gibt es Plexiglas-Wände, damit die Posaunen den Bratschen nicht von hinten die Ohren wegblasen. „Weil ich es kann“ ist nicht immer ein guter Grund, es auch zu tun. Von dem Komponisten Richard Strauss stammt der amüsante Satz: „Schau nicht nach hinten zu den Posaunen, das ermutigt sie nur noch.“






