Die Posaune - wie auf Schlittschuhen von Ton zu Ton gleiten

Johanna Micha, ehemalige Schülerin, hat Posaune studiert. Inzwischen ist sie Posaunistin, Musiklehrerin und Mentalcoach.

Ein aufheulender Motor macht „Wrrröömmm, wrrröömmm“, eine auf- und abschwellende Feuerwehr-Sirene „uuuuuuuuuuUUUUUUUUUuuuuuuuuuu“. Solche gleitenden Tonfolgen bekommt bei den Blasinstrumenten nur die Posaune hin. Das liegt an ihrem Zug, einem U-förmigen Bogen, mit dem der Posaunist beim Spielen das Luftrohr verlängert oder verkürzt. Je länger das Rohr, desto tiefer der Ton. Bei der Posaune geht das nicht nur schrittweise wie bei Ventil-Instrumenten, sondern der Zug kann wie auf Schlittschuhen übergangslos von Ton zu Ton gleiten. Glissando heißt dieser spezielle Posaunen-Sound.

In der Lutherbibel kündigen die Posaunen den Auftritt Gottes an, die Mauern von Jericho fallen nach sieben Tagen allein durch den Klang der Posaunen. Und wenn jemand von jetzt auf gleich sehr laut und vernehmlich spricht, dann sagen wir „herausposaunen“. Kräftig, kernig, sogar brachial - das kann die Posaune. Sie hat bei Aufnahmen schon so manches Studio-Mikrofon an seine Grenzen gebracht. In der Oper kommt sie, wenn die dramatische Schlacht beginnt, im Konzert am musikalischen Höhepunkt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Die Posaune kann auch sehr leise, weich und gesanglich sein. Da ihr Trichter weiter ist als bei der Trompete, wird sie nie so schrill oder stechend klingen wie diese. Die Noten für Posaune sind im Bassschlüssel gesetzt. Sie entsprechen dem angenehm weichen Klang einer Tenorstimme. Es gibt Posaunen in mehreren Tonlagen. Im Sinfonieorchester sind meist mehrere „normale“ Tenorposaunen und auch eine Bassposaune. In deren tiefen, tragenden Klang kann man sich verlieben. Es heißt nicht ohne Grund: Glück ist, wenn der Bass einsetzt.

Im Orchester muss der Dirigent tatsächlich immer ein bisschen aufpassen, dass die Posaunen nicht vorpreschen wie junge, starke Hunde. In manchen Orchestern gibt es Plexiglas-Wände, damit die Posaunen den Bratschen nicht von hinten die Ohren wegblasen. „Weil ich es kann“ ist nicht immer ein guter Grund, es auch zu tun. Von dem Komponisten Richard Strauss stammt der amüsante Satz: „Schau nicht nach hinten zu den Posaunen, das ermutigt sie nur noch.“

 

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Zu wem passt die Posaune?

Kinder brauchen eine gewisse Armlänge. Wenn sie den Zug nicht bis zur siebten Position rausschieben können, verhungern die tiefsten Töne. Doch niemand misst bei der Anmeldung, ob die Arme eines Kindes lang genug sind, man kann auch auf kleineren Instrumenten beginnen. „Meine Schüler sind oft frische, fröhliche, extrovertierte Typen, die etwas wollen“, sagt der Posaunenlehrer Paul Anders aus langjähriger Erfahrung. Wer Posaune spielt, braucht gute Ohren, denn genau wie ein Geiger reguliert er die Sauberkeit der Töne über das Gehör. Posaunisten können sich nicht wegducken wie Streicher, sie sind weniger und sowieso unüberhörbar. Und wenn sie sich zu Wort melden, haben sie meist auch musikalisch etwas zu vermelden. Über die Frage, ob Trompete oder Posaune spielen leichter ist, lässt sich trefflich streiten. Das Mundstück der Posaune ist größer, daher braucht man weniger Lippenspannung und Luftdruck, um einen Ton zu produzieren. Das macht den Klang der Posaune nicht so schrill. Wer es dunkel und weich mag, ist bei der Posaune am besten aufgehoben.

Berühmte Posaunenmusik

Die Posaune ist ein Allrounder. Sie wird in großen Opern und jedem Sinfoniekonzert gebraucht, aber auch im Blasorchester und der Bigband, im Jazz, Pop sowie der Volks- und Marschmusik. Wer als Posaunist bei einem Orchester vorspielt, kommt an dem „Concertino für Posaune und Orchester“ von Ferdinand David nicht vorbei. Es ist ein Gute-Laune-Stück mit Schwung und eingängigen Melodien. In Ravels „Boléro“ hat das Instrument ein Posaunensolo, vor dem jeder Musiker Respekt hat. Es beginnt leise und steigert sich spannungsvoll bis zum fulminanten Finale. Sehr gut hört man auch jazzige Einflüsse und typische Posaunen-Glissandi. 

Rimski-Korsakows „Konzert für Posaune und Blasorchester“ war ursprünglich für das Militär komponiert. Es entstand, als der russische Komponist Musikinspizient bei der Marine war. Man hört das am marschierenden Rhythmus, schnellen Triolen und der relativ einfachen Struktur. In der Ouvertüre zu Wagners „Ritt der Walküren“ schmettern die Posaunen laut, kräftig und aggressiv. Sie treiben nach vorne, während ein Gewittersturm tobt und die blutrünstigen Walküren ihren Schlachtruf „Hojotoho“ singen. 

Das Geld für die erste Posaune verdiente er sich mit Kühemelken: Glenn Miller ist bis heute der Inbegriff des Jazz-Posaunisten. Von seinem 1939 komponierten Welthit „Moonlight Serenade“ gibt es unzählige Cover-Versionen. Der schwedische Jazzer Nils Landgren ist als „Mr. Red Horn“ mit seiner roten Posaune zu einer zentralen Figur des europäischen Funk und Soul geworden. Wenn er „Julian“ auf  der Posaune spielt, klingt das samtweich wie ein Streicheln.

 

Alexander Simler

Bass-Posaunist beim Polizeiorchester Thüringen

Johanna Micha spielt auch schon mal vor dem Minto Posaune.

„Hör auf, nach dem zu suchen, was erwartet wird. Es muss dir selbst gefallen.“ Sich so eine „mentale Festung“ zu erarbeiten, war für Alexander Simler ein wichtiger Bestandteil seiner Vorbereitung auf Orchester-Probespiele. Alexander hat einen schnurgeraden Weg hinter sich: Seit seinem sechsten Lebensjahr hatte er Posaunenunterricht an der Musikschule, er hat gleich ein Posaunenstudium in Detmold angeschlossen. Nach dem Master hat er umgehend eine befristete Stelle als Bass-Posaunist bei den Duisburger Philharmonikern bekommen. Oder „gewonnen“, wie es im Fachjargon heißt. Die Vorspiele sind aufgebaut wie ein Wettkampf in mehreren Runden. 93 Posaunisten hatten sich beworben, 20 wurden zum Vorspiel eingeladen. Warum hat gerade er es geschafft? Offensichtlich hat er sich so auf den Punkt vorbereitet, dass er seine optimale Leistung abrufen konnte. Mit dieser Fähigkeit hat er sich inzwischen sogar eine unbefristete Stelle erspielt: als Bass-Posaunist beim Polizeiorchester Thüringen.
Für Alexander gehörte zur Vorbereitung auch mentales Training: „Man muss das Lampenfieber einrechnen“, sagt Alexander. Von einem Musiker werde erwartet, hochsensibel zu spielen und sich emotional ganz zu öffnen. „Aber gleichzeitig herrscht ein riesiger Leistungsdruck.“ Früher hat Lampenfieber ihn teilweise regelrecht blockiert, er musste dann unkontrolliert lachen. Er hat seine Stücke deshalb bewusst so geübt, dass er sie auch im größten Stress abrufen kann. Inzwischen ist der Adrenalinschub vorm Auftritt für ihn ein Kick, der ihn hellwach macht. „Dann entstehen magische, zeitlose Momente. Das sind Flecken im Kopf, die man niemals im Leben wieder vergessen wird.“

Übrigens...

Wie lautet der kürzeste Posaunenwitz?

p (piano)

Die Lautstärke-Bezeichnungen für Posaunisten:    

pp: pur Power!, p: Power!, mf: mehr forte!, f: furios!, ff: fürchterlich forte!