Das Horn spielt man mit links - auf den ersten Blick stimmt dieser Satz: Es hat nur drei Knöpfe und eine Daumenklappe. Sie werden mit der linken Hand bedient, anders als bei allen anderen Blechblasinstrumenten. Die rechte Hand hat eine ulkige Aufgabe: Der Hornist steckt sie beim Spielen in den Trichter, um das Instrument zu halten. Und dadurch wird der Klang runder, weicher und weniger blechig.
Doch das heißt nicht, dass das Horn sich mal eben mit links spielen lässt. Es kann richtig zickig sein. Saubere Töne aus dem 3,76 Meter langen, gewickelten Schlauch herauszubekommen, ist eine Glücksspirale, wie Hornisten scherzhaft sagen. Das liegt daran, dass die Naturtöne in den hohen Lagen sehr eng zusammenliegen. Das ist, als ob auf dem Klavier die Tasten bei den hohen Tönen so schmal würden, dass man sie kaum noch treffen kann. Im Orchester machen die anderen Musiker sich oft einen Spaß daraus, die Kiekser der Hornisten zu zählen. Und wenn im Orchestergraben ein Fehlerschwein steht, ein Sparschwein, das jeder bei einem Patzer mit Geld füttern muss, dann sind es am Ende immer die Hornisten, die die Party schmeißen. Trotzdem würden viele Hornisten nie im Leben ein anderes Instrument spielen wollen. Warum? Wem es gelingt, das Biest zu zähmen, der bekommt viel zurück. Der Klang des Horns ist weich, kraftvoll, obertonreich, strahlend, melancholisch und weit tragend. Und das über einen Umfang von vier Oktaven. Wer tiefe Emotionen in der Musik sucht, ist beim Horn bestens aufgehoben. Das spüren auch Kinder. „Ich will Horn spielen und nichts anderes“, diesen Satz hört der Horn-Lehrer Kristiaan Slootmaekers des öfteren in der ersten Unterrichtsstunde. Er weiß dann: „Aus diesem Kind wird etwas werden.“






