Das Horn - sein Klang ist weich, kraftvoll, strahlend

Kristiaan Slootmaekers ist Hornlehrer an der Musikschule und Hornist bei den Niederrheinischen Sinfonikern.

Das Horn spielt man mit links - auf den ersten Blick stimmt dieser Satz: Es hat nur drei Knöpfe und eine Daumenklappe. Sie werden mit der linken Hand bedient, anders als bei allen anderen Blechblasinstrumenten. Die rechte Hand hat eine ulkige Aufgabe: Der Hornist steckt sie beim Spielen in den Trichter, um das Instrument zu halten. Und dadurch wird der Klang runder, weicher und weniger blechig.

Doch das heißt nicht, dass das Horn sich mal eben mit links spielen lässt. Es kann richtig zickig sein. Saubere Töne aus dem 3,76 Meter langen, gewickelten Schlauch herauszubekommen, ist eine Glücksspirale, wie Hornisten scherzhaft sagen. Das liegt daran, dass die Naturtöne in den hohen Lagen sehr eng zusammenliegen. Das ist, als ob auf dem Klavier die Tasten bei den hohen Tönen so schmal würden, dass man sie kaum noch treffen kann. Im Orchester machen die anderen Musiker sich oft einen Spaß daraus, die Kiekser der Hornisten zu zählen. Und wenn im Orchestergraben ein Fehlerschwein steht, ein Sparschwein, das jeder bei einem Patzer mit Geld füttern muss, dann sind es am Ende immer die Hornisten, die die Party schmeißen. Trotzdem würden viele Hornisten nie im Leben ein anderes Instrument spielen wollen. Warum? Wem es gelingt, das Biest zu zähmen, der bekommt viel zurück. Der Klang des Horns ist weich, kraftvoll, obertonreich, strahlend, melancholisch und weit tragend. Und das über einen Umfang von vier Oktaven. Wer tiefe Emotionen in der Musik sucht, ist beim Horn bestens aufgehoben. Das spüren auch Kinder. „Ich will Horn spielen und nichts anderes“, diesen Satz hört der Horn-Lehrer Kristiaan Slootmaekers des öfteren in der ersten Unterrichtsstunde. Er weiß dann: „Aus diesem Kind wird etwas werden.“

 

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Zu wem passt das Horn?

Das Horn ist kein Instrument für die große Masse. Wer es spielt, sollte einen gewissen Nervenkitzel lieben und in der Lage sein, Fehler sportlich zu nehmen. „Einer muss es ja machen“, sagen Hornisten. Und da klingt immer Stolz mit, weil sie diese Herausforderung annehmen. Das verbindet - Hornisten sind oft eine eingeschworene Gemeinschaft. Schon Sechsjährige können mit einem Kinder-Instrument anfangen. Das Horn ist in jedem Orchester gefragt, aber auch in allen Bläser-Ensembles. Zwar muss man wie bei jedem Instrument regelmäßig üben. Aber auch Profis spielen selten mehr als zwei Stunden am Tag, denn das wäre zu anstrengend.

Berühmte Hornmusik

Im Sinfonieorchester gelten die Hörner als „goldene Mitte“ oder „Herz des Orchesters“. Es gibt berühmte Hornwerke wie das Rondo aus Mozarts „4. Hornkonzert in Es-Dur“. In Beethovens 3. Sinfonie, der „Eroica“, beschwören die Hörner im dritten Satz plastisch eine Jagdszene. Wer die Horn-Ouvertüre von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ hört, meint in einem deutschen Eichenwald zu stehen. In Wagners „Walkürenritt“ („Die Walküre“) sorgen die fanfarenartigen Hörner für Dramatik. Und ohne Horn wäre der populäre „Blumenwalzer“ in Tschaikowskys „Nussknacker“ nur ein seichtes Plätschern.

Krieg, Sieg, großes Drama - Immer, wenn die Helden kommen, hören wir im Film Hornmusik. Die Erkennungsmelodien von „Star Wars“ und „Star Trek“ sind Paradestücke für das Horn. Das gleiche gilt für „Harry Potter“, „König der Löwen“, „Schindlers Liste“ und „Fluch der Karibik“: Ohne Horn wären die heroischen Szenen kaputt.

 

Caroline Kabuß

Hornistin bei der Philharmonie Hagen

Nach dem Abitur hat sie eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht. „Aber da fehlte ein Teil von mir, der mich unfassbar glücklich macht“, sagt Caroline Kabuß. Sie rief Kristiaan Slootmaekers an und überredete ihn, sie auf die Hochschul-Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Inzwischen ist die 31-Jährige stellvertretende Solo-Hornistin beim Philharmonischen Orchester Hagen. „Der typische Solo-Hornist ist ein Alphatier“, sagt sie. Er isst und trinkt gerne und treibt Extremsport.“ Aber der Anteil der Frauen ist stark gewachsen, die Hornistin fühlt sich sehr wohl in ihrem Orchester. „Trotzdem bin ich froh, dass ich erst mit 23 studiert habe“, sagt sie. „Mit 18 hätte ich den Druck nicht gepackt.“

Kristiaan Slootmaekers

Lehrer und Hornist bei den Niederrheinischen Symphonikern

Kristiaan Slootmaekers ist Hornlehrer und eindeutig hornverrückt.

Mit 11 Jahren wusste Kristiaan Slootmaekers, dass er Musiker werden wollte - auch wenn er noch keine Ahnung hatte, mit welchem Instrument. „Wir haben zu wenig Horn-Schüler, probiere das mal“, sagte ihm der Musikschulleiter. So können Liebesgeschichten beginnen.

Slootmaekers hat sich sofort in das Horn verknallt. Er hat Horn studiert und bläst seit vielen Jahren als zweiter Solo-Hornist den Niederrheinischen Symphonikern den Marsch. Mit Fehlern sei er gelassen, sagt der bärige Mann. Aber wenn ein Musiker sich nicht bemüht, alles zu geben, dann lernt er Slootmaekers direkte Art und sein aufbrausendes Temperament kennen. Jeder weiß: Dieser Mann ist hornverrückt. Doch mit der Liebesgeschichte hat es noch mehr auf sich: 2003 kam eine neue Hornistin zu den Niederrheinischen Symphonikern. Die Kurzversion der Geschichte: Heirat, drei Kinder. Bis heute sitzen die beiden im Orchester in der gleichen Reihe. Zwei Hornisten? Wenn dabei nicht Kinder mit Hörnern auf dem Kopf herauskommen. „Wir haben es wirklich befürchtet. Aber wir haben dreimal Glück gehabt“, sagt Slootmaekers. Seine Kinder spielen auch nicht Horn, sondern Bratsche, Cello - und Fußball. „Teufelchen können sie dennoch sein“, stellt er klar. Aber auch: „Das Horn ist das Beste, was mir im Leben passiert ist. Sonst hätte ich diese Frau und diese Kinder nicht.“

Übrigens...

Wie ein Kuss durchs Schlüsselloch - so geht Blasen beim Horn: mit runden, leicht geöffneten Lippen. Zudem müssen die Lippen am Mundstück vibrieren. Das klingt, wie wenn Kinder ein Pupsgeräusch nachmachen. Hornisten können Schlauchboot-Lippen wie Angelina Jolie haben oder schmallippig wie Graf Dracula sein. Auch vorstehende Zähne sind ein lösbares Problem.

Nur wer eine Zahnspange trägt, sollte aufpassen: Bei hohen Tönen muss der Schüler viel Druck aufbauen, das kann an den Schrauben der Brackets weh tun. Daher gibt es für Jugendliche ein spezielles dreibändiges Übungswerk nur in tiefer Lage. Es heißt tatsächlich „Zahnspangen-Etüden“.