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22 weitere Steine verlegt

Erinnerung an Menschen der Vergangenheit und als Ermahnung an die Zukunft

Mit seinen STOLPERSTEINEN erinnert der Künstler Gunter Demnig seit Jahren an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig einlässt. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. Bislang wurden in Mönchengladbach 295 Stolpersteine verlegt.

Nun sind im Rahmen des Projektes weitere 22 Steine an neun Stellen in der Stadt hinzugekommen, so zum Beispiel an der Weiherstraße 14 in Erinnerung an die Familie Mazewski: Die Ostjuden waren die besondere Zielscheibe des nationalsozialistischen Rassenantisemitismus. Die aus Polen stammende Familie Mazewski, die lange Jahre in M.Gladbach lebte, gehörte zu ihnen. Ende 1938 wurde sie ein Opfer der sogenannten ‚Polen-aktion‘, nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde sie in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) verbracht.

Oder auch bei der Margarethenstraße 14: Nur wenige Deutsche waren während der nationalsozialistischen Diktatur bereit, den verfolgten Juden zu helfen. Zu diesen Wenigen gehörte der Kaufmann Wilhelm Brocke. Mitten im Krieg geriet der Kaufmann in Konflikt mit der Staatsmacht, da bekannt geworden war, dass er einem jüdischen Ehepaar aus Köln, das in den Osten deportiert werden sollte, zur Flucht in die Niederlande verholfen hatte. Im KZ Sachsenhausen wurde Brocke am 7. April 1943 ermordet.

Die Menschen, an die diese Steine erinnern, stehen dabei stellvertretend für die vielen Opfer, die auch in Mönchengladbach in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und anschließend in Todeslagern oder anderen Orten des Grauens ermordet wurden. Für Oberbürgermeister Felix Heinrichs sind die Stolpersteine deswegen ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur: „Hinter jedem dieser Steine steckt ein Menschenleben, eine Geschichte und vor allem ein Schicksal, das sich nie wieder wiederholen darf. Deswegen sind die Stolpersteine nicht nur eine Erinnerung an diese Menschen, sondern auch eine Mahnung: Es darf keinen Platz für Extremismus in unserer Gesellschaft geben. Wir alle können dafür einstehen, dass nicht Ausgrenzung, sondern Offenheit und Toleranz unsere Gesellschaft ausmacht.“

Die Steine wurden dabei von Paten gestiftet. Auch jeweils eine Klasse des Mathematisch Naturwissenschaftlichen Gymnasiums und des Hugo-Junkers-Gymnasiums haben einen Stein gespendet. Heinrichs bedankt sich bei allen, die dies unterstützen: „Und ich weiß, dass es dabei nicht nur um einen finanziellen Beitrag geht, sondern dass es allen eine Herzensangelegenheit ist, die Erinnerung wach zu halten. Sie reden mit anderen darüber, Klassen beschäftigen sich damit im Unterricht und sorgen so dafür, dass die Erinnerung nicht nur in Form von Steinen lebendig bleibt.“

An folgenden Orten sind neue Stolpersteine verlegt worden:

  • Sandstraße 22 in Erinnerung an Alexander Harf und Johanna Harf
  • Kohrbleiche 1a in Erinnerung an Leon Heimann, Johanna Heimann, Recha Meierhoff, Hermine Heimann und Bertha Heimann
  • Hauptstraße 131 / 133 in Erinnerung an Albert Zander und Else Zander
  • Hofstraße 149 in Erinnerung an Simon Altbaum und Estera Altbaum
  • Sophienstraße 22 in Erinnerung an Hertha Bunte
  • Margarethenstraße 14 in Erinnerung an Wilhelm Brocke
  • Schillerstraße 65 in Erinnerung an Erich Hirschberger, Selma Hirschberger und Stephan Hirschberger
  • Lützowstraße 12 in Erinnerung an Nathan Neuhaus und Rosa Neuhaus
  • Weiherstraße 14 in Erinnerung an Franz Mazewski, Berta Mazewski, Josef Mazewski und Ruth Mazewski

Auf der Internetseite der Stadt sind alle Standorte von Stolpersteinen zu finden. Hier gibt es auch die Möglichkeit, die Schicksale der Opfer, an die die Steine erinnern, nachzulesen.

Zusätzlich gibt es Informationen, wie man das Projekt unterstützen kann. www.moenchengladbach.de/de/stolpersteine