Readspeaker

Vorlesen

Innenstadt-Dialog startet in der Bezirksvertretung Süd

Oberbürgermeister und Stadtdirektor informieren über Zentrenstrategie

Die Verwaltungsspitze hat die Stärkung der Innenstädte zur Chefsache erklärt. Oberbürgermeister Felix Heinrichs sowie Stadtdirektor und Technischer Beigeordneter Dr. Gregor Bonin ließen es sich nicht nehmen, zum Auftakt den Dialog zur Zukunft beider Innenstädte bei der letzten Sitzung der Bezirksvertretung Süd persönlich aufzunehmen. Nachdem die Bezirksvertreter aus erster Hand informiert wurden, mit welchen Botschaften eine einheitliche Zentrenstrategie erarbeitet werden soll, werden auch die Bezirksvertretung Nord am 24. Februar und der Ausschuss für Planung, Bauen und Stadtentwicklung am 2. März von der Verwaltungsspitze über den Ansatz einer neuen Zentrenstrategie informiert. 

Um die Innenstädte neu auszurichten, soll nicht nur ganzheitlich gedacht werden, sondern auch in vielen kleinen Lösungen. „Es ist Fantasie gefragt. Wir müssen die Dinge anders denken. Grundsätzlich müssen wir überlegen, welches Profil wir beiden Innenstädten geben wollen und mit welchen Mitteln wir die Attraktivität und Aufenthaltsqualität wieder steigern können“, so der Oberbürgermeister. Es gehe darum, einen Diskussionsprozess zu initiieren und alle Beteiligten an einen Tisch zu holen: Eigentümer, Vereine, Einzelhandelsverband, Wirtschaftsförderung, Stadtteilkoordinator, City Managements, Bürger- und Anwohnerschaft und viele mehr. 

Rund 1,7 Millionen Euro erhält die Stadt Mönchengladbach aus dem Sofortprogramm des Landes NRW unter dem Dach der Landesinitiative „Zukunft.  Innenstadt.  Nordrhein-Westfalen“.  Eine Projektgruppe, geleitet vom Standerneuerungs-Team des Fachbereichs Stadtentwicklung und Planung und bestehend aus beiden Quartiersmanagements, Kulturbüro, Sozialplanung, EWMG, WohnbauAG, WFMG und MGMG, wurde bereits gebildet. Mit dieser Zusammensetzung soll die vielseitige und komplexe strukturierte Thematik kompetent bearbeitet und begleitet werden. Zu den Bausteinen gehören neben der Entwicklung einer Zentrenstrategie für beide Innenstädte unter anderem auch die Anmietung von kleinteiligen, leerstehenden Ladenlokalen und Räumen sowie ein Unterstützungspaket für Einzelhandelsgroßimmobilien.  „Der Handel ist im Wandel. Veränderte Lebensstile, mobile Arbeit und die Digitalisierung sind weitere Faktoren, die sich langfristig spürbar auf die Zentren auswirken werden. Das ist nicht nur in Mönchengladbach der Fall. Die Pandemie ist ein Brandbeschleuniger, aber nicht die Ursache für die Verödung der Innenstädte“, betont der Stadtdirektor. Rheydt brauche ein eigenes Profil. Die in der Vergangenheit viel zitierte Bi-Polarität der beiden Stadtzentren ist für die Verwaltungsspitze ein Auslaufmodell. 

Die baulichen Voraussetzungen, um in Rheydt etwas zu bewegen, sind gut. Dank des Städtebauförderprogramms Soziale Stadt Rheydt wurden unter anderem Marktplatz, Marienplatz, Bahnhofstraße und Hugo-Junkers-Park umgestaltet. Weitere Projekte wie der Maria-Lenssen-Garten, der Theaterpark und der Keplerplatz sind in Planung oder werden bereits umgesetzt. „In Rheydt wurden in den vergangenen Jahren rund 33 Millionen Euro investiert. Ohne diese Maßnahmen wäre alles noch viel schlimmer“, betont der Technische Beigeordnete, zumal die Anwohnerschaft im Rahmen dieses Förderprogramms von vielen sozialen Projekten profitierte und bis heute profitiert. Die Sonntagsöffnung der Stadtteilbibliothek ist ein gutes Beispiel und hat bundesweit sogar eine Vorbildfunktion. Der Wochenmarkt in Rheydt und Aktionen wie die Schauzeit in Rheydt zeigen, dass Rheydt als Zentrum funktionieren kann, obwohl die Schließung von Frequenzbringern wie C&A, McDonalds und Karstadt das Problem verschärft haben. 

Der öffentliche Raum trägt viel zur Aufenthaltsqualität bei. „Man muss Stärken stärken“, sagt Heinrichs. Aber was sind die Stärken Rheydts? Das könnte beispielsweise eine „migrantische Ökonomie“ sein. Zuletzt haben sich im Rheydter Innenstadtbereich Einzelhandelsgeschäfte angesiedelt, die ein spezielles Lebensmittelangebot anbieten. Rheydt hat als Stadtteilzentrum weiter eine hohe Bedeutung, aber auch kurze Wege wie eine direkte Anbindung zum Hauptbahnhof sind – genau wie das Parkraumangebot im Rheydter Umfeld – gute Standortfaktoren, die – bei einem entsprechenden Angebot und durch Aktionen mit großer Strahlkraft – gewinnbringend für die Innenstadt sind. „Rheydt ist ein Ort der Kultur, der Erholung, der Freizeit und des Zusammenlebens. Wie das konkret aussehen kann, wird im Rahmen der Zentrenstrategie erarbeitet“, so der Oberbürgermeister. Nicht nur für Rheydt, sondern auch für beide Zentren.

Gewinnbringend für Rheydt ist auch die intensive Arbeit des Quartiersmanagements. Die Förderphase in Rheydt läuft Ende des Jahres zwar aus, aber die Arbeit soll aus städtischen Mitteln fortgesetzt werden. Denkbar ist in diesem Zusammenhang auch eine Verlegung des Quartiersbüros. „Wir wollen einen intensiven Dialog starten und Ideen entwickeln, wie wir die Fördermittel sinnvoll einsetzen können. Wir wollen Pflöcke einschlagen. Mit unserem Besuch in der Bezirksvertretung wollen wir zeigen, dass das Thema oberste Priorität hat. Ich denke, die Botschaft ist in der Politik angekommen. Diesen Weg wollen wir weitergehen“, so der Oberbürgermeister.