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Mönchengladbach gründet Impfbündnis

Gesundheitskonferenz, Stadtverwaltung und Mönchengladbacher Ärzte sagen Masern und weiteren Infektionskrankheiten den Kampf an.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm: In Europa steigt die Zahl der Masernfälle seit zwei Jahren dramatisch. Und NRW führt leider die Statistik der Masernfälle in Deutschland in den Jahren 2017 und 2018 an.

Auch wenn es in Mönchengladbach seit einem Masernausbruch im Jahr 2006 mit fast 180 Fällen nur noch vereinzelte Maserninfektionen gegeben hat, hält die Kommunale Gesundheitskonferenz diese Situation für nicht weiter hinnehmbar. Weil Impfung der beste Schutz vor der Krankheit und ihren Folgen ist, hat sie einstimmig die Gründung eines Impfbündnisses Mönchengladbach unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners beschlossen.

Der Mönchengladbacher Kinderarzt Ralph Köllges stellte die Ziele des „Bündnis gegen Masern – Bündnis für Impfen“ am Freitag (5. April) gemeinsam mit Hans Wilhelm Reiners, Dr. Heribert Hüren, Vorsitzender der Kreisstelle Mönchengladbach der Ärztekammer Nordrhein, Gesundheitsdezernentin Dörte Schall und Stadtärztin Dr. Gabriele Buhl vom Gesundheitsamt der Öffentlichkeit vor. Ziel der Bündnispartner ist es, die Durchimpfungsrate in allen Bereichen (nicht nur bei Masern) zu steigern, Impflücken zu schließen und den hohen Stellenwert des Impfens für die Gesundheit der Bevölkerung zu verdeutlichen.

Ralph Köllges bringt es auf den Punkt: „Impfen ist natürlich und so notwendig wie das Zähneputzen. Es ist manchmal lästig, aber es gehört zum gesunden Leben dazu.“

Impfen verfolgt vom Grundsatz her drei Ziele: Den Schutz des Einzelnen, den Schutz der Gemeinschaft – insbesondere von Menschen, die aufgrund von Alter oder Erkrankung nicht geimpft werden können, und die vollständige Ausrottung von Krankheiten. Das „Impfungen zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen“ gehören, steht auch für Robert Koch Institut außer Frage. Aber noch immer sind zu wenig Menschen geimpft: „Die Durchimpfungsraten in der Bevölkerung sind jedoch oft zu niedrig: So bestehen bei Kindern Lücken insbesondere bei Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten und Hepatitis B. Erwachsene weisen vor allem bei den Auffrischimpfungen für Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten keinen ausreichenden Schutz auf. Auch gegen Masern sind viele junge Erwachsene nicht ausreichend geschützt“, die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Lückenhafter Impfschutz hat viele Ursachen. Der häufigste Grund für eine nicht durchgeführte notwendige Impfung ist das „Vergessen“. Der zweite ist die „Impfunschlüssigkeit“, die von Impfgegnern genährt wird. Deshalb wurden sie von WHO kürzlich zur globalen Bedrohung erklärt. Aufklärungskampagnen, Plakate und andere Informationen waren bisher wenig erfolgreich. Deshalb möchte das Impfbündnis Mönchengladbach neue Wege gehen und die breite Öffentlichkeit ansprechen.

Zur Teilnahme sind deshalb neben den Institutionen der Gesundheitsversorgung ausdrücklich auch Firmen, Betriebe, Vereine, Behörden, Schulen, und Kindertagesstätten eingeladen. Gerade die nicht primär im medizinischen Bereich tätigen Bündnispartner sollen dafür sorgen, dass „Impfen“ den notwendigen hohen Stellenwert in der Bevölkerung bekommt: Unterstützt werden die Bündnispartner dabei von der Gesundheitskonferenz. Und weil Infektionen nicht vor der Stadtgrenze halt machen, soll das Impfbündnis auf die Partner im Netzwerk Gesunder Niederrhein ausgeweitet werden.