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Dosierte Frischluftzufuhr

Energiesparen im Haushalt
Dosierte Frischluftzufuhr

(Quelle: UmweltBriefe September 2016; www.umweltbriefe.de)

Die Zeiten, in denen Wohnungen über undichte Fassaden gelüftet wurden, sind passé. Heutige Gebäude sind so dicht, dass mechanische Lüftungsanlagen eine Überlegung wert sind. Vollautomatisch saugen sie Feuchtigkeit, verbrauchte Luft und Ausdünstungen aus Teppichen, Möbeln oder Baustoffen ab und führen gefilterte Frischluft zu. Damit schützen sie die Wohnung vor Schimmel und Schadstoffen und sorgen für ein behagliches Raumklima.

von Hartmut Netz

1. Lüftungskonzept. Für jedes neue Wohnhaus und für sanierte Gebäude, bei denen mehr als ein Drittel der Fenster erneuert wird, muss ein Lüftungskonzept erstellt werden. Dabei überprüft ein Experte, ob der Luftwechsel über Fugen und Risse in der Gebäudehülle groß genug ist, um anfallende Feuchtigkeit wegzulüften.

2. Wärmerückgewinnung. Um zu verhindern, dass mit der verbrauchten Raumluft auch die gesamte darin gespeicherte Wärmeenergie nach draußen weggelüftet wird, sind Kompaktaggregate, Einzellüftungsgeräte sowie Zu- und Abluftanlagen in aller Regel mit Wärmetauschern ausgerüstet. Im Wärmetauscher streichen warme Abluft und kalte Frischluft, nur getrennt durch hauchdünne Folien oder Bleche, aneinander vorbei, sodass sich die Frischluft erwärmt.

3. Ventilator. Dessen Qualität ist entscheidend für den Stromverbrauch einer Lüftungsanlage. Stand der Technik sind Ventilatoren mit elektronisch angesteuerten Gleichstom-Motoren, die nur halb so viel Strom ziehen wie Wechselstrom-Motoren.

4. Kanalnetz. Die Zu- und Abluftventile in den Räumen sind mit den Ventilatoren durch Luftkanäle verbunden. Das Kanalnetz einer reinen Abluftanlage ist vergleichsweise kurz, denn für die Zuluft, die durch Außenwandöffnungen nachströmt, sind keine Kanäle nötig. Aufwendiger wird es bei Zu- und Abluftanlagen sowie Kompaktaggregaten. Sie benötigen ein komplexes Kanalnetz, das sich durch die gesamte Wohnung zieht. Es gilt: Je geringer der Strömungswiderstand im Netz, desto weniger Kraft muss der Ventilator für den Lufttransport aufwenden und desto energiesparender arbeitet die Anlage. Die Kanäle sollten also einen ausreichend großen Querschnitt haben und innen möglichst glatt sein. Bögen mit großem Radius sind strömungstechnisch günstiger als Bögen mit kleinem Radius. Im Lüftungsbau sind Wickelfalzrohre aus dünnem Stahlblech gebräuchlich, die diesen Anforderungen entsprechen. Daneben gibt es Systeme aus Kunststoff-Wellrohr, die etwas billiger sind. In der Regel werden Luftkanäle unter einer abgehängten Decke im Flur oder in Schächten montiert. Für die oft beengten Platzverhältnisse im Altbau sind auch Kanalsysteme mit flachen Rechteck-Querschnitten erhältlich, die sich sogar in der Trittschalldämmung des Fußbodens verlegen lassen. Da diese Systeme jedoch strömungstechnisch ungünstiger sind als Rundrohre, ziehen die Ventilatoren auch mehr Strom. Wichtig: Die kalten Abschnitte des Kanalnetzes zwischen Lüftungsgerät und Außenwand sollten zum Schutz gegen Kondenswasser möglichst kurz und gut gedämmt sein.

5. Schalldämpfer. Ohne geeignete Gegenmaßnahmen funktioniert das Kanalnetz einer Lüftungsanlage wie eine Art Haustelefon, das sowohl die Betriebsgeräusche der Ventilatoren als auch Stimmen oder Geräusche aus einem Raum in einen anderen überträgt. Um dies zu unterbinden, werden Schalldämpfer eingebaut. Das sind Rohrstücke, die innen einen Schallschutzkern aus feinem Lochblech und einer Dämmmatte haben und damit auftretenden Luftschall „schlucken“. Schalldämpfer werden zwischen Räumen sowie vor und hinter den Ventilatoren eingebaut.

6. . Abluftventil. Überall dort, wo sich Wasserdampf und Geruchsstoffe bilden können, sind Abluftventile am richtigen Platz. Sie sollten nahe an der Quelle der Luftbelastung sitzen, also direkt über der Kochstelle, der Dusche und dem WC; dann kann sich die dicke Luft gar nicht erst in der Wohnung ausbreiten. Meist werden sogenannte Tellerventile eingesetzt. Sie bestehen aus einer runden Abluftöffnung, in der ein drehbarer Teller sitzt, mit dem sich die abzusaugende Luftmenge einregulieren lässt.

7. Zuluftventil. Man unterscheidet Außenluftdurchlässe in der Fassade, über die in Wohnungen mit Abluftanlagen von draußen Frischluft nachströmt, und einstellbare Zuluftventile an Innenwänden, die erwärmte Frischluft aus einer Zu- und Abluftanlage im Raum verteilen. Außenluftdurchlässe sollten möglichst hinter oder über dem Heizkörper montiert werden, damit sich die nachströmende Außenluft erwärmen kann. Zuluftventile werden meist in Form von sogenannten Weitwurfdüsen direkt ins Kanalnetz eingebaut. Sie lassen den Luftstrom an der Zimmerdecke entlangstreichen, wo er langsam abkühlt und in den Raum absinkt.

8. Regelung. Eine einfache und selbsterklärende Bedienung ist das A und O für die Akzeptanz einer automatischen Lüftungsanlage. Reine Abluftanlagen werden meist auf permanente Mindestlüftung eingestellt und in Bad und WC zusätzlich mit dem Lichtschalter gekoppelt. Schaltet man das Licht ein, wird nach kurzer Verzögerung eine erhöhte Luftmenge abgesaugt. Dezentrale Einzellüftungsgeräte lassen sich je nach Intensität der Raumnutzung in mehreren Stufen rauf- und runterschalten. Bei zentralen Zu- und Abluftanlagen sind die Stufen Party-Schaltung (Volllast), Normalbetrieb (Anwesenheit) und Grundlüftung (Abwesenheit der Bewohner) üblich. Manche Anlagen passen die Zu- und Abluftmengen sogar vollautomatisch an die jeweilige Situation im Raum an. Sie sind mit Sensoren ausgestattet, die die Konzentration an Feuchtigkeit, Kohlendioxid oder Kohlenwasserstoffen in der Luft erfassen.

9. Einregulierung. Eine Lüftungsanlage spart Energie, wenn in allen Räumen die vom Planer errechneten Ab- und Zuluftmengen erreicht werden. Bei Inbetriebnahme der Anlage werden daher die Volumenströme an den Ab- und Zuluftventilen im Raum einreguliert und gemessen. Auch die automatische Regelung wird auf die Gegebenheiten der Anlage und die individuellen Bedürfnisse der Nutzer eingestellt. Im Zu- und Abluftkanal eingebaute Messblenden erleichtern das Einregulieren der Anlage.

> Das geballte Wissen der Energieagentur NRW zur Wohnraumlüftung finden Sie unter www.energieagentur.nrw.de/lueftung

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