Mauerwerksbrücke Viersener Straße

Gewölbebrücke über die Eisenbahnstraße 2522 Viersen Helenabrunn - Rheydt Gbf

Historie

Die Eisenbahn erobert Mönchengladbach

Schon ab den 1830er Jahren kommt in Gladbach, wie die Stadt damals noch heißt, der Wunsch nach Anschluss an das Eisenbahnnetz auf. Fabrikanten bekunden ihr Interesse und betonen die wirtschaft­liche Notwendigkeit, Rohstoffe, Fertigprodukte und Kohle als Energieträger schnell, problemlos und preiswert per Bahn zu transportieren.

Aber erst 1845 starten privat finanzierte Eisenbahngesellschaften mit ersten Baumaßnahmen in der Region. Doch die hohen Investitionskosten überfordern schnelle die kleineren Eisenbahngesell­schaf­ten und haben eine Konzentration auf finanzkräftige Anbieter zur Folge. Und so gehen schon 1850 die am Niederrhein tätigen Unternehmen der Aachen-Neuß-Düsseldorfer-Eisenbahn-Gesellschaft mit der Ruhrort-Crefeld-Kreis Gladbacher-Eisenbahn-Gesellschaft in der größeren Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahngesellschaft auf.

Und eben diese Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahngesellschaft bringt am 13. Oktober 1851 mit der Fertigstellung der Strecke Viersen-Gladbach den ersten Bahnanschluss nach Gladbach. 1852 wird die Strecke über Rheydt und Herzogenrath (1852) nach Aachen (1853) weitergeführt. Die Verbindung nach Neuss folgt ebenfalls 1853.

Schon während der Planungsphase um 1847 beanspruchen die konkurrierenden Nachbarstädte Glad­bach und Rheydt den Bahnhof jeweils für sich und machen ihre Ansprüche auch gegenüber den Eisen­bahn­komitees geltend. Die preußische Regierung erteilt schließlich Gladbach den Zuschlag. Als Standort des Empfangsgebäudes wird aber nicht ein Platz an der gemeinsamen Stadtgrenze beider Kommunen ausgesucht, sondern man entscheidet sich für eine industrienahe Fläche unmittelbar am Gladbach in der Nähe des heutigen Bismarckplatzes. Der Stationsname des 1851 fertiggestellten und schon 1908 wieder aufgegebenen, an der Verzweigung der Strecken von Aachen nach Viersen und Düsseldorf liegenden Inselbahnhofs lautet daher auch folgerichtig Centralbahnhof Gladbach.

Im Jahr 1866 übernimmt die 1843 in Elberfeld gegründete, finanzkräftige und erfolgreiche Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft die Betriebsführung der Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn. Seit 1870 baut sie die bereits seit längerem geforderte Bahnstrecke über Rheydt-Geneicken, Rheydt-Mülfort, Hochneukirch und Grevenbroich nach Köln. Fertiggestellt wird die Strecke erst 1899.

Parallel zum schon bestehenden Eisenbahnnetz der Bergisch-Märkischen baut die konkurrierende Rheinische Eisenbahngesellschaft 1877 eine zweite Strecke von Rheydt über Speick, Bökel und Willich nach Krefeld. Obschon sie kürzer ist, ist sie dennoch weniger erfolgreich als die der Bergisch-Märkischen. Folgerichtig setzt sie sich am Markt auch nicht durch, 1909 wird die Bahntrasse im Norden des Gladbacher Stadtkerns stillgelegt und 1910 zur Hermann-Piecq-Anlage ausgebaut. Heute ist Hermann-Piecq-Anlage eine wichtige innerstädtische Hauptverkehrsader Mönchengladbachs. Erst 1937 bricht man schließlich den funktionslosen Bahnhof Gladbach-Bökel ab, in dessen unmittelbarer Nähe schon seit 1912 das Land- und Amtsgericht an der Hohenzollernstraße steht.

Die Vielfalt der Gesellschaften und Streckenführungen mit ihren konkurrierenden Angeboten zieht den regulierenden Eingriff des Preußischen Staates nach sich. Ab 1880 setzt die Verstaatlichung der privaten Eisenbahngesellschaften ein. Bahnhöfe und Strecken gehen nach und nach – so 1880/81 die der Rheinischen Eisenbahn und 1882/86 die der Bergisch-Märkischen Eisenbahn – in die Hand der Königlich-Preußischen Staatsbahnen über. Aus ihr wird als Nachfolgerin dann 1994 die Deutsche Bahn AG entstehen.

Die Stilllegung der nach 1909 zur Hermann-Piecq-Anlage umgebauten Bahnstrecke entlang des Bökels lässt den Wunsch nach einem Ersatz deutlich werden. So nimmt im gleichen Jahr eine neue Strecke, die sog. Umgehungsbahn, von Rheydt nach Viersen ihren Betrieb auf. Sie umgeht die inner­städtische, in Hochlage auf Dämmen verlegte Schienentrasse und die beiden Hauptbahnhöfe in Mönchengladbach und Rheydt. Hierfür zweigt sie im 1910 angelegten Rangierbahnhof Rheydt ab, umfährt in weitem Bogen und bevorzugt in Tieflage die Ortsteile Morr, Waldhausen und Windberg, um nördlich von Bettrath und in Nähe von Helenabrunn auf die schon seit 1851 bestehenden Gleise nach Viersen zu stoßen.

Mauerwerksbrücke Viersener Straße

Die kreuzungsfreie Querung der Umgehungsbahn mit der Viersener Straße ist nur durch ein Brücken­bauwerk möglich. Ab ca. 1906 entsteht eine Ziegelsteingewölbebrücke, die den Straßen­verkehr über das in einem tiefen Einschnitt verlegte Gleis führt, über das heute hauptsächlich Güterzüge zwischen Aachen und Duisburg geleitet werden.

In einer Bogenbreite von 15 m überspannt die aus Ziegelsteinen errichtete Mauerwerksbrücke die eingleisige Strecke. Mächtigen Widerlagern sitzt ein flaches Bogen­segment mit einer lichten Bogenhöhe von 5,70 m auf, das die Elektrifizierung der Strecke erlaubt.

Die Umgehungsbahn und die sanierte Mauerwerksbrücke dokumentieren mehr als 110 Jahre Ver­kehrs­geschichte in Mönchengladbach. Sie zeigen, dass historische Verkehrswege und Bauwerke auch in diesem Alter nicht „um alten Eisen“ zählen. Sie lassen sich auf die veränderten Verkehrsströme und die gestiegenen technischen Anforderungen anpassen. So sind ihr baulicher Bestand und ihre funktionale Nutzung für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

Grundhafte Sanierungsmaßnahme

Allgemeines

Die Stadt Mönchengladbach ist als Straßenbaulastträger verpflichtet ihre Brückenbauwerke regelmäßig auf die Einhaltung der Verkehrssicherheit, die Standsicherheit und die Dauerhaftigkeit zu prüfen. Im Zuge dieser Prüfungen wurden Schädigung an der Bausubstanz des Brückenbauwerkes festgestellt.

Weiterhin entsprachen der Fahrbahnaufbau und die Geländer nicht mehr den aktuellen technischen Anforderungen. Dies veranlasste die Stadt Mönchengladbach das Bauwerk im Jahr 2020 grundlegend zu sanieren.

Auszüge aus der Bestandsstatik

Instandsetzung Mauerwerk

Der Mauerwerksbogen wurde komplett neu verfugt. Lose und gebrochene Mauersteine wurden ausgetauscht.

Herstellung der Fahrbahnplatte aus Stahlbeton

Durch die Herstellung einer Stahlbetonplatte, die auf den Mauerwerksbogen aufgelegt ist, konnte die Brücke auf 16,65 m verbreitert werden. Somit konnten die Gehwegbreiten an den heutigen Standard angepasst werden.

Austausch der Brückengeländer

Die alten Geländer wurden aus Gründen der Verkehrssicherheit durch neue Geländer ersetzt, welches die Sicherheit, durch ein im Handlauf integriertes Stahlseil, der untenliegenden Bahnstrecke erhöht.

Um den Charakter der alten Brücke zu erhalten, wurden die gemauerten Enden der Geländer mit ihren Abdeckungen aus rheinischer Basaltlava übernommen und in die neue Gestaltung der Geländer inte­griert.

Herstellung der Bauwerksabdichtung

Unter dem neuen Fahrbahnbelag wurde entsprechend den aktuelle Vorschriften eine Abdichtung aufgebracht. Diese soll das Bauwerk langfristig gegen eindringende Feuchtigkeit schützen.

Herstellen der Versorgungsleitungen

Die bisherige Hauptwasserleitung verläuft unterhalb der Bahnstrecke. Aufgrund ihres Alters wurde die Sanierung der Brücke genutzt um seitlich eine neue Wasserleitung anzubringen.

Weiterhin wurden Leerrohre für weitere Versorgungsleitungen in die Fahrbahnplatte integriert.

Ansicht der sanierten Brücke von der Bahnstrecke aus

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