Alte Lederfabrik

Von einer Gerberei zur Lederfabrik

Foto der ehemaligen Lederfabrik

aktueller Blick auf den Standort der ehemaligen Lederfabrik

Inhalt in einfacher Sprache

Weiterführende Information

Hermann Kerbusch (1773 – 1850) arbeitete fast sein ganzes Leben als Schmied sowie Schlosser und wohnte auf der Mühlenstraße/Ecke Beeckerstraße (heute: Marktplatz). Im September 1846 entwickelte er die Idee, in der Nähe des Mühlentors eine Rotgerberei anzufangen. Ob Kerbusch mit weit über siebzig Jahren selbst noch in diesem Gewerbe tätig wurde, ist wenig wahrscheinlich. Vermutlich wurde die Gerberei seit ihrer Gründung am 15. 10. 1846 ausschließlich von seinen Söhnen Rudolph (Senior; 1823 – 1893) sowie Maximilian (1825 – 1908) in der Mühlenstraße 38 betrieben und firmierte offiziell unter der Bezeichnung „Gebrüder Kerbusch“.

Blick in die Mühlentorstraße

Der Standort war bewusst gewählt worden, weil hier ein Rinnsal entlangfloss, in das alle Abwässer eingeleitet werden konnten. Da Rudolph keine Kinder hatte, wurde der Betrieb von Maximilians Sohn Rudolph Kerbusch (Junior; * 1856) weitergeführt. Im Jahre 1889 wurden die Gerberei-Gebäude durch eine neu errichtete Fabrik ersetzt. Für 1895 ist belegt, dass in der Lederfabrik 22 Mitarbeiter tätig waren. Als 1894 Rudolphs einziges Kind verstarb, zeichnete sich ab, dass diese Linie der Familie Kerbusch das Gerbereigewerbe eines Tages nicht mehr würde weiterführen können. So verkaufte Rudolph Kerbusch den Betrieb im Jahre 1903 an Léon Asriel (1877 – ca. 1943) und siedelte mit seiner Frau nach Köln über.

 

Asriel gehört der jüdischen Religionsgemeinschaft an und zog von Wien nach Rheindahlen, wo er es aber nur für kurze Zeit aushielt, sodass er sich schließlich in Mönchengladbach ansiedelte und von dort aus die Lederfabrik betrieb. Er ist letztmalig 1912 als Inhaber der Lederfabrik der „Gebrüder Kerbusch“ nachzuweisen und kehrte nach mehreren anderen Stationen schließlich nach Wien zurück, von wo er 1943 in ein Vernichtungslager deportiert wurde. Die Fabrik ging an die Kaufleute Wilhelm Pelzer aus Wickrath und Franz Schneider aus Odenkirchen, die sie ab 1922 unter dem Namen „Lederwerke Rheindahlen“als AG weiterbetrieben.

 

Nach einem verheerenden Brand im Jahre 1930 wurde die Fabrik nicht wieder aufgebaut, die AG liquidiert und das gesamte Areal zwei Jahre später verkauft. Der neue Besitzer ließ an dieser Stelle nach dem Zweiten Weltkrieg die noch heute vorhandenen Wohngebäude errichten.

Brand im Jahr 1930


Wohngebäude nach dem Zweiten Weltkrieg

Parallel zur Asriels Lederfabrik der „Gebrüder Kerbusch“ in der Mühlenstraße 38 existierte im Jahre 1912 in der Mühlenstraße 32 eine weitere Lederfabrik, die sich in den Händen der Familie Kerbusch befand. Bereits im Jahre 1857 hatte August Kerbusch (1835 – 1882) – in Konkurrenz zu seinen Brüdern Rudolph (senior) und Maximilian - eine eigene Gerberei gegründet, die er in die Beeckerstraße betrieb. Sein Sohn Leopold Kerbusch (1867 – 1918) gab diesen Standort jedoch auf und ließ sich spätestens 1892 in der Mühlenstraße 32 nieder. Ob es dabei auch zu einer gewissen Kooperation mit der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gerberei seines Cousins Rudolph Kerbusch (junior) gekommen ist, lässt sich nicht erkennen. Leopold Kerbusch beließ es nicht nur bei der reinen Gerbertätigkeit, sondern widmete sich auch der Weiterverarbeitung von Leder, indem er zusätzlich eine Schuhfabrik aufmachte, wie erstmalig für 1912 belegt ist. Aufgrund von Kriegsanleihen geriet seine Firma am Ende des Ersten Weltkrieges in finanzielle Schwierigkeiten. Als Leopold Kerbusch dann noch im Oktober 1918 verstarb, war das Ende des Familienunternehmens besiegelt. Der zu diesem Zeitpunkt minderjährige, einzige Sohn Paul Kerbusch (1901 – 1965) konnte den Betrieb nicht aufrechterhalten. Seine verwitwete Mutter richtete im Wohnhaus (Mühlenstraße 32) spätestens 1923 ein Schuhwarengeschäft ein, in dem später auch ihr Sohn Paul als Schuhmacher arbeitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem das Haus vollkommen zerstört worden war, betrieb die Familie Kerbusch an gleicher Stelle ein Lebensmittelgeschäft.

Inhalt in einfacher Sprache

Hermann Kerbusch wurde 1773 geboren. Er war Schmied und Schlosser. Im Jahr 1846 gründete er mit seinen Söhnen eine Gerberei. 1889 ersetzte eine neue Fabrik die Gerberei. Um 1905 verkauften die Erben die Fabrik an Léon Asriel. Er wohnte in Mönchengladbach und leitete den Betrieb von dort. Spätestens 1919 ging die Fabrik an neue Besitzer aus Wickrath. Sie hießen Wilhelm Pelzer und Franz Schneider. Ab 1922 hieß der Betrieb Lederwerke Rheindahlen. 1930 brannte die Fabrik ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Zwei Jahre später wurde das Gelände verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dort Wohnhäuser gebaut. Diese Häuser gibt es heute noch.