Wenn die Schule zu Hause stattfindet – Tipps für Familien

Liebe Eltern und Erziehende,

aufgrund der Maßnahmen zum Schutz vor weiteren Ansteckungen wurden die Schulen geschlossen. Diese außergewöhnliche Situation bietet auch eine Chance für Sie als Familie, wieder Dinge in den Vordergrund zu stellen, für die im Alltag wenig Zeit ist. Vielleicht können Sie Rituale wiederbeleben oder neue einführen, wie z.B. gemeinsames Kochen und Gespräche, Spaziergänge, Spielen oder einfach nur zusammen sein.

Als Eltern können Sie weder den Schulunterricht ersetzen noch die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer einnehmen. Die inhaltlichen Aufgaben bekommt Ihr Kind von der Schule gestellt. Ihre Aufgabe ist es, Ihr Kind zu unterstützen und zu motivieren. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, die kommenden Wochen gut zu gestalten.

Einen Berg von Aufgaben eigenverantwortlich erledigen zu müssen, fällt immer schwer. Mit den folgenden Hinweisen können Sie Ihr Kind dabei unterstützen, die Aufgaben, die es von der Schule erhält, zu Hause zu erledigen:

  • Überblick verschaffen: Schauen Sie sich in Ruhe mit Ihrem Kind zusammen an, was alles zu tun ist und planen Sie gemeinsam die Woche. Neben den Schulaufgaben gehören hierzu auch Pflichten im Haushalt.
  • Erwartungen klären und wichtige Aufgaben festlegen: Sagen Sie Ihrem Kind ehrlich, was Sie von ihm erwarten, und fragen Sie es auch, was ihm wichtig ist für die Zeit ohne Schule. Einiges wird nicht zu verhandeln sein, bei anderen Dingen kann Ihr Kind, abhängig vom Alter, selbst entscheiden (z.B. mit welcher Aufgabe es beginnt oder ob es lieber vormittags oder nachmittags für die Schule arbeiten möchte).
  • Plan machen: Schreiben Sie in einen Wochenplan, welche konkreten Aufgaben wann erledigt werden. So ist für alle sichtbar, was abgemacht ist. Das verhindert Missverständnisse und Streit.
  • Aufgabenliste für jeden Tag: Hiermit können Sie den „großen Berg“ in kleine Tagesetappen (3-5 Aufgaben) unterteilen, dadurch wird er für Ihr Kind überschaubar. Das Durchstreichen erledigter Aufgaben tut Ihrem Kind gut und motiviert.
  • Arbeitsplatz gestalten: Achten Sie darauf, dass Ihr Kind einen festen Ort für seine Schulaufgaben hat, an dem es nicht abgelenkt ist. Leise Musik im Hintergrund muss nicht stören, bewegte Bilder (Fernsehen, Computer) und Sprache (Hörspiel) lenken das Gehirn ab.
  • Arbeitszeiten und Pausen: Nutzen Sie eine Uhr oder Stoppuhr, um Arbeitsphasen zu begrenzen, z.B. auf 30 Minuten. Nach jeder Unterbrechung der Konzentration (z.B. durch eingehende Nachrichten im Handy) braucht Ihr Kind wieder Zeit, um in eine Aufgabe zurückzufinden. Dadurch kommt es langsamer voran. Besser ist es, nach einer konzentrierten Arbeitsphase eine Pause einzulegen. Kleine Kinder brauchen nach 15 Minuten einen Wechsel oder eine Pause.
  • Wenn Schluss ist, ist Schluss: Wenn die Aufgaben für den Tag erledigt sind, hat Ihr Kind frei. Lassen Sie ihm dann diese Zeit und kommen Sie nicht spontan mit neuen Aufträgen.

Wenn Sie Fragen dazu haben, was Ihr Kind zu Hause bearbeiten soll und wie Sie es dabei unterstützen können, wenden Sie sich an den Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin bzw. die Schule Ihres Kindes. Sie erreichen diese über die vereinbarten Kontaktwege oder das Sekretariat der Schule, das auch während der Schulschließungen zu den jeweils bekannten Öffnungszeiten erreichbar ist.

Sollte sich das Lernen zu Hause sehr schwierig gestalten, können Sie sich gerne auch an uns wenden, um ein telefonisches Beratungsgespräch mit einer unserer Schulpsychologinnen oder einem unserer Schulpsychologen zu vereinbaren.

Hier einige Ratschläge, wie Sie Ihr Kind in der Lernmotivation unterstützen können:

  • Planen Sie die Lernzeit gemeinsam mit Ihrem Kind und lassen Sie Ihr Kind dabei mitbestimmen.
  • Vereinbaren Sie realistische Lernziele und machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass Sie ihm das Erreichen der Ziele zutrauen.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie es bei Schwierigkeiten Hilfe bekommen kann.
  • Nichts motiviert mehr als Erfolg: Geben Sie Ihrem Kind so viel Unterstützung wie nötig, aber so wenig wie möglich („Hilfe zur Selbsthilfe"). Freuen Sie sich gemeinsam über Lernerfolge.
  • Belohnungen können sinnvoll sein, erreichtes Ziel und Belohnungsart sollten aber in einem guten Verhältnis zueinander stehen.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass die Lerninhalte bedeutsam sind und dass Sie die Lernbemühungen Ihres Kindes wertschätzen. Seien Sie ein positives Vorbild für Ihr Kind.
  • Lernpartnerschaften können helfen: Vereinbaren Sie z.B. Telefonkonferenzen mit Mitschülern.

Am besten lernen Menschen, wenn sie sich in einer positiven Stimmung befinden. Alles was das Lernen angenehmer macht und positive Gefühle erzeugt, ist hilfreich. Hierzu gehört auch, das bereits Erreichte und Lernerfolge zu sehen und wertzuschätzen.

Wichtig ist es für Ihr Kind zu erkennen, was es bereits verstanden hat und was nicht. Versuchen Sie daher gemeinsam, sich ein Bild darüber zu machen, wie sich Ihr Kind an eine Lernaufgabe heranwagt. Jedes Kind verfügt bereits über Erfahrungen mit bestimmten Lerntechniken. Aber auch Ihre Erfahrungen mit Lerntechniken können für Ihr Kind interessant sein.

Je nach Lernziel und Lerninhalt sind unterschiedliche Lerntechniken hilfreich:

  • wichtige Punkte unterstreichen oder markieren (z.B. in einem Text)
  • Inhalte eigenständig (mündlich oder schriftlich) zusammenfassen
  • es anderen (z.B. in einer Lernpartnerschaft oder den Eltern) erklären
  • bildhafte Darstellungen entwickeln
  • Einprägen durch wiederholtes Lesen und auswendiges Wiedergeben
  • Erstellung von Notizen oder Karteikarten (z.B. für Vokabeln)
  • eigene Fragen zum Lerngegenstand (z.B. ein Text) entwickeln
  • Überschriften zu Abschnitten formulieren (z.B. in einem Text)
  • Anwendungsbeispiele (z.B. aus dem Alltag) konstruieren

Der Familienalltag verändert sich durch den Wegfall gewohnter Aktivitäten gerade sehr. Das stellt große Herausforderungen an die Selbstorganisation. Wichtig ist in jedem Fall, den Tag gut zu strukturieren:

  • Versuchen Sie einen Tagesrhythmus beizubehalten, d.h. verabreden Sie Aufstehzeiten, halten Sie gewohnte Rituale zum Frühstück ein.
  • Planen Sie gemeinsame Mahlzeiten oder – falls Sie außer Haus arbeiten – bereiten Sie Mittagessen für Ihr/mit Ihrem Kind vor, so dass es über den Tag versorgt ist. Zusammen Essen zuzubereiten kann eine schöne gemeinsame Aktivität sein.
  • Sammeln Sie Ideen, was in der Freizeit stattfinden kann. Erinnern Sie sich und Ihr Kind daran, was Spaß macht (z.B. malen, basteln, Spiele spielen, Musik machen).
  • Ob Fitness, Yoga oder andere Bewegungsformen – vieles lässt sich auch im eigenen Wohnzimmer anwenden. Nutzen Sie Angebote von Apps und Videos, um Bewegungs- und Sportprogramme nach Hause zu holen. Ein Schlüssel zum Gelingen ist ein fest geplanter Zeitpunkt am Tag. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor und feiern Sie jeden Erfolg!
  • Treffen Sie mit Ihrem Kind Absprachen zum Thema Medienkonsum. Welche Spiele und Apps nutzt Ihr Kind? Gibt es Alternativen? Vorschlag: Filme im Original mit Untertiteln ansehen (ältere Kinder) oder gemeinsam Filme schauen und darüber sprechen (jüngere Kinder). Begrenzen Sie die Medienzeit! Nutzen Sie ggf. Sperren für Geräte und Router. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind genügend Ausgleich findet durch Bewegung und Kontakt mit „echten“ Menschen. Anerkennen Sie auch die Chance, die Medien in dieser Zeit bieten, nämlich als Bildungsangebot und eine Möglichkeit, im Freundeskreis in Kontakt zu bleiben. (Umfangreiche Tipps zum Umgang mit Medien und viele Antworten auf Fragen zu diesem Thema finden Sie auf der Seite klicksafe.de.)

Sie und Ihr Kind begegnen sich jetzt häufiger als sonst. Konflikte sind leicht möglich. Da heißt es, Ruhe bewahren, tief durchatmen und dann gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Damit das gut gelingt, ein paar Hinweise:

  • Nehmen Sie sich Zeit und klären Sie einen Konflikt immer in Ruhe, nicht wenn Sie sich gerade ärgern.
  • Setzen Sie sich gemeinsam an einen Tisch und haben Sie Schreibzeug vor sich für den Fall, dass Sie etwas notieren oder gemeinsam verabreden wollen.
  • Besprechen Sie vorab, worum es geht. Legen Sie fest, wie viel Zeit Sie sich für das Gespräch nehmen wollen.
  • Vermischen Sie nicht alles miteinander, nach dem Motto: „Und was ich Dir außerdem schon immer mal sagen wollte…!“ Ein Konflikt entsteht immer dann, wenn der eine etwas anderes will als der andere und keiner nachgibt.
  • Sprechen Sie darüber, wie Sie und Ihr Kind die Situation wahrnehmen. Bleiben Sie freundlich und zugewandt.
  • Formulieren Sie beide Ihre Bedürfnisse und Ihre Wünsche. Benennen Sie die Unterschiede. Es ist nichts verkehrt daran, unterschiedliche Dinge zu wollen.
  • Suchen Sie eine gemeinsame Lösung, geben Sie sich nicht vorher zufrieden.
  • Bei einer Eskalation unterbrechen Sie das Gespräch und setzen es später fort.
  • Notfalls sagen Sie nur, dass Sie sich Lösungsvorschläge von Ihrem Kind erhoffen, und schweigen dann aufmerksam.

Falls Sie und Ihr Kind merken, dass die Konflikte eskalieren und Sie sich zunehmend wütend und hilflos fühlen, gibt es verschiedene Stellen in Mönchengladbach, an die Sie sich wenden können: Die Familien- und Erziehungsberatungsstellen, der Allgemeine Soziale Dienst und weitere Ansprechpartner im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Mönchengladbach sowie die Frauenberatungsstelle (Tel. 02161-23237, Montags 14–16 Uhr und Donnerstags 9–11 Uhr).

Bei Sorgen und Nöten erreichen Sie außerdem unter folgenden bundesweiten Telefonnummern kostenfrei und anonym einen Ansprechpartner:

Telefonseelsorge:  0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222

Kinder und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“:  0800-111 0 333 (Mo–Sa  14–20 Uhr)

Wenn gewohnte Tagesabläufe und Beschäftigungen wegfallen und alle Familienmitglieder längere Zeit in der Wohnung verbringen, kann irgendwann durch die Eintönigkeit ein Gefühl der Langeweile auftreten.

Langeweile ermöglicht die Chance, gewohnte Verhaltensmuster zu unterbrechen und alte oder neue Fähigkeiten in sich zu entdecken. Wenn Ihr Kind weniger Anregungen von außen erhält, wird es kreativ. Hierfür braucht Ihr Kind Zeit und Sie brauchen Geduld! Kinder erfinden dann neue Spiele, phantasieren Geschichten und experimentieren mit dem, was sie vorfinden. Ein Kind beginnt zu nähen, ein anderes füllt Gläser mit Wasser und bringt sie zum Klingen oder es wird aus einer Zeitschrift ein Puzzle hergestellt. Und Sie können neue Seiten, Interessen und Begabungen bei Ihrem Kind entdecken.

Ihnen bietet sich auch die Möglichkeit, durch das Begleiten Ihres Kindes und Einlassen auf dessen Spiele, Ihre eigene Kreativität und Freude am Spiel wieder zu entdecken. Es kann für Ihr Kind spannend sein, Spiele aus einer Zeit vor den Computerspielen auszuprobieren.

Langeweile bietet auch die Möglichkeit, den Gedanken freien Lauf zu lassen, zu träumen und zu bemerken, was gut tut und was fehlt. Kinder profitieren, wenn ihre Eltern mehr Zeit haben und zu Hause sind. Ihr Kind wird sich wohlfühlen, wenn es einfach erzählen kann. Vertrauen Sie darauf, diese herausfordernde Situation gut und nachhaltig für die Zukunft zu meistern. Und vergessen Sie nicht: „Langeweile ist das Tor zur Fantasie!“

„Warum darf ich nicht mehr in die Schule?“

„Warum können wir Oma und Opa nicht mehr besuchen?“

„Wann kann ich wieder zum Sportverein gehen?“

„Was passiert, wenn du gar nicht mehr arbeiten gehst?“

Die vielen Veränderungen können bei Ihrem Kind zu Unsicherheiten führen. Dinge, die wir nicht verstehen und einordnen können, ängstigen uns. Wie können Sie als Eltern am besten darauf reagieren?

  • Versuchen Sie ruhig zu bleiben: Kinder spüren die Ängste und Unsicherheiten ihrer Eltern. Tun Sie sich Gutes und versuchen Sie, sich zu entspannen. Sprechen Sie in Ihrer Beziehung oder in Ihrem Freundeskreis über Ihre Sorgen und geben Sie diese nicht an Ihr Kind weiter. Informieren Sie sich auf offiziellen Internetseiten (z.B. FAQs des Robert-Koch-Instituts oder Informationsseite des Landes), so dass Sie Fragen Ihres Kindes beantworten können. Lassen Sie Ihr Kind, je nach Alter, keine Nachrichten schauen. Bilder bleiben eher haften und können verunsichern.
  • Aufgreifen, was Ihr Kind schon weiß: Ihr Kind hat schon einiges über das Corona-Virus gehört. Sprechen Sie gemeinsam darüber. Welche Fragen hat Ihr Kind? Hat es vielleicht Informationen aufgenommen, die nicht stimmen? Haben Sie auch ein Auge auf den Medienkonsum (s.o.) Ihres Kindes und schauen Sie sich Informationen am besten gemeinsam an.
  • Kindgerecht erklären: Vor allem für jüngere Kinder ist schwer begreiflich, was ein Virus ist. Vielleicht fallen Ihnen alternative Wörter ein, um dies zu erklären, z.B. eine Krankheit, die neu ist und unser Körper noch nicht kennt. Ein Impfstoff, wie gegen andere Krankheiten, wird gerade entwickelt. Daran arbeiten momentan viele Menschen weltweit. Weitere kindgerechte Informationen finden Sie z.B. auf der Seite der Kindernachrichten logo! des ZDF und der Sendung mit der Maus des WDR
  • Eigenverantwortung: Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was Sie als Familie tun können, um sich vor der Krankheit zu schützen. Regelmäßiges Hände waschen und in die Armbeuge niesen oder husten können Sie gemeinsam üben. Kinder freuen sich über Lob, wenn diese Dinge gelingen. (Video-)Telefonate mit Oma und Opa oder im Freundeskreis sind auch ein wichtiger Beitrag im Umgang mit der Situation.
  • Wohlfühlen: In einer ruhigen Atmosphäre zuhause lassen sich Gespräche am besten führen. Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind und beruhigen Sie es, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Gewohnte Strukturen (z.B. gemeinsame Mahlzeiten, zu-Bett-bringen, vorlesen, spielen, kuscheln) sind hilfreich für Ihr Kind. Es sollte sich nicht alles um das Corona-Virus drehen. Eine fröhliche Atmosphäre zuhause hilft beim Lernen und Wohlfühlen.

Der Text auf dieser Seite basiert in weiten Teilen auf: Schulpsychologisches und Inklusionspädagogisches Beratungs- und Unterstützungszentren (SIBUZ) in Berlin-Pankow (2020). Wenn die Schule zu Hause stattfindet – Tipps für Familien. SIBUZ Infobrief extra. Berlin: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.