Zentralbibliothek – Sanierung, aber wie?

Der Rat der Stadt Mönchengladbach hat am 16. April 2013 beschlossen, dass die Zentralbibliothek nicht neu gebaut, sondern saniert werden soll. Der Umfang der Sanierung wird derzeit diskutiert. In einer seiner nächsten Sitzungen muss der Rat entscheiden, welchen Umfang die Sanierung haben wird. Drei Varianten stehen zur Wahl: Brandschutzsanierung (für ca. 2,2 Mio Euro); Behebung des Sanierungsstaus und energetische Sanierung (zusätzlich 3,2 Mio Euro); bauliche Erweiterung (zusätzlich 2,2 Mio  Euro).

Die Diskussion findet unter reger Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Dabei werden verschiedene Fragen immer wieder gestellt, und manche auch oft falsch beantwortet. Im Folgenden will die Bibliothek zur Sachaufklärung beitragen:

Sind Bibliotheken im digitalen Zeitalter überflüssig?

In der Diskussion ist auch die Frage zu hören, ob es angesichts digitaler Angebote zukünftig überhaupt noch Stadtbibliotheken geben muss. Werden Bibliotheken angesichts zunehmender Digitalisierung bald verlassene Orte, leere Hüllen einer längst vergessenen Lesekultur sein?

Dafür gibt es nirgendwo in Deutschland auch nur erste Anzeichen. Trotz der schnell wachsenden Bedeutung der digitalen Medien gehen die Besucherzahlen in den Bibliotheken nicht zurück. Das Gegenteil ist der Fall! Allerdings ändert sich das Nutzerverhalten. Die Bibliotheken sind nicht mehr nur Ausleihorte, sondern verstärkt Orte des Lesens, Lernens und Arbeitens, gesellschaftliche und kulturelle Treffpunkte. Als öffentliche Orte tragen sie zur Qualifizierung der Bevölkerung erheblich bei und leisten vielfältige Beiträge zur kulturellen Bereicherung und Integration in der Stadt – und das ohne Konsumdruck, niedrigschwellig und barrierefrei! Ranga Yogeshwar dazu: „Bibliotheken sind nach wie vor Garant für Demokratie. In der neuen digitalen Welt sind Bibliotheken einerseits diejenigen, die Information bereitstellen. Sie sind andererseits aber auch diejenigen, die uns Bürgern Orientierungshilfen anbieten und zwar kostenlos, unabhängig und kompetent.“ Aus: „Bücher sind keine Schuhcreme! In: Buch und Bibliothek 7/8 2013 S. 534 - 540".

Ist die Bibliothek zu klein?

Die Bibliothek wurde 1964 für „Alt-Gladbach“ und als Wissenschaftliche Stadtbibliothek rund um die Bibliothek des Volksvereins für das Katholische Deutschland gebaut, nicht als Öffentliche Bibliothek. Seit 1964 haben sich das Medienangebot (1964: 65.000 Medien, 2012: 128.000 Medien – jeweils ohne die Historische Sammlung) und die Zahl der Medienformen vervielfacht. Die heutige Raumaufteilung spiegelt immer noch die Verhältnisse von 1964: In der Nutzfläche von 3.834 qm sind lediglich 1.230 qm Publikumsfläche enthalten. Die restlichen 2.600 qm sind Magazin- und Verwaltungsflächen, die aus baulichen und baurechtlichen Gründen nicht als Publikumsflächen genutzt werden können.

Damit sind die Publikumsflächen unterdimensioniert und unübersichtlich. Die Folge: die Medien können nur unzureichend präsentiert werden, Zielgruppenangebote, z.B. Elternbibliothek, Bibliothek interkulturell, sind kaum realisierbar, dringend benötigte Arbeits-, Lese- und Kommunikationszonen sowie Räume für bibliothekspädagogische Arbeit vom Bilderbuchkino über die Bibliothekseinführung bis zum Recherchetraining und Facebook-Workshop, Veranstaltungen und Ausstellungen fehlen.

Kann man Platz für die Öffentlichkeit im Magazinturm schaffen?

In der öffentlichen Diskussion wird zur Schaffung zusätzlicher Publikumsflächen gelegentlich die Auslagerung der ausschließlich im Magazinturm untergebrachten Historischen Sammlungen gefordert (zuletzt RP vom 6. Juli 2013, Seite C2). Da der Magazinturm als solcher konzipiert und gebaut ist, sind die Räumlichkeiten aber weder als Arbeitsplätze noch für die Öffentlichkeit nutzbar. Die Decken sind zu niedrig, es fehlen Fenster und Fluchtwege. All das zu ändern würde enorme Mittel verschlingen. Dazu müssten für die Historischen Sammlungen woanders Flächen gebaut oder angemietet werden. Durch eine solche Auslagerung würde schließlich die Nutzung der Historischen Sammlungen erschwert; es sei denn, man setzt zusätzliches Personal ein.

Ist die Auslagerung der Bibliotheksverwaltung sinnvoll?

In der öffentlichen Diskussion um den Platzbedarf der Zentralbibliothek wird auch vorgeschlagen, die Verwaltung der Stadtbibliothek im 1. Obergeschoss auszulagern und den gewonnenen Raum (ca. 400 qm) der Publikumsfläche zuzuschlagen.

Untersuchungen der Statik des Verwaltungstraktes haben ergeben, dass eine Umwandlung der Büroflächen in Publikumsflächen im gegenwärtigen Zustand aus statischen Gründen nicht möglich ist. Eine Nachrüstung wäre grundsätzlich technisch möglich, aber unverhältnismäßig aufwändig und teuer – so die Aussage der Baufachleute.

Dazu müssten die Flächen für die Verwaltung neu gebaut oder angemietet werden; und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadtbibliothek. Denn das „Verwaltungspersonal“ besteht weitgehend aus Bibliothekaren/rinnen und Bibliotheksassistenten/tinnen, die flexibel zwischen ihren Schreibtischen im „Back-Office“ und dem Publikumsbereich hin- und her wechseln müssen. Anders sind der Betrieb und der Service nicht aufrecht zu erhalten.