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Anja Wedershoven

www.anjawedershoven.de
E-Mail: info@anjawedershoven.de

Biografie

Geboren 1968 in Mönchengladbach.
Studium der Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt auf Literatur und  Geschichte.
Neben journalistischer Arbeit als Rezensentin Weiterbildungen im literarischen Schreiben u.a. bei Terézia Mora, Clemens Meyer, Gisa Klönne und Hanna Aden. Nach Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften erschien 2013 ihr erster Roman.

Bibliografie

2013
Schürfwunden - Ein Tagebau-Roman. acabus Verl. ISBN 978-3-7408-0962-1

2020
Im Schatten der Kopfweiden -  Niederrhein Krimi. Emons Verlag. ISBN 978-3-7408-0962-1 

Leseprobe

Im Schatten der Kopfweiden - Niederrhein-Krimi
Eine junge Kommissarin mit dem Trauma ihres letzten Falls im Nacken.
Ein Hauptkommissar mit einem Faible für Jazzmusik.
Ein 14jähriges Mädchen, das mehr weiß, als es sollte.
Ein Kinderarzt im Ruhestand, den seine Vergangenheit einholt.

Kommissarin Johanna Brenner wird von Berlin an den Niederrhein versetzt. Sie hat ihre Koffer noch nicht ausgepackt, als in Geldern der Leichnam einer Kinderärztin gefunden wird. Die junge Frau wurde erdrosselt und an der Friedhofsmauer abgelegt. Ist ihr stalkender Ex-Freund diesmal zu weit gegangen? Oder wollte der Vater eines kleinen Patienten verhindern, dass die Ärztin ihm das Jugendamt auf den Hals hetzt?

Auf der Suche nach dem Täter legt sich Johanna schon bald mit ihren neuen Kollegen an – und gerät bei ihrem Alleingang in größte Gefahr. 

Die Waffe wog schwer in ihrer Hand. Eine Walther P99. Johanna spürte, wie die Unruhe in ihr aufstieg. Sie begann zu schwitzen. Im Innendienst hatte sie ihre Dienstwaffe nicht gebraucht. Hatte sie nur auf dem Schießstand in die Hand genommen. Diese hier … mit der würde sie draußen unterwegs sein.

Fast ein Jahr war es jetzt her. Anders als heute hatte die Sonne geschienen, eine Oktobersonne, die alle Farben hatte strahlen lassen und die selbst noch in der leeren Fabrikhalle eine warme Stimmung verbreitet hatte. Johanna hatte die Schönheit des herbstlichen Lichts mit einem Teil ihres Bewusstseins registriert, aber gefühlt hatte sie nur Ohnmacht und Angst. Nowak war immer näher gekommen, obwohl sie mit gezogener Waffe vor ihm gestanden hatte. Er hatte sie verhöhnt mit seinen Worten und seinen Blicken, er hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass Frauen für ihn nur »Fotzen« waren, die er nicht ernst nahm, nicht mal, wenn sie eine Waffe trugen. Einen Augenblick hatte seine Verachtung Johanna gelähmt, hatte ihr die Luft zum Atmen genommen. Aber als er eine Hand zur Hosentasche bewegt hatte, hatte sich ihr Körper für Angriff entschieden.

 »Frau Brenner?« Der Beamte des Dezernats 3, Waffen- und Geräteangelegenheiten, sah sie fragend an. »Stimmt etwas nicht mit der Waffe? Brauchen Sie eine andere Griffgröße?«

Johanna riss sich von ihren Erinnerungen los und nahm die Kleinkaliberpistole fest in die Hand. Richtete sie kurz gegen die Wand.

»Nein, das passt so.« Sie nickte dem Mann zu. »Alles in Ordnung. Ich war einen Moment mit den Gedanken woanders.«

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 Schürfwunden – Ein Tagebau-Roman

Wo bin ich zu Hause? An einem Ort? Bei den Menschen, die ich liebe?
Was passiert, wenn ich beides verliere? 

Drei Kinder, eine Halbtagsstelle und die tyrannische Schwiegermutter im Haus. Nicht, dass Katja nicht schon genug Stress hätte. Doch als sie sich in den jungen Jens verliebt, gerät ihr Leben endgültig aus den Fugen. Unterstützung findet Katja bei ihrer hinfälligen, aber eigensinnigen Großmutter Charlotte. Diese kämpft seit Jahren gegen den Verlust ihres Hauses durch den Tagebau. Jetzt droht ihr die Enteignung. In der Krise entwickelt sich zwischen den so unterschiedlichen Frauen eine ungewöhnliche Freundschaft.  

Jedes Mal, wenn ich das Haus meiner Großmutter betrete, überfällt mich sein Geruch schon im Flur. Ein Geruch nach feuchtem Gemäuer, staubgetränkter Luft und Kölnisch Wasser. Nach Filterkaffee, nach Lavendelsäckchen, nach Alter. Der Geruch meiner Großmutter.Wenn ich ihr nahe komme, um ihr in der Küche zu helfen oder sie über den Rand der Duschwanne auf den Kunststoffhocker zu setzen, scheint mir, dass ihr Körper und der betagte Bauernhof denselben Geruch angenommen haben. Dass weder der Duft von Seife noch der von frisch gewaschener Kleidung das überdecken kann. Charlotte riecht wie ihr Haus. Ihr Haus riecht wie Charlotte.

Manchmal gehe ich als Erstes ins Wohnzimmer, reiße die Fenster auf und ermahne sie, regelmäßig zu lüften. Als ob das etwas ändern würde. Als ob in diesem Haus Platz für etwas Neues, etwas Frisches wäre.

Nein, da ist kein Raum. Die Zimmer quellen über von den Lebensgeschichten vieler Generationen, das Mauerwerk ist getränkt mit Erinnerungen, und im Knarzen der Bodendielen höre ich die Stimmen all der Menschen, die hier gewohnt haben. Unzählige Vergangenheiten leben im Haus meiner Großmutter.

Und Charlotte lebt in der Vergangenheit. Ich kann sie mir ebenso wenig wie die Generationen vor ihr ohne diese Mauern denken. Als würde sie sich auflösen und verschwinden, wenn man sie aus ihrem Haus herausnähme. Als würde man mit dem Gebäude ihre Lebensgeschichte auslöschen. Und meine Großmutter klammert sich mit all ihrer verbleibenden Kraft an den alten Bauernhof, obwohl die Bagger unaufhaltsam näher kommen. Obwohl es hier nur Vergangenheit, kaum Gegenwart und keine Zukunft gibt.