Andrea Rings

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Biografie

Andrea Rings wurde 1965 in Euskirchen geboren. Sie wuchs in dem Eifeldorf Esch bei Bad Münstereifel auf und besuchte das St. Michael-Gymnasium in Bad Münstereifel, wo sie 1984 Abitur machte. Von 1984 bis 1990 studierte sie Biologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Nach dem Diplom arbeitete sie zunächst in Aachen in einem Ingenieurbüro für Umwelttechnik. Von 1992 bis 1994 nahm sie an einer Fortbildungsmaßnahme im technischen Umweltmanagement teil und absolvierte das dazugehörige dreimonatige Praktikum im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Bonn. Seit 1994 arbeitet sie mit Unterbrechungen durch Erziehungszeiten bei der Stadt Mönchengladbach als Abfallberaterin.

Seit 2001 ist Andrea Rings literarisch aktiv. Sie besuchte zunächst Schreibwerkstätten, wurde schnell Mitglied bei verschiedenen Autorengruppen und verfasste zu Beginn überwiegend Vorlesegeschichten für Kleinkinder. 2013 gewann sie mit dem Manuskript zu ihrem ersten Jugendroman „Parkour“ den Literaturpreis „Der Goldene Pick“, ausgelobt von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Verlag Chicken House Deutschland. Der Roman ist im September 2014 bei Chicken House Deutschland erschienen.

Andrea Rings lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Odenkirchen.

Die Autorin sagt über ihren Jugendroman „Parkour“: „Als ich mit dem Roman anfing, hatte ich wenig Zeit. Meine Kinder waren klein, ich arbeitete halbtags und mein Mann war selbstständig. Deshalb entwarf ich sehr kurze Kapitel, um schnelle Erfolgserlebnisse zu haben. Ich wechselte immer wieder die Perspektive, erzählte aus der Sicht meiner vier Hauptpersonen und plötzlich stellte ich fest, dass sich daraus eine unglaubliche Dynamik und ein eigener Stil entwickelte.“
 

Bibliografie

2014. Parkour - Nur die Wahrheit ist unbezwingbar. ISBN 978-3-551-52070-8 


Textprobe

(Anfang des Jugendromans: "Parkour- Nur die Wahrheit ist unbezwingbar")

Donnerstag

Leo streift die Kapuze seiner Sweatjacke über den Kopf und zieht die Luft ein. Zum ersten Mal seit Wochen weht ein kühler Wind durch die Straßen von Gotenheim. Die Hälfte der Sommerferien ist vorbei.
Für einen Moment schließt er die Augen, konzentriert sich. Auf seiner inneren Leinwand taucht ein großer Kran auf, das absolut beste Ziel, das es zurzeit in Gotenheim gibt.
Keine Fahrzeuggeräusche, die Straße unten ist frei. Er öffnet die Augen, springt aus dem Fenster, stützt sich mit den Händen auf dem vertrockneten Rasen ab und landet nach einem Katzensprung über die hüfthohe Mauereinfassung auf dem Bürgersteig. Den Schwung nimmt er mit, rennt über die Straße, auf das gegenüberliegende Mehrfamilienhaus zu, dessen Tür wie fast immer offen steht. Eine alte Frau mit Rollator hebt drohend die Faust, als er an ihr vorbeisprintet, geradeaus durch den Flur zur Hintertür hinaus, direkt auf die Friedhofsmauer zu. Ein Satz aus dem Lauf heraus - zum ersten Mal gelingt es ihm an dieser Stelle.
Die Alte schimpft immer noch, während Leo sich auf den schräg gemauerten Ziegelsteinen ausbalanciert. Der Friedhof an der St.-Paulskirche ist die einzige Stelle weit und breit, an der hohe Bäume wachsen. Das Gras in ihrem Schatten ist so saftig und weich, dass man bequem darauf abrollen kann.
Er läuft über die Grabeinfassungen und fühlt sich frei. Was kümmert ihn der Friedhofsverwalter, der ihn neulich für einen Metalldieb gehalten hat? Diese grauen Hausmeistertypen haben eins gemeinsam: Sie sind zu langsam.
Vorbei an der Leichenhalle, wieder auf die Friedhofsmauer. Mit einem Präzisionssprung versucht er auf einem fast vier Meter entfernten Gullydeckel zu landen. Geschafft - heute ist sein Tag!
Weiter geht es durch Häuserschluchten, auf Bürgersteigen, Radwegen. Leo überläuft Parkbänke und Papierkörbe, alle Hindernisse, die ihm im Weg sind. Dann die Treppen hinunter, in den Fußgängertunnel, wo der Hall seiner Schritte tausendfach zurückgeworfen wird und sich wie Applaus anhört.
Jetzt muss er durch die größte Einkaufspassage der Stadt. Die Leute bewegen sich in Zeitlupe, das Dröhnen von Werbedurchsagen und Popmusik macht ihn wahnsinnig. Diese Typen schütteln auch noch den Kopf, weil er die Rolltreppe entgegen der Fahrtrichtung hinunter läuft. Warum nehmen die nicht den Aufzug?