Walter Moers

Homepage: www.zamonien.de



Biografie

Geboren 1957 in Mönchengladbach und dort aufgewachsen.
Comic-Zeichner, Kultautor von Romanen, Drehbüchern und Songtexten.
Walter Moers lebt und arbeitet in Hamburg.


Preise, Auszeichnungen, Stipendien

1993
Max-und-Moritz-Preis für das beste deutsche Comic-Album

1994
Adolf-Grimme-Preis für "Käpt´n Blaubärs Seemannsgarn"

1997
Goldene Leinwand für den Kinofilm "Das kleine Arschloch"


Bibliografie

(Auswahl)

1985
Aha

1985
Wenn er gut drauf ist, erlässt er alle Sünden. So treiben's die Klerikalen

1987
Schweinewelt

1987
Das Tier. Eine wahre Geschichte.

1987
Die Schimauski-Methode und andere sensationelle Entdeckungen des erstaunlichen Prof. Dr. Albert Schimauski.

1988
Herzlichen Glückwunsch

1989
Huhu

1990
Kleines Arschloch

1991
Das kleine Arschloch kehrt zurück

1991
Schöne Geschichten

1992
Es ist ein Arschloch, Maria

1993
Arschloch in Öl

1993
Der alte Sack, ein kleines Arschloch und andere Höhepunkte des Kapitalismus

1995
Peppi & Co.. Moers´ Tierleben#


1995
Sex und Gewalt

1995
Du bist ein Arschloch, mein Sohn

1996
Schöner denken. Die Philosophie des kleinen Arschlochs von A wie Arschkriecher bis Z wie Zoogla

1996
Buckel & Co.. Moers´ Gruselkabinett

1996
Vagina & Co.. Moers´Liebesleben

1997
Walter Moers´ Kleines Arschloch

1997
Wenn der Pinguin zweimal klopft ... Frankfurt

1998
Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär. Die halben Lebenserinnerungen eines Seebären. Unter Benutzung des "Lexikons der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung" von Abdul Nachtigaller

1998
Feuchte Träume

1998
Adolf

1999
Adolf - Ach ich bin schon wieder da! #

1999
Käpt´n Blaubär - der Film

2000
Ensel und Krete. Ein Märchen aus Zamonien von Hildegunst von Mythenmetz

2001
Wilde Reise durch die Nacht

2002
Der Fönig, Bildergeschichte

2003
RUMO & Die Wunder im Dunkeln

2004
Die Stadt der Träumenden Bücher

2007
Der Schrecksenmeister

2011
Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Leseprobe

Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt - meins nicht. Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin. Ich könnte - rein theoretisch - aus dem Schaum einer Welle geboren oder in einer Muschel gewachsen sein, wie eine Perle. Vielleicht bin ich auch vom Himmel gefallen, in einer Sternschnuppe. Fest steht lediglich, daß ich als Findelkind ausgesetzt wurde, mitten im Ozean. Meine erste Erinnerung ist, daß ich in rauher See trieb, nackt und allein in einer Walnussschale, denn ich war ursprünglich sehr , sehr klein. Ich erinnere mich weiterhin an ein Geräusch. Es war ein sehr großes Geräusch. Wenn man noch so klein ist, neigt man dazu, die Dinge zu überschätzen, aber heute weiß ich, daß es tatsächlich das größte Geräusch der Welt war. Erzeugt wurde es vom monströsesten, gefährlichsten und lautesten Wasserwirbel der sieben Weltmeere - ich ahnte ja nicht, daß es der gefürchtete Malmstrom war, auf den ich da in meinem Schälchen zuschaukelte. Für mich war es nur ein gewaltiges Gurgeln. Wahrscheinlich dachte ich damals (wenn man das schon denken nennen konnte), daß es wohl der natürlichste Zustand war, nackt in einer Nußschale auf dem offenen Meer einem ohrenbetäubenden Tosen entgegenzutreiben. Das Geräusch wurde mächtiger und mächtiger, die Nußschale schaukelte immer heftiger, und ich wußte natürlich auch nicht, dass ich schon längst in den Sog des Wirbels geraten war. In einer kilometerlangen Spirale tanzte mein winziges Boot, wahrscheinlich das kleinste der Welt, dem brüllenden Abgrund entgegen. Nun muß man bedenken, daß dies so ziemlich die aussichtsloseste Situation war, in die man auf See geraten kann. Jeder Seemann, der seinen Verstand beisammen hatte, umschiffte das Gebiet des Malmstroms großräumig. Und selbst wenn irgend jemand zu meiner Rettung angetreten wäre, hätte ihn dasselbe Schicksal ereilt. Er wäre mit auf den Grund des Meeres gezogen worden, denn kein Schiff war dem Sog des Wirbels gewachsen. Jetzt begann sich mein Nußschälchen auch noch um sich selbst zu drehen, im Walzertakt tanzte es dem Untergang entgegen, hinab in den gurgelnden Rachen des Ozeans. Ich aber betrachtete nur die wirbelnden Sterne über mir, lauschte verzückt dem Malmstrom und ahnte nichts Böses. Das war der Augenblick, in dem ich zum ersten Mal eines der schaurigen Lieder der Zwergpiraten hörte.
Die Zwergpiraten waren die Herrscher des Zamonischen Ozeans. ...

(aus: Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär : die halben Lebenserinnerungen eines Seebären, erschienen im Eichborn-Verlag in Frankfurt a. M., 1998, S. 11 ff.)