Dr. med. Rüdiger Werner Janczyk

Aachener Straße 17
41061 Mönchengladbach
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Fax: 02161 / 18 04




Biografie

Geboren am 20. Februar 1962 in Recklinghausen und aufgewachsen in Cuxhaven; nach einem Semester Publizistik Studium der Medizin in Münster; seit Beginn der neunziger Jahre ist Dr. Janczyk praktizierender Arzt an der Aachener Straße mit den Interessensschwerpunkten tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie, Psychoanalyse, Suchtmedizin und Entspannungsverfahren; fünf Jahre war er im Verein "Aufbruch" tätig, um mitzuhelfen, Drogenabhängige in Arbeit zu bringen.

Anfänglich sah es nicht danach aus, dass Rüdiger Werner Janczyk einmal schriftstellerisch tätig werden würde. Abgesehen von Artikeln in Schülerzeitungen hat er lange nichts geschrieben und auch das Manuskript seines Erstlingsroman lag lange in der Schublade bis der Autor auf Anregung seiner Lebensgefährtin die Überarbeitung vornahm und einen Verlag suchte.
Sein erstes Buch "Keine Pizza für den Mörder" ist ein Niederrhein-Krimi mit Mön-chengladbach als Tatort. Der Roman ist mehr als eine spannende Kriminalgeschichte mit ihrer Figur Karlo, der als Student beim Pizzaaustragen seine erste Leiche findet und von da an in einen Strudel von Ereignissen gerät, der sein Leben und das Le-ben seiner Freunde bedroht. Mit der eigentlichen Kriminalstory verflechtet der Autor Milieuschilderungen, in denen die Fachkenntnisse des Suchtmediziners von der Drogenszene einer Provinzstadt, seine Bedrückung über rechtsradikale Umtriebe und sein Verständnis über die privaten und beruflichen Probleme einer jungen Polizistin bei ihrer schwierigen Ermittlungsarbeit ihren Niederschlag finden. Mit Schmunzeln nimmt der Einheimische die ironisch-freundlichen Bemerkungen des Autors über Mönchengladbach als "das größte Dorf am linken Niederrhein" zur Kenntnis.

Nach seiner Schreibmotivation befragt antwortet Rüdiger Werner Janczyk: "Meine Schreibmotivation ist das Interesse an Menschen. Kriminalromane bieten hier die Möglichkeit, eben Menschen in ihrer Persönlichkeit, ihren Problemen und ihrer Be-findlichkeit zu zeigen. Außerdem besteht die Option, in spannender und auch unter-haltsamer Form Stellung zu aktuellen und wichtigen Themen zu beziehen."


Bibliografie

2002
"Keine Pizza für den Mörder", Kriminalroman, Schardt Verlag, Oldenburg,
ISBN 3-89841-059-5

2002
"Schreckliche Engel", Kriminalroman, Schardt Verlag, Oldenburg
ISBN 3-89841-074-9

2005
"Vincents Methode", Kriminalroman, Emons-Verlag
ISBN 3-89705399-3


Leseprobe

Vorspiel zum Heldentod

Es gefiel Johannes Karl Heiligmann nicht, wie sie ihn ansahen. Er kannte sie beide seit Jahren, er glaubte ihre Gesinnung zu kennen. Da war so viel, was sie mit ihm verband. Aber die Art, wie sie ihn ansahen, gefiel ihm nicht. Er rückte seinen Sessel ein wenig von ihnen fort. Der Schreibtisch war wie eine Barriere zwischen ihnen. Er machte es ihm leichter, Haltung zu bewahren.
Haltung...
"Ihr versteht mich nicht",schnauzte er.
Die Frau lächelte ohne Gefühl.
"Wir haben dich immer verstanden", versicherte sie,"aber es gibt schließlich eine Reihe neuer Aspekte."
"Du warst immer eine Stütze der Bewegung", ergänzte der Mann.
"Ich kenne meine Verdienste selbst."
"Aber deine Affäre bringt uns Kummer ein."
Heiligmann schloß die Augen.
"Anja war keine einfache Affäre", sagte er in mühsam unterdrückter Wut, "ich habe sie geliebt, auch wenn ihr das nicht versteht."
"Du musst verstehen, dass die Tatsache ihrer Schwangerschaft alles ändert. Der Pathologe kann herausfinden, wer der Vater ist. Das weißt du besser als wir."
"Anja hat regelmäßig die Antibabypille genommen. Sie war zuverlässig."
"So zuverlässig, dass sie mit diesem Karlo ins Bett gegangen ist. Nein, ich sage das nicht, um dich zu kränken, Johannes Karl, wir teilen aufrichtig deinen Schmerz."
"Nichts teilt ihr, verdammt, gar nichts!"
"Wir würden es beide schätzen, Johannes Karl, wenn du nicht schreist."
"Ich schreie genau dann, wann ich es will."
Sie sahen ihn an, und es war, als glaubten sie, ihn nur damit zur Ruhe bringen zu können.
"Ich bin der Vorsitzende und..."
"Wir haben ein Problem, Johannes Karl", sagte die Frau mit kalter Freundlichkeit.
"Es ist ein großes Problem, und unsere Sache ist wichtig", fügte der Mann hinzu.
"Was wollt ihr?"
"Anja."
"Anja ist tot, verdammt. Sie ist tot."
"Schau, Johannes Karl", sagte der Mann, "wir kennen all deine unschätzbaren Verdienste um die Bewegung. Aber die Welt ist kompliziert. Diese Stadt und dieses Land sind von Fremdländern unterwandert wie von einem Schimmelpilz. Unsere Aufgabe wird immer wichtiger. Sie stehlen den Leuten die Arbeitsplätze, sie treiben es mit unseren Frauen und..."
"Was willst du mir sagen?"
"Johannes Karl, was haben wir alle nicht für die Bewegung geopfert. Reden wir erst gar nicht über Volker Jansen, ich meine auch all das, was vorher war. Unsere Organisation ist groß, aber sie ist auch anfällig. Wenn irgendein Ermittler den Faden findet, wird er ihn aufrollen können. Dann bricht das ganze Netz zusammen. Weißt du, Johannes Karl, was mit Volker war, mußte so geschehen. Du hast es eingesehen, und du hast dich mustergültig verhalten."
"Ich habe stets die Notwendigkeiten erkannt", sagte Heiligmann. Dabei hätte er am liebsten laut um Hilfe geschrien. Aber ein Heiligmann schrie nicht um Hilfe. Ein Heiligmann...warum fiel ihm gerade jetzt seine Mutter ein, was sie sagen würde? Er blinzelte verwirrt.
"Das ist großartig", betonte die Frau mit der Zärtlichkeit einer Schlange.
"Was zählt, ist der Volkskörper", behauptete der Mann, "der einzelne Mensch ist da nur eine Zelle. Und wenn eine Zelle den Körper zu schädigen droht, muß sie ausgebrannt werden. Ohne Rücksicht. Das war immer unsere Maxime. Und jetzt haben wir das Problem mit der Schwangerschaft."
Johannes Karl öffnete den Mund, darüber begannen seine Augen zu flackern. Es war ein... Wahnsinn.
"Das könnt ihr nicht ernst meinen."
"Johannes, schau, es sind Prinzipien, die für jeden von uns gelten sollten. Wir können selbst dich da unmöglich ausnehmen."
Johannes Karl Heiligmann schrie jetzt: "Ihr seid ja wahnsinnig!"
"Wir sind nur konsequent, Johannes", der Mann stand auf, und dann auch die Frau.
"Bleibt mir vom Leib!"
Sie konnten doch nicht, nicht für... Aber natürlich, sie waren nur konsequent. Er hatte all die Jahre diese schmutzige Verbindung zu Anja gehabt. Sie war seine einzige Freude gewesen. Er hatte sie geliebt. Ein deutscher Mann liebt nur seine Mutter und die Mutter seiner Kinder. Er hatte alles richtig gemacht, nur Anja... Kein Mensch konnte verstehen, was er empfand. Konsequenz. Er hatte schließlich die Konsequenz bei Anja gezogen. Hatte er nicht genug gelitten dafür, für die Bewegung, für...
"Es geht schnell", versprach die Frau.
"Es geht nur um eure schmutzigen Geschäfte, nur darum. Ihr habt euch schon lange von der Bewegung entfernt. Nur eure schmutzigen Sachen."
"Wir haben alle Opfer gebracht, Johannes Karl."
Sie kamen rechts und links um seinen Schreibtisch herum.
Ihre Nähe war unangenehm.
"Entspanne dich, Johannes Karl", sagte der Mann.
Die Tür öffnete sich. Zwei junge Männer kamen herein, Heiligmann kannte sie alle. Er straffte sich. Er war schließlich Dr. Johannes Karl Heiligmann, der erste Vorsitzende...
"Schafft mir diese beiden Irren hier raus", blaffte Heiligmann sie an, "und zwar sofort. Das ordne ich an."
"Ich fürchte, du verkennst die Situation", sagte die Frau sehr freundlich, "und zwar vollkommen."
Die zwei jungen Männer kamen auf Heiligmann zu.
Langsam.
Ohne wirklichen Gesichtsausdruck.
Unaufhaltsam.
Kein Wort.
Heiligmann ließ sich in seinen Schreibtischstuhl sinken und wimmerte etwas.
"Was war das"? fragte der gutgekleidete Mann.
"Es klang fast wie Mutter", antwortete die Frau.
Der Mann winkte den Schlägern.
"Bringen wir es hinter uns..."