Christoph Güsken

Christoph Güsken

Donders Ring 12
48151 Münster
E-Mail: creoguesken@ts-net.de


 

 




Biografie

Geboren am 27. Februar 1958 in Mönchengladbach; 1976 Abitur, danach bis 1984 Studium der Theologie in Münster; nach verschiedenen Vertrauensjobs als Museumswärter, Altenpfleger und Hausmeister; 1987 Buchhändlerlehre in Köln und bis 1993 Buchhändler; 1992-1994 Autoren-Tätigkeit für diverse Kleinkunst-Bühnen; seit 1995 lebt Christoph Güsken als freier Autor in Münster. Der Autor ist seit 1996 Mitglied des Syndikats (Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur); er ist verheiratet und hat eine Tochter.

Der Autor über seine Arbeit: "Als Kriminalautor muss ich ohne den Heiligenschein schöngeistiger Literatur auskommen. Das macht die Arbeit banaler, dafür auch weniger anstrengend. Zudem kann ich es mir leisten, auf Motivationen wie sich etwas von der Seele oder gegen ein Unrecht anzuschreiben zu verzichten. Gerne würde ich sagen, dass ich nur auf Geld aus bin, aber wenn man durch Schreiben überhaupt etwas zum Besseren verändern kann, dann wohl am allerwenigsten die eigene finanzielle Situation.
Es reicht mir, wenn die Leute meine Bücher zu Ende lesen und sie nicht zwischendurch gelangweilt zur Seite legen. Im Zeitalter des allmächtigen Fernsehens ist das schon eine ganze Menge."

 

Bibliografie

Romane

1988
Minimom. Roman.
Bonn ISBN 3-926829-04-4

1996
Bis dann, Schnüffler. Kriminalroman.
Dortmund ISBN 3-89425-063-1

1997
Schaumschlägers Ende. Kriminalroman.
Dortmund ISBN 3-89425-074-7

1998
Mörder haben keine Flügel. Kriminalroman.
Dortmund ISBN 3-89425-211-1

1998
Spiel's nicht nochmal, Henk. Kriminalroman.
Dortmund ISBN 3-89425-215-4

1999
Angsthase, Pfeffernase. Kriminalroman.
Dortmund ISBN 3-89425-222-7

1999
Pommes rot-weiß. Kriminalroman.
Dortmund ISBN 3-89425-228-6

2000
Alptraum in Blau.
Dortmund ISBN 3-89425-235-9

2000
Niemals stirbt man so ganz.
Dortmund ISBN 3-89425-239-1

2001
Der Untergengdes Hauses K., Kriminalroman.
Dortmund ISBN 3-89425-247-2

2001
Screamhilds Rache, Kriminalroman.
Grafit, Dortmund ISBN 3-89425-259-6

2002
Jungbluth und der Fastnachtsmord, Krimi.
Graftit, Dortmund ISBN 3-89425-266-9

2002
Mörder haben keine Flügel, Krimi.
Grafit, Dortmund ISBN 3-89425-211-1

2004
Der Papst ist tot, Kriminalroman.
Grafit, Dortmund ISBN 3-89425-288-X

2005
Faust auf Faust, Kriminalroman.
Grafit, Dortmund ISBN 3-89425-298-7

2005
Untäter, Kriminalroman.
Grafit, Dortmund ISBN 978-3-89425-312-7

2007
Dr. Jekyll und Mr. Voss, Kriminalroman.
Grafit, Dortmund ISBN 978-3-89425-336-3

2008
Sensenmann lacht, Kriminalroman.
Grafit, Dortmund ISBN 978-3-89425-351-6

2010
Alles Wurst, Kriminalroman.
Grafit, Dortmund ISBN 978-3-89425-370-7

 

Stories

1990
Dr. Götter und die Vertrauten Welten

1991
Ein Unbeteiligter

1992
Ouzo am Abend

1992
Vom Himmel hoch

1994
Eine alte Bekannte

1994
Abrahams Schoß


Hörspiele

1990
Bewegte Zeiten (WDR)

1994
Einer lacht zuletzt (WDR, Krimi am Samstag)

1996
Du stirbst nur zweimal (WDR)

1997
Strawinskis rechte Hand (SDR)

1998
Geisterfahrer (WDR)

1999
Ganz schön mutig (WDR)

1999
Waytt Earp auf Mallorca (WDR)


Kassetten

1995
Einer lacht zuletzt.
München ISBN 3-442-70045-0

1997
Du stirbst nur zweimal.
München ISBN 3-442-70082-5


Sonstiges

1994
Johnny my Friend (Drehbuch-Übersetzung, Köln)

1994
Der deutsche Humor (Haus der Springmaus, Bonn)

1994
Oh, wie schön ist Fatima (Spottlicht Theater, Neu Isenburg)

1994
Poltergeist (Spottlicht Theater, Neu Isenburg)

1994
Das Alibi (Spottlicht Theater, Neu Isenburg)

1994
Lebenslänglich (Spottlicht Theater, Neu Isenburg)

1994
Die Kunst des Schmollens (Spottlicht Theater, Neu Isenburg)



Leseprobe

Karnap schlug die Augen auf. Eigentlich war es nur ein Auge, das linke ließ sich nicht öffnen, es war verklebt vom Blut, das aus einer Platzwunde an der Schläfe heruntergeflossen war. Da war die Frontscheibe, sie war zersprungen, und trotzdem sah sie aus wie eine undurchdringliche Wand. Karnap konnte den Himmel nicht sehen.Sein Schädel brummte. Von hinten drang schwaches Mondlicht ins Wageninnere. Ganz langsam gewann er die Orientierung zurück. Die nächtliche Fahrt nach Hamburg, der Streit über Kirsten. Heiko lag unter ihm, genauer gesagt, er hing in seinem Gurt, und Karnap baumelte über ihm, mit dem Kopf nach unten. Die Platzwunde war nicht an seiner Schläfe, sondern an der Unterlippe. Der Wagen lag auf dem Kopf.Scheiße... Es gelang ihm nicht, das Wort auszusprechen. Sie hatten verdammtes Glück gehabt. Kein Crash, sondern ein Flug durch die Luft mit einem glimpflichem Aufprall. Sie waren nicht im Meer gelandet, sondern weich im Sand.

"Heiko..." Karnap erlangte die Kontrolle über seinen Arm zurück. Er klickte den Gurt auf und stützte sich am Lenkrad ab. Vorsichtig berührte er seinen Freund an der Schulter. "Heh...!"

Gerling stöhnte kaum hörbar. Also lebte er. Aber er kam nicht zu sich.
"Moment", ermutigte sich Karnap, "das haben wir gleich. Halt durch!" Er stemmte sich gegen die Tür. Nur widerwillig ließ sie sich öffnen. "Und jetzt du", versprach er, während er nach draußen kletterte.

Der Sand war feucht und kalt. Im Mondlicht bot sich Karnap ein gespenstischer Anblick. Das Wrack, das seine vier Räder anklagend gen Himmel reckte. Sand und Pfützen, so weit das Auge reichte. Auf der anderen Seite, hoch über ihm und scheinbar meilenweit weg, die Brücke. Die Scheinwerfer eines Autos erleuchtete für einen Moment die Straße und huschte vorbei wie der ferne Schein einer Taschenlampe. Niemand würde Karnap hier unten bemerken.
Er ertappte sich dabei, wie er seinen Händen beim Zittern zusah. Konzentriere dich, verdammt noch mal! Karnap versuchte, Schritt für Schritt vorzugehen. Seinen Beifahrer befreien, das war das Erste und Wichtigste. "Scheiße!", sagte er sich, "aber wir sind glimpflich davon gekommen." Glimpflich. Er klammerte sich an dieses Wort, murmelte es wie ein Gebet vor sich hin, während er in das Auto zurückkletterte.

Aber das Gebet wurde nicht erhört. Sekunden später begriff Karnap, dass die Sache nicht glimpflich verlief. Nicht für Heiko. Der Aufprall hatte die Beifahrertür völlig verformt. Sie sah aus wie ein gefrässiges Maul, das sich fest um sein rechtes Bein geschlossen hatte. Keine Chance, ihn ohne Hilfe herauszubekommen.

"Also gut." Karnap atmete ein und wieder aus, es war eine verzweifelte Maßnahme, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen. "Kein Problem. Mach dir nichts draus. Immerhin sind wir nicht im Meer gelandet, wie schon gesagt..."

Das Meer! Zum ersten Mal warf er einen Blick auf die Uhr. Er war über eine Stunde bewußtlos gewesen. Viel zu lange. Sie waren nicht im Meer gelandet. Aber das Meer war auf dem Weg hierher. Nicht mehr lange, bis es hier war, um sich das Autowrack zu holen. Höchstens eine Stunde!

Karnap machte einen weiteren Versuch, die Panik daran zu hindern, von ihm Besitz zu ergreifen. Aber es war schon ein panischer Versuch. Er wusste, dass er keine Zeit mehr hatte. Keine Zeit mehr zu überlegen. Er musste handeln.

"Heiko!" Er brüllte den Bewußtlosen an, vergeblich. Gerling stöhnte nicht einmal. "Okay!" schrie Karnap seinen Freund an. "Ich bin gleich wieder da! Es geht nicht anders, verdammt, aber ich muß Hilfe holen! Alleine schaffe ich das nicht! Versprich mit nur, dass du durchhältst!"
Als er losrannte, fühlte einen Schmerz in der Hüfte, der ihn fast um den Verstand brachte. Auch dafür war keine Zeit. Karnap humpelte, so schnell er konnte.

"Ich will dabei sein! Ich will ihm sagen, dass er's hinter sich hat!" Karnap rappelte sich hoch, aber schon nach dem ersten Schritt schrie er auf und ließ sich zurück auf die Liege fallen. "Sie sollten damit noch nicht auftreten", riet ihm der Arzt. "Warten Sie, bis die Schwellung zurückgegangen ist." Sie befanden sich im Inneren des Notarztwagens. Der Boden schwankte leicht, als der Arzt zu Karnap trat. "Vertrauen Sie auf uns. Die Kollegen da draußen verstehen Ihren Job, glauben Sie mir."

Karnap preßte sein Gesicht an die Scheibe und starrte in die Nacht hinaus. Polizei und Leute vom Technischen Hilfswerk bevölkerten den Strand. Inzwischen hatten sie einen riesigen Scheinwerfer in Stellung gebracht, der ihren Einsatzort in helles Licht tauchte.
Der Strand war nur noch ein schmaler Streifen. Das Meer war längst zurück, um sich genüßlich und in aller Ruhe einzuverleiben, was ihm nicht entkommen konnte. Ein riesiges schwarzes Tier, das friedlich tat mit seinen sanften wogenden Bewegungen. Ein mächtiges, tödliches Tier, für das all die beflissenen Menschen im gelben Ölzeug mit ihren Taschenlampen lächerliche Gegner waren. Trotzdem war das schwarze Nass diesmal zu spät gekommen. Es mußte sich gefallen lassen, dass seine lächerlichen Gegner die schon sicher geglaubte Beute mithilfe einer Stahltrosse an Land zerrten.

"Was habe ich Ihnen gesagt", freute sich der Arzt, der neben Karnap stand. "Sah ganz danach aus, als hätte ihm das Wasser schon bis zum Hals gestanden. Sie kamen gerade noch rechtzeitig."

Mit seiner Verletzung hatte Karnap viel zu lange gebraucht, um über den Deich auf die Straße zu klettern. Fünf Autos waren an ihm vorbeigefahren und hatten nicht einmal die Geschwindigkeit reduziert. Seine heimliche Hoffnung, dass der Fahrer des Wagens, der ihn zu der fatalen Reaktion veranlasst hatte, noch in der Nähe war oder Hilfe geholt hatte, erwies sich als naiv. So dauerte es noch fast eine Stunde, bis er endlich mitgenommen und wenig später an der Tankstelle in der Nähe abgesetzt wurde. Die Leute dort hatten ihn zunächst angestarrt, als sei er ein Wesen von einem anderen Stern. Kostbare Minuten waren vergangen, bis sie ihn telefonieren ließen. Und dann hatte er eine Ewigkeit gewartet, bis die Hilfsmannschaft eingetroffen war.

Bis sie den weißen Sportwagen an Land geschafft hatten, verdüsterte sich der Mond wieder und es begann leicht zu regnen. Helfer machten sich daran, den verletzten Gerling endlich aus seiner Klemme zu befreien. Nach etwa zwanzig Minuten betrat einer der Männer in gelben Regenklamotten den Notarztwagen.

"Das war wirklich knapp", begrüßte ihn Karnap erleichtert.
"Es war knapp", bestätigte der Mann. Er hob seine Stimme kaum, so dass es sich niedergeschlagen anhörte. "Ein paar Minuten früher", fügte er hinzu, "und wir hätten es vielleicht geschafft."

Karnap starrte den Mann an. Er schien den Sinn der Worte nicht zu begreifen, weshalb er sie einzeln noch einmal durchging. Ohne Erfolg. "Was soll das heißen?", fragte er zweifelnd.
Sein Gegenüber, auch ein Arzt, antwortete nicht sofort.
"Was soll das heißen?", brüllte Karnap, "Sie hätten es vielleicht geschafft?"
"Herr Gerling ist nicht ertrunken", erklärte der Arzt behutsam. "Er konnte gar nicht ertrinken. Das Wasser stand gerade so hoch, dass sein Haar nass wurde. Er hing mit dem Kopf nach unten."
"Das weiß ich!, brüllte Karnap. "Also ist er nicht tot? Jetzt reden Sie schon!"

Der Arzt senkte seine Stimme. Er sah betroffen aus und hilflos. "Ihr Freund ist erstickt. Alle Symptome deuten auf Ertrinken hin. Aber es gab keinen realen Grund dafür, keine - äußere Einwirkung, verstehen Sie? Er muß sich eingebildet haben zu ertrinken." Er streifte die weite Kapuze ab und kratzte sich am Kopf. "Es war die Panik, die ihn getötet hat."

(aus: Der Mann, der Poe malte. Bisher unveröffentlichter Text)