Wilhelm J. Gerhards

Wilhelm J. Gerhards

Suitbertgasse 22
41179 Mönchengladbach
Tel.: 02161/ 58 40 17

 

 

Biografie

Geboren am 21. Januar 1943 in Rheindahlen/Mönchengladbach; nach Volksschule und Wirtschaftsfachschule von 1960-1963 Versicherungslehre; Industrieversicherungen, Düsseldorf 1963-1972, Karriere in diesem Beruf bis zum Bezirksdirektor; 1972-1990 Selbständigkeit für ein öffentlich-rechtliches Versicherungsunternehmen; 1988-1993 Studium zum Dipl. Kaufmann, Uni Zürich, teils Fernstudium; 1990 - heute Selbständigkeit als freier Versicherungsmakler; 1985-heute Tätigkeit als freier Journalist: Versicherungsfach und Wirtschaftspresse/Kulturressort.

Der Autor, der sich anfangs mit seiner Lyrik und Prosa in Anthologien und Zeitungen zu Wort meldete, legt mit dem Gedichtband "Atemstösse. Hauchweisen" erstmals ein zusammenhängendes Werk mit einer Auswahl aus seinem lyrischen Schaffen in der Zeit von 1961 bis 1989 vor. Der 68-er Generation angehörend, befasste er sich in intensiven Studien mit den Werken der französischen Philosophen Jean Paul Sartre und Albert Camus, die sein Schreiben beeinflusst haben, ohne dass er das zum Teil agnostische Weltbild teilt. Durch Teilnahme an Literaturseminaren und -kolloquien bei dem zeitgenössischen Schriftsteller Walter Kempowski ("Tadellöser und Wolff", "Uns geht's ja noch Gold", "Ein Kapitel für sich") in Nartum bei Bremen bekam er die Sichtweise für Themen, die später zu einem Roman reifen können.

Frau Prof. Dr. Juliane Eckhardt im Nachwort: "Wilhelm Gerhards Gedichte lesen sich immer neu. Spontanes Verstehen weicht nach emotionaler und intellektueller Vertiefung nicht selten dem Eindruck unergründbar anmutender Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität. Die skizzierten Beobachtungen können deshalb nur als Andeutungen gelten, als eine, jedoch keineswegs die einzige oder gar erschöpfende Möglichkeit der Aneignung. Gerade die in ästhetische Ordnungen gebannten Spannungen und Ungewißheiten, die Wiederholung und Variation immer derselben und zugleich immer anderer Aspekte menschlicher Existenz heute, sind es, die widerstandsfähig machen können gegenüber vorschneller Konformität und gedankenloser Inhumanität."

Der Autor: "Lyrik, das sind die Worte, die wir nicht leben können, was wunder, leben wir oft doch unsere Tage nicht."



Preise, Auszeichnungen, Stipendien

1970er / 1980er  Gewinn einiger Literaturwettbewerbe in Österreich und in der Schweiz  1991Literaturpreis für Lyrik (Bottroper Autorentage) Literaturpreis der Autorengalerie Weinstadt für den Lyrikband "Atemstösse. Hauchweisen", begründet mit dem Gedicht "Steine der Furchen" 

(Quelle u.a.: Literatur-Atlas NRW, 1992, S. 141)



Auftritte

2009
Teilnahme an der Veranstaltung "Nachtaktiv" in Mönchengladbach am 07.11.2009 mit einer Lesung von Gedichten unter Begleitung von Jazzinterpretationen in der Hauptpfarrkirche Rheydt



Bibliografie

1963
Erste Veröffentlichungen von Gedichten "Nirwana" in der NRZ, Düsseldorf

1963
bis heute: zahlreiche Veröffentlichungen von Erzählungen und Gedichten in Anthologien in Deutschland, Österreich und der Schweiz
1990
Atemstösse, Hauchweisen. Ausgewählte Gedichte.
Aachen ISBN 3-927854-48-4
2008 Was die Niers uns flüstert
Gudensberg; Preis: 11,- Euro 

Vorbereitung einer Auswahl von Erzählungen in einem Band unter dem Arbeitstitel: Im Innern ein Vulkan. Erzählungen der Jahre 1965-2000

Schauspiele

Atemstösse (unveröffentlichtes Schauspiel)
Hauchweisen oder: Wo liegen unsere Träume begraben (in Arbeit)

Gerhards hat zahlreiche Lesungen in Deutschland und Österreich gehalten, mit Rückblick und Diskussion der Literaturgeschichte. Weniger in Mönchengladbach, denn "der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Land", sagt der Autor, der aktiv nicht am "Literaturbetrieb" teilnehmen will. Er liest auch heute noch aus seiner Lyrik und seinen Erzählungen. Die Lesungen finden zum Teil unter dem Titel "Jazz und Lyrik" mit Musikbegleitung statt. Im "öffentlich-rechtlichen" und "gemeinnützigen" Bereich für den Veranstalter kostenfrei.



Leseprobe

Steine der Furchen

Hellichte Nacht,
Du bist stumm,
schützt die Mienen
der Trauernden
und leidest
niemanden
Herausforderung,
musterst gelassen,
deutest
die Lächelnden,
prägst die Gewinner,
gibst Hoffen
dem Tag - -
wir haben gewonnen,
jede Nacht.

Aber in Wahrheit
pflügen wir unseren
Himmel
und werfen
mit den Steinen
der Furchen.


Federspiel aus gestrandeten Worten

Dichter,
Du bist brotlos
in jeder Zeit,
Sucht nach Bildern
läßt Worte stranden,
aber meine
Sprachinseln
versinken nicht,
wie Flöße werden
sie treiben,
gebunden
die Planken
in Zuversicht,
Glauben,
Hoffen - -
sie straucheln
am Ende der Fahrt,
landen an,
als Treibholz
gesammelt,
wieder und wieder
werden wir aber
Flöße daraus bauen,
als Hymnen für
Laudatien
und Gräber.

Worte -
nicht Orden
noch Mitleid,
Worte -
Mythen sitzen
am Ende
auf ihren
Schwingen,
wie das
Federspiel
des Falken
in den Blüten des
Zauberbaumes.


Stimme ohne Märkte

Nicht Sonne
noch Nacht war,
nie Tag
noch Straße,
noch Wind.
Ich lag in
meinem Sommer
in Weizen und Spreu,
meine Astern
im Munde,
eine welke.
Was soll ich
also noch tun,
als mit Dir
Deine Ungewißheit
zu teilen.
Meine Stimme
warnt nicht,
noch wärmt sie,
hindurchgestürzt
durch die Märkte,
Stimmen wie Wahnsinn,
ungehört,
wie ohne Sinn.