Meta Cordy

Meta Cordy

1 West 64th Street
New-York N.Y. 10023

 



Biografie

Geboren 1914 in Mönchengladbach als Tochter des Tuchfabrikanten Aschaffenburg; 1931-1935 Studium der Musik und Ausbildung zur Sängerin in Berlin und Paris; 1935 Emigration als Angehörige einer jüdischen Familie nach Amerika, wo sie bald in New-York ihren Mann, den gebürtigen Königsberger Heinrich Korn kennenlernte, der ebenfalls Sänger war;1938-1942 Wohnsitz in Hollywood mit gemeinsamen Auftritten des Ehepaares in Chören, Filmen, Operetten und Shows; später Spezialisierung auf Duettprogramme; 1941 Geburt Ihres Sohnes Johnny; 1942 Wechsel nach New York, ausgelöst durch die Folgen, die sich für Deutsche in Amerika aus dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour ergaben; in New York u.a. Tätigkeit als Sekretärin am Institute of International Education und anschließend 21 Jahre lang als Beraterin ausländischer Studenten am American Language Institute der New-Yorker Universität; seit 1965 verwitwet; in diesem Jahr Aufgabe des Berufs als Sängerin.

Die Autorin wurde in ihrem Streben, Erlebnisse und Erfahrungen aus ihrem wechselvollen Leben, in dem sie Lillian Gish, Berthold Brecht, Edward G. Robinson, George Gershwin, Ezio Pinza und anderen begegnete, niederzuschreiben, von ihrer Familie, ihren Freunden und nicht zuletzt von ihren Studentinnen und Studenten ermuntert. Die logische Folge war, dass sie den ursprünglichen Titel ihres Buches "Nur für Johnny" änderte in "Nicht nur für Johnny".



Bibliografie

1995
Nicht nur für Johnny. Erinnerungen einer Deutsch-Amerikanerin:
Berlin ISBN 3-89009-954-8



Leseprobe

Sugarbush

Als wir 1942 von Kalifornien nach New York zurückkehrten, lernten wir die Sterba-Familie durch Katja kennen. Sie war im Sommer im Windsor Mountain Camp für Kinder in Manchester, Vermont, gewesen. Dort begegnete sie den beiden Wiener Psychoanalytikern Richard und Editha (genannt Ditha) und ihren Kindern Verena und Monika, damals fünf und sieben Jahre alt. Die kleinen Mädchen freundeten sich sehr mit "Ketchup", wie sie Katja nannten, an und waren begeistert von ihren Improvisationen während des abendlichen Unterhaltungsprogramms.

Dr. Sterba bemerkte sehr schnell, als er Katja Klavier spielen hörte, dass sie keine gewöhnliche Pianistin, sondern eine ungewöhnlich begabte Musikerin mit vollendeter Technik war. Da er selbst Geige spielte, wenn auch nicht beruflich, fing er im Camp an, mit Katja Sonaten zu spielen. Sterbas verbrachten den Sommer als Berater im Camp, um mit ihren Kindern zusammenzusein. Es wurde von der Bondi-Familie geleitet, die aus Deutschland kam. Gertrud Bondi war Ärztin und Psychoanalytikerin, und ihr Mann hatte schon eine Schule in Europa gehabt. Viele Kinder kamen aus Detroit, wo Frau Sterba die "Country Day School" für Kinder gegründet hatte. Sie wurde von einer Bondi-Tochter geleitet.
Ich lernte Frau Sterba in New York kennen und sie interessierte sich gleich sehr für Johnny, der vier Jahre alt war. Ich erwähnte, dass Henry im Sommer arbeiten müßte und Johnny und ich in New York wären. Daraufhin lud sie mich gleich ein, für eine Woche nach Vermont zu kommen. Wir könnten nicht im Windsor Mountain Camp wohnen, aber sie würde für uns ein Zimmer in einem Inn oder Motel finden. Tagsüber sollten wir bei Sterbas im Camp sein.

Als Johnny und ich in Manchester beim "Old English Inn", einem hübschen Gasthof, ankamen, sagte uns die Besitzerin, dass Johnny zu klein wäre und die älteren Gäste stören könnte. Deshalb hätte sie uns ein Zimmer auf einer benachbarten Farm gemietet. Zunächst klang das ganz nett, aber als wir hingingen, um es anzusehen, stellte sich heraus, daß es uns nicht gefiel und ohne Fahrgelegenheit viel zu weit vom Camp entfernt war. Wir ließen unsere Koffer im Inn und wanderten den Berg hinauf zum Camp. Frau Sterba war außer sich, dass man ihre Pläne geändert hatte, und entschied sofort, Johnny in Verenas Zimmer neben ihrem unterzubringen. Dadurch könnte ich im Gasthof bleiben, was besser wäre als auf der Farm.

Was mich überraschte, war, dass Johnny Verena gleich mochte, obwohl er sie nie vorher gesehen hatte. Sie machte es sich zur Aufgabe, ihm alles zu zeigen und ihn ihren Freunden als "kleiner Bruder" vorzustellen. Ich existierte nicht mehr. Nach drei Tagen sagte Herr Bondi zu mir: "Ich habe noch nie ein Kind gesehen, dass sich so schnell eingewöhnt hat wie dieser vierjährige Johnny."
Im nächsten Sommer kamen wir alle wieder zum Bondi-Camp. Dieses Mal wurde Johnny offiziell registriert, obwohl er immer noch der Jüngste war. Das Mindestalter, um angenommen zu werden, war fünf Jahre. Henry und ich wohnten im "Old English Inn", machten aber alles im Camp mit. Wir musizierten für Lehrer und Schüler, sangen unsere Duette, Solos und Arien mit Richard auf der Geige und Katja am Klavier. Inzwischen festigte sich unsere Freundschaft mit den Sterbas, und der nächste Sommer wurde schon diskutiert. Es war alles zu schön, um wahr zu sein.