Stadtbad Rheydt - Pahlkebad

- Station des Rundgangs "Versteckte Schönheiten"

Pahlkestraße 10
41236 Mönchengladbach
Gisbert Fongern - Untere Denkmalbehörde
Dr. Schmacher, untere Denkmalbehörde
NACHKRIEGSMODERNE / 50ER-JAHRE ARCHITEKTUR - Mauer am Pahlkebad Gisbert Fongern - Untere Denkmalbehörde

Beschreibung

Hallenbad - betrieben durch die NEW

Stadtrundgang: Versteckte Schönheiten

Ernst Roddewig (1912-1984) ist der in Düsseldorf ansässige Architekt des Rheydter Stadtbads an der Pahlkestraße. Sein Entwurf zeichnet sich durch eine klare, an Konstruktion, Geometrie und Material orientierte Formensprache aus. Sie lässt sich mit dem bekannten Leitmotiv form follows function umschreiben. 1963 lobt der Rheydter Stadtrat einen Architekturwettbewerb aus. Ernst Roddewig belegt unter 35 teilnehmenden Büros den zweiten Platz. Funktionale Aspekte führen zu seiner Beauftragung. 1965 wird der Bauantrag eingereicht, nach der Grundsteinlegung beginnen in Februar 1966 die Bauarbeiten, für die Baukosten von 9,4 Mio. DM veranschlagt sind. Die Inbetriebnahme erfolgt am 2. November 1969. Architektonisches Motiv ist die von zwei mächtigen Binderkonstruktionen dominierte Schwimmhalle mit dem seitlich stehenden Kamin. Zwei 58 m lange, freitragende Zweigelenk- Spannbetonbinder tragen die zweigeteilten, optisch schwebenden Flachdecken. Bis auf schmale Stützen vor den wandhohen Fensterebenen bleibt das Innere der Halle stützenfrei.

Das 25-m-Schwimmbecken besitzt ein 1-m-Sprungbrett bzw. einen Sprungturm mit Plattformen in 3 m, 5 m, 7,5 m und 10 m Höhe. Die Tribüne umfasst 320 Sitzplätze. Ein Lehrschwimmbecken ist seitlich angeordnet. In Fachkreisen und in der Öff entlichkeit fi ndet das Pahlkebad große Beachtung und überregionale Anerkennung. Dem Architekten gelingt eine gestalterisch wie funktional geschickte Kombination von zweckbestimmtem Nutzbau und architektonisch hohem Gestaltungsanspruch. Das Pahlkebad gilt bis heute zu Recht als Architekturikone im Stadtteil Rheydt.

2011 wird die Schwimmhalle nach grundlegender Sanierung durch das Architekturbüro Dr. Schrammen Architekten BDA wieder eröffnet. In der ehemaligen Hausmeisterwohnung und im Obergeschoss wird eine städtische Kindertageseinrichtung untergebracht.

 

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Information zum Baustil: MODERNE / FUNKTIONALISMUS

Der Begriff Moderne umfasst eine nur schwer abzugrenzende Stilepoche während des 20. Jh. In der Architektur zählt man dazu die international verwendete Formensprache, die sich bereits seit Beginn des 20. Jh. entwickelt und in eine breite Palette unterschiedlicher Gestaltungsformen mündet. Eine Keimzelle der klassischen Moderne ist das Bauhaus. Im Kontext dazu sind auch die Gestaltungsformen und Ideen von Neuem Bauen, Neuer Sachlichkeit und De Stijl in den Niederlanden zu sehen.

Als Funktionalismus wird eine Stilrichtung in der modernen Architektur angesehen, die ihre Erscheinungsformen aus der Funktion des Bauwerks abzuleiten versucht bzw. diese in besonderer Weise betont. Die Bezeichnung entstammt einem Satz des in die USA ausgewanderten, deutschstämmigen Architekten Dankmar Adler, den sein Kollege Louis H. Sullivan 1896 in einem Aufsatz zitiert: „Form follows function.“

Damit gemeint ist: „Die Form eines Gebäudes – oder eines Gegenstandes – leitet sich von seiner Funktion ab.“ Oder anders ausgedrückt: „Eine zeitgemäße Ästhetik ergibt aus der Funktion des jeweiligen Gegenstandes.“

Für die moderne Architektur wird dieser Satz zu einem prägnanten Leitmotiv!

In Deutschland hat der Funktionalismus die Wiederaufbauarchitektur bis in die 1970er Jahre stark geprägt, ehe die Postmoderne ihm in den 1980er Jahre neue Gestaltungsakzente entgegenzusetzen sucht. Dennoch sind bis heute die Kriterien eines nachhaltigen und wirtschaftlichen Bauens besonders im Gewerbebau, Industriebau und im öff entlichen Sektor aktuell und gültig geblieben.

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