Sophienstraße 25-43

Sophienstraße 25-43
41061 Mönchengladbach

Beschreibung

Station der Tour "Prachtvolle Zeiten"

Die ehemalige Baumwollspinnerei Martin May & Cie. liegt südöstlich des Hauptbahnhofs in der Sophienstraße 25-43. Gründer sind Martin May (1834-1885) und Peter Krall (1826-1893). Sie schließen 1865 einen Gesellschaftervertrag zur Errichtung einer als Geschossbau ausgeführten Baumwollspinnerei. 1871 produziert der Betrieb mit 52 Mitarbeitern auf 2772 Spindeln. 1876 sind schon 200 Arbeitskräfte, vorwiegend Frauen, beschäftigt. Nach Fertigstellung sollen es 350 bis 400 Personen sein. Für Medizinalrat Dr. Eduard Beyer gilt die Fabrik 1876 „… in ihrer baulichen Anlage und inneren Einrichtung hinsichtlich des Schutzes der Arbeiter für Leben und Gesundheit … und den humanitären Anforderungen …“ als vorbildlich.

Die Spinnerei produziert mit ostindischer Baumwolle Water-Garne in der damals üblichen groben Qualität (niedrige Garnnummern). 1876 besteht das Hauptgebäude aus zwei Geschossen. Ein drittes Geschoss folgt, das geplante vierte Geschoss nicht mehr. Die Belichtung der großen Säle sichern hohe Fenster mit drehbaren Oberlichtern. Zur Ventilation dienen 21 in die Wände eingelassene Wandkanäle sowie weitere 16 Luftschächte in hohlen, gusseisernen Säulen. Im Südosten des Komplexes liegen Maschinenund Kesselhaus. Der doppelwandige Schornstein besteht aus einem inneren Schacht als Kesselabzug und einem äußeren als Luftzufuhr. Nach Norden schließt sich das Batteurgebäude zur Reinigung der Baumwolle an. Das Flachdach soll als Wasserbehälter gedient haben, ein Löschweiher ist dem Betriebsgebäude vorgelagert. Über eine Brücke wird die Spinnerei mit dem zweigeschossigen Comptoir-Gebäude verbunden, an das sich nach Osten das – heute nicht mehr erhaltene Magazin – anschließt.

Als sozial vorbildlicher Betrieb besitzt die Spinnerei einen nicht mehr erhaltenen Garten mit Turngeräten und einem Springbrunnen, der der Arbeiterschaft außerhalb der Arbeitszeit zur Verfügung steht. Ein sogar während der Arbeitszeit benutzbares Badehaus mit zwei Bädern, ein Lesezimmer mit Leihbibliothek und eine Firmenunterstützungskasse zur finanziellen Hilfestellung bei Krankheitsfällen von Arbeitern vervollständigen die sozialen Einrichtungen. Luftangriffe beschädigen die Gebäude 1944, die Spinnerei wird bis 1965 komplett stillgelegt.

Heute ist die ehemalige Fabrik ein bedeutendes Zeugnis der Mönchengladbacher Textilindustrie.

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