Rathaus Rheydt

- Station des Rundgangs "Versteckte Schönheiten"

Markt 11
41236 Mönchengladbach
Gisbert-Fongen-Untere Denkmalbehörde

Beschreibung

Das Rathaus Rheydt beherbergt verschiedene Ämter

 

Rundgang: Versteckte Schönheiten

Das Rheydter Rathaus wird nach der Planung der Kölner Architekten Karl Schauppmeyer und des seit 1895 in Rheydt ansässigen Robert Neuhaus in den Jahren 1894-97 im Stil der deutschen Renaissance errichtet. Vorangegangen ist ein Architekturwettbewerb, in dem das Architektenduo zwar nur den dritten Platz belegt, wegen seiner Bereitschaft zur Überarbeitung der Pläne aber erfolgreich ist.
Unter Beteiligung des Rheydter Stadtbaumeisters Johannes Muskewitz überträgt man Neuhaus die Bauausführung.

Asymmetrien betonen das „Malerische“ des ursprünglich hufeisenförmig angelegten Gebäudes, dessen Fassaden die für ein wilhelminisches Rathaus obligatorische Dreiteilung in Repräsentationtrakt mit hohem Giebel über dem Ratssaal, Verwaltungstrakte und Turm erkennen lassen. Über einem Sockelgeschoss aus
Grauwacke-Quadern mit Gliederungen in Basaltlava baut sich das Gebäude in drei Hauptgeschossen auf. Fugendicht versetzte Quader aus Weiberner Tuff stein bilden die Hauptfassaden, die Architekturgliederungen in Buntsandstein sind im Übergangsstil von Spätgotik zu Renaissance ausgebildet. Drei umlaufende Gesimse übernehmen die horizontale Gliederung, die Eckbetonung wird durch ein Langkurzwerk aus Buntsandstein erzielt.
Vom Marktplatz führt eine zweiläufi ge Treppe zum Hauptportal, das von einem Altan
überdacht ist. In seinem Unterbau leitet eine abgesenkte Treppe zum Ratskeller. Die Mittelgewände der Dreifenstergruppe des Ratssaales werden von allegorischen Verkörperungen der „Stadtverwaltung“ und des „Bürgertums“ bekrönt, die Prof. Gustav Eberlein aus Berlin geschaffen hat. An der linken Ecke steht der „Ritter von Rheide“.
Den Mittelwimperg ziert das von zwei Löwen gehaltene Stadtwappen.
Ein 56 m hoher quadratischer Eckturm ist von fl ämischen „beff rois“ beeinfl usst. Über dem Uhrengeschoss liegt eine vorkragende Balustrade, die über ein Abschlussgeschoss zum Turmhelm überleitet.

Im August 1943 und im September 1944 vernichten Bombenangriffe – bis auf die Schaufassade zum Markt – wesentliche Teile des Gebäudes.
Sie werden später in modernisierter Form wiederaufgebaut. 1954 rekonstruiert man den oberen Teil des Schaugiebels und 1977 den Turmhelm.

Information zum Baustil: HISTORISMUS

Als Historismus bezeichnet man einen Stil in der abendländischen Kunst vorwiegend während des 19. Jh. bis zum Ersten Weltkrieg. Nach den 1860er Jahren fi ndet er eine weite Verbreitung, da er das Repräsentationsbedürfnis des seit der Gründerzeit wohlhabend gewordenen Bürgertums abdeckt. Charakteristisches Kennzeichen ist die Wiederaufnahme und Nachahmung früherer Stilrichtungen, deren Einzelformen er in freier Kombination selektiv verwendet. So werden z. B. Säulen, Architrave, Skulpturenköpfe, Akanthusblätter u. a. rein dekorativ eingesetzt, um eine historische Atmosphäre zu erzeugen. Im Historismus weist man verschiedenen Baustilen oft unterschiedliche Funktionen zu: Kirchen werden z. B. im Stil der Neoromanik und besonders der Neogotik errichtet, Banken und Bürgerhäuser im Stil der Neorenaissance, Theater im Stil des Neobarocks und Fabrikhallen im englischen Tudorstil als unverputzte Ziegelsteinbauten. Große Beachtung schenkt man dem Repräsentationsbedürfnis, während funktionale Belange oft zurückgestellt werden. In der Spätphase entwickelt sich parallel zum Historismus der – teilweise durch ihn beeinfl usste – Jugendstil. Als kritische Gegenbewegung entsteht zu Beginn des 20. Jh. die Reformarchitektur, die schließlich in die Klassische Moderne mündet.

Bis zu Beginn des letzten Viertels des 20. Jh. ist der Historismus in weiten Teilen der Bevölkerung nahezu verpönt. Man sieht in ihm lediglich eine bloße Nachahmung vergangener Stile. Erst seither entwickelt sich die Akzeptanz für die gestalterischen Schöpfungen dieser Epoche, die große Teile unserer Innenstädte (in Mönchengladbach das Gründerzeitviertel, in Rheydt die Brucknerallee) bis heute prägen.

 

 

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