Berufskolleg

Platz der Republik 1
41065 Mönchengladbach

Beschreibung

Station der Tour "Prachtvolle Zeiten"

Die ehemalige Aktienspinnerei liegt direkt südlich des Hauptbahnhofs am Platz der Republik und an der Lürriper Straße 43.

Louis Seiffert (ca. 1811-1875) lernt während der 1830er Jahre auf mehreren Reisen nach England die technischen und baulichen Entwicklungen der mit Dampf betriebenen Maschinentechnik kennen. 1847 reist er erneut nach England und besichtigt mit Quirin Croon (1788-1854) in Manchester-Salford die Baumwollspinnerei von Philips und Lee, die als Vorzeigeprojekt gilt. Sie wird Vorbild für die von elf Aktionären unter der Führung von Croon gegründete Actien-Gesellschaft für Spinnerei und Weberei. Ihr Bau, als viergeschossiges Ziegelsteingebäude ab 1854 begonnen, markiert den Ü bergang von der kleingewerblichen Spinnerei und häuslichen Handweberei zur industriellen Textilproduktion. Dabei kommt das aus England importierte, fortschrittliche Konstruktionsprinzip von gusseisernen Säulen und Doppel-T-Trägern mit gemauerten Kappen zur Ausführung. Vermutlich kauft man Säulen und Träger auch in Manchester ein.

Dem funktionalen Inneren steht das repräsentative Äußere des historistischen, an die Zierformen der Backsteingotik erinnernden Ziegelsteinbaus gegenüber. Es folgt den statusorientierten Vorstel- lungen der Aktionäre, die damit der Arbeiterschaft und der Stadt ihr gesellschaftliches Selbstbewusstsein, ihre wirtschaftliche Macht und ihr Kapital vor Augen führen. Und so erstaunt es nicht, wenn der Bericht einer Bremer Zeitung aus dem Jahr 1860 vom „... größten Industrieschloss Deutschlands ...“ spricht.

Quirin Croon erlebt die Inbetriebnahme der Fabrik im August 1855 mit 15.000 Spindeln und 250 mechanischen Webstühlen nicht mehr. 1856 sind schon ca. 1.000 Arbeitskräfte beschäftigt. 1860 stehen ca. 40.000 Spindeln und 450 Webstühle in Betrieb, zwei Dampfmaschinen mit 160 PS stellen die notwendige Antriebskraft bereit. 1861 sind es „ ... 9 Dampfkessel zu 542, 2 Dampfmaschinen zu 300 und eine Locomobile zu 4 Pferdekräften ...“ 1874 arbeiten 1.100 Beschäftigte mit 57.105 Spindeln und 642 Webstühlen. Dann geht die Aktiengesell- schaft 1915 in die Liquidation. 1927/28 wird der Nordtrakt – dem Zeitgeschmack folgendpurifizierend umgebaut und fortan als Berufsschule genutzt. Im Südflügel produziert bis in die 1970er Jahre die Kleiderfabrik Povel, ehe das Gebäude zwischen 1973 und 1978 zur Berufsschule umgebaut wird.

> zur Tour "Prachtvolle Zeiten"

Veranstaltungen an diesem Ort