Die Zukunft der Zeichnung - Konzept

Das Neue in der Sammlung Etzold - Folge 3
Kategorie: Ausstellungen Kultur
Datum Uhrzeit
Foto: Museum Abtei

DIE ZUKUNFT DER ZEICHNUNG: KONZEPT
Das Neue in der Sammlung Etzold - Folge 3 3. Februar – 1. September 2019; Ausstellungseröffnung: Sonntag, 3. Februar, 12 Uhr

Aller guten Dinge sind drei! Und so ist am Sonntag, 3. Februar, im Museum Abteiberg auch der letzte und dritte Teil der Ausstellungsreihe „Die Zukunft der Zeichnung – Das Neue in der Sammlung Etzold“ gestartet. Nach den Titeln Konstruktion und Algorithmus trägt dieser Teil nun die Überschrift „Konzept“. Denn das ist es, was im Mittelpunkt steht. Was die Kunst ausmacht, ist nicht mehr das fertige Kunstwerk, sondern die Idee, das Konzept. Wer das Kunstwerk letztlich ausführt, tritt dabei in den Hintergrund. „Für uns als Kuratoren, war das auch eine besondere Herausforderung, denn bei einigen Kunstwerken, werden wir selber zu den Ausführenden“, erklärt Felicia Rappe, stellvertretende Direktorin des Museums Abteiberg, die zusammen mit Uwe Riedel und Felicitas Fritsche-Reyrink die ausgestellten Kunstwerke ausgewählt hat. So fällt eine große aus Dreiecken geprägte Skulptur in der Mitte des ausgewählten Ausstellungsbereiches direkt ins Auge. Dabei handelt es sich um „Elementstruktur (Gruppe Diagonal“ aus dem Jahr 1970 des Künstlers Konrad Sieben. „Zu dieser Skulptur gehören Schaukästen, die zeigen, welche vielfältigen Möglichleiten es gibt, die Skulptur auch anders aufzustellen“, sagt Rappe und ergänzt, dass es durchaus sein könne, dass sie auch noch einmal anders in der Ausstellung zu sehen sein wird.

Insgesamt fasst die Ausstellung den Begriff „Konzept“ weit, geht aber zunächst von dem Jahrzehnt etwa zwischen 1965 und 1975 aus. Für diese Zeit ist der Begriff der „Conceptual Art“ prägend, wie ihn Sol LeWitt (1928-2007) in seinen theoretischen Schriften Ende der 1960er Jahre umriss. Mit der Skulptur Modular Piece (1966) ist ein Werk des US-amerikanischen Künstlers zu sehen. LeWitts künstlerische Denkweise und Formensprache erschließen sich vor dem Hintergrund der Minimal Art, in der modulare Elemente Neutralität versprachen, um als Bausteine für Variationen und Serien zu dienen. Conceptual Art / Konzeptkunst lässt sich in der durch ihn geprägten Auffassung so charakterisieren, dass die Idee mit der Ausführung eines Werks als gleichwertig zu betrachten ist. Wird die Zeichnung als künstlerisches Medium eingesetzt, dann erscheint sie nicht mehr als Ausdruck unmittelbarer Inspiration.

Sie nimmt etwa im Werk von Hanne Darboven (1941-2009) einen neuen Stellenwert ein, wie sich in Ohne Titel (I-Isp) aus dem Jahr 1966 nachvollziehen lässt, einer Zeichnung mit Bleistift und Kugelschreiber auf Millimeterpapier. Um die Mitte der 1960er Jahre basieren ihre Werke auf einer vorab von ihr festgelegten Systematik, die häufig von numerischen Relationen ausgeht und die sie dann zeichnerisch umsetzt.

Bei den Künstlerinnen und Künstlern der Land Art, die sich Ende der 1960er Jahre in den USA und in Europa entwickelte, stehen „Konzept“ und „Zeichnung“ in einem anderen Verhältnis zueinander. Den gigantischen Dimensionen der in der Natur ausgeführten Arbeiten von Michael Heizer (*1944) wohnt eine graphische Dimension inne, die sich in vorab gefertigten Zeichnungen auf dem Papier genauso zeigt wie in Fotografien der ausgeführten Werke aus der Vogelperspektive, die Gräben und Einschnitte auf dem Boden als Zeichnungen auf der Erdoberfläche erscheinen lassen. Mit Walter de Maria (1935-2013) ist ein weiterer Künstler der Land Art vertreten.

Durch eine völlig andere Erscheinungsweise zeichnen sich die Werke des Konzeptkünstlers Timm Ulrichs (*1940) aus, dessen Arbeit Das literarische Gesamtwerk 1968, Band I (1968) zu sehen ist: ein Plexiglaskasten, in dem zehn Meter eines abgespulten, durch den Künstler beschriebenen Schreibmaschinen-Farbbands aufbewahrt sind. In solchen Kunstwerken versteht die Ausstellung „Zeichnung“ gewissermaßen symbolisch: Zeichnung – traditionell an der Basis des kreativen, schöpferischen Akts – verlagert sich hin zu einer „Zeichnung im Geiste“, zur Idee als animierendes Prinzip.

Marcel Duchamp (1887-1986) ist mit dem Siebdruck Fliegende Herzen (1961) in der Ausstellung vertreten, vor dem Hintergrund, dass er ab Anfang der 1960er Jahre in den USA eine neue, große Popularität gewann und eine wichtige Inspiration für konzeptuell arbeitende Künstler wurde. Er hatte am Beginn des Jahrhunderts aus der Malerei des Kubismus heraus einen Ansatz entwickelt, in dem es weniger darauf ankam, das dargestellte Motiv mithilfe von malerisch-zeichnerischen Effekten zu vermitteln, als die Idee und das Prinzip des Dargestellten per se den Betrachtern kognitiv verständlich zu machen.

Die Schnittmenge der unterschiedlichen Positionen besteht darin, dass die individuelle handwerkliche Geste bei der Ausführung der Kunstwerke entweder eine geringere, oder im Verhältnis zur Konzeption gleichwertige Rolle spielt. Die Künstlerinnen und Künstler weisen die Idee eines „schöpferischen Funkens“ zurück, der nach traditioneller Auffassung im ausgeführten Werk ablesbar wäre. Die Vorstellung des Künstlers als Genie – ein Künstlerbild, das sich über Jahrhunderte tradiert hatte – tritt vor dem nun in den Fokus rückenden Prozess der Werkgenese zurück, in dem das Werk nach vorab definierten Handlungsanweisungen vom Künstler selbst, aber auch von Anderen ausgeführt werden kann. „Der Wille des Künstlers ist dem von ihm ausgelösten Prozess von der Idee zur Vollendung der Arbeit untergeordnet.“ (Sol LeWitt, „Sentences on Conceptual Art“, 1969)

In den 1960er Jahren entwickelte sich die Kunst rasant. Die Vielfalt der künstlerischen Medien wuchs an und viele künstlerische Bewegungen fanden gleichzeitig und mit fließenden Übergängen statt. Die auf wenige Werke konzentrierte Kabinettausstellung in der Gartenebene des Museums Abteiberg geht in diesem Sinne über in die Sammlung des Museums, die sich durch besondere Schwerpunkte in den 60er Jahren auszeichnet. So schließen sich einige neu eingerichtete Sammlungsbereiche an, die im Bezug zu den gezeigten Werken der Sammlung Etzold stehen. Neben Objekten und graphischen Arbeiten von Marcel Duchamp liegt ein Fokus auf der Minimal Art mit einem frisch restaurierten Werk von Donald Judd (Brass, 1969, Restaurierung 2018 mit Förderung durch das Restaurierungsprogramm Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen) und einem Raum mit Werken des Ende November 2018 verstorbenen Minimal Art-Künstlers Robert Morris, der 2009 im Museum Abteiberg mit einer umfassenden Ausstellung vertreten war.

Als Teil der Ausstellung wird auch eine zeitgenössische Position gezeigt, die ein Schlaglicht auf konzeptuelle künstlerische Ansätze in der Gegenwart wirft. Thomas Locher (*1956) führt anlässlich der Ausstellung seine Wandarbeit Imperative / Aufforderungen, Befehle und Kommandos (Konzept: Firminy, 1993) an einem neuen Ort auf: dem Museumscafé. Es handelt sich dabei um eine Wiederaufführung einer Arbeit, die er 1993 für den Wohnkomplex Unité d´Habitation von Le Corbusier in Firminy entwickelte und die im Jahr 2012 als Schenkung aus Privatbesitz in die Sammlung des Museums Abteiberg einging.



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