Push-Nachrichten von http://moenchengladbach.de mit iOS empfangen

iOS-Endgeräte können aufgrund von Software-Restriktionen keine Push-Nachrichten aus Web-Apps empfangen. Daher stellen wir unsere Nachrichten auch über den Dienst PPush zur Verfügung, für den Sie eine native App aus dem Apple-App-Store laden können. Folgen Sie dort dem Kanal "moenchengladbach.de".

InfoseiteNicht mehr anzeigen

Readspeaker

Vorlesen

Leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit bei schwerbehinderten Menschen

Der 1992 von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Tag der Menschen mit Behinderung soll weltweit jedes Jahr am 3. Dezember das Bewusstsein für deren Belange stärken. Die Bundesagentur für Arbeit begleitet diesen Tag zum inzwischen elften Mal mit einer Aktionswoche und unterstützt damit zugleich die Bundesregierung, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen.

Kurzinterview mit Jürgen Bochannek, Leiter des Teams für berufliche Rehabilitation und Teilhabe der Agentur für Arbeit Mönchengladbach

Menschen mit Behinderung werden von der Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss auf ihrem Berufsweg gefördert. Das gilt für junge Menschen, die ins Berufsleben einsteigen wollen, ebenso wie für lebenserfahrene Männer und Frauen. Wo setzt die Unterstützung der Agentur für Arbeit an?

Jürgen Bochannek: „Mit unserer Förderung gehen wir gezielt auf die individuellen Möglichkeiten unserer Kundinnen und Kunden ein. Durch spezielle Hilfen lassen sich bestehende Defizite ausgleichen. Menschen dabei zu unterstützen, treibt uns bei unserer täglichen Arbeit an. Bei unseren Angeboten unterscheiden wir dabei zwischen solchen für Jugendliche und junge Erwachsene und solchen für Menschen, die aufgrund einer Beeinträchtigung nicht mehr in ihrem bisherigen Beruf arbeiten können. In beiden Bereichen arbeiten deshalb bei uns Fachleute unterschiedlicher Richtungen zusammen. Unser 17-köpfiges Team für berufliche Rehabilitation und Teilhabe betreut beispielsweise Menschen mit seelischer, geistiger, körperlicher oder Lern-Behinderung. Die individuelle Feststellung, ob Hilfen der beruflichen Rehabilitation angezeigt sind, erfolgt wiederum über ärztliche und psychologische Gutachten.“ Wie viele Menschen mit Rehabilitationsbedarf und arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung betreut die Arbeitsagentur in Mönchengladbach und im Rhein-Kreis Neuss aktuell? Jürgen Bochannek: „Derzeit betreuen wir als Arbeitsagentur rund 2.000 Menschen mit Rehabilitationsbedarf als Reha-Träger und etwas mehr als 750 arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung. Für das Jahr 2021 geben wir für Qualifizierungsmaßnahmen, Zuschüsse für Arbeitgeber und erforderliche Umbauten knapp 19 Millionen Euro aus.“

Für Menschen, die aufgrund einer zum Beispiel körperlichen Beeinträchtigung nicht mehr in ihrem bisherigen Beruf arbeiten können, stehen Fördermöglichkeiten zur Reintegration in den allgemeinen Arbeitsmarkt aber auch Geld für Umbauten von Arbeitsplätzen zur Verfügung. Wie zum Beispiel konnte die Agentur für Arbeit Mönchengladbach in jüngster Zeit Menschen mit Handicap unterstützen?

Jürgen Bochannek: „Wir finanzieren beispielsweise bauliche Veränderungen, die bei einem Arbeitgeber nötig werden, damit er seinen Beitrag zur Inklusion leisten kann. Das kann vom Umbau zu einer behindertengerechten Toilette bis zu breiteren Türöffnungen reichen. Unterstützt wird von unserer Seite auch, wenn es für junge Menschen mit einer Schwerbehinderung nicht sofort im ersten Ausbildungsberuf klappt. Und Integration wird von uns gefördert, indem wir beispielsweise Fahrdienste organisieren, wenn damit für Menschen die berufliche Teilhabe ermöglicht wird.“

Die Arbeitsagentur unterstützt mit ihrer Berufsberatung und ihrer Reha-Beratung ebenfalls dabei, ins Ausbildungs- und Berufsleben zu starten. Wie wird Inklusion in diesem Bereich gestaltet?

Jürgen Bochannek: „Unsere Berater und Beraterinnen gehen an die Schulen und sprechen mit allen Jugendlichen in einem geschützten Rahmen über Wünsche, Ziele und Pläne wie auch über Noten, Lernfortschritte und Gesundheit. Bei manchen Schülerinnen und Schülern sind bereits Förderbedarfe festgestellt. Bei anderen stellt sich in der Zusammenarbeit vielleicht aber auch erst heraus, dass Reha-Hilfen der Agentur für Arbeit eingesetzt werden könnten, um beim Start ins Berufsleben zu unterstützen. Für Jugendliche, die sich zum Beispiel mit dem Lernen noch schwertun oder die für ihre berufliche Orientierung noch Zeit brauchen, gibt es die Möglichkeit, an einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) teilzunehmen. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Kosten solcher Maßnahmen, die als Reha-BvB noch einmal intensiver gestaltet werden kann, wenn bei einem Jugendlichen ein besonderer Förderbedarf – wie eine Lernbehinderung – festgestellt worden ist. Die Lerngruppen sind dann kleiner, die Förderung ist noch individueller und umfasst neben sozialpädagogischer Begleitung bei Bedarf auch psychologische Unterstützung.“

Zahlen zum Arbeitsmarkt

1.039 schwerbehinderte Menschen aus der Stadt Mönchengladbach haben im Oktober 2021 eine Arbeit gesucht. Sie machen 6,9 Prozent der Arbeitslosen aus. Ein Jahr zuvor waren es in Mönchengladbach 62 Personen weniger gewesen. 361 der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung aus Mönchengladbach suchen eine Tätigkeit als Fachkraft, weitere 68 streben eine höherwertige Beschäftigung als Spezialist oder Experte an. 557 suchen eine Tätigkeit auf Helferniveau. Die jüngsten Zahlen zur Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen belegen für Mönchengladbach zwischen 2015 und 2019 ein Anstieg von 3.224 auf 3.695 Männer und Frauen (+14,6 Prozent/+471 Personen).

1.107 schwerbehinderte Menschen aus dem Rhein-Kreis Neuss haben im Oktober 2021 eine Arbeit gesucht. Sie machen damit 7,6 Prozent der Arbeitslosen im Rhein-Kreis Neuss aus. Ein Jahr zuvor waren es 74 Personen weniger gewesen. 354 der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung aus dem Rhein-Kreis Neuss suchen eine Tätigkeit als Fachkraft, weitere 132 streben eine höherwertige Beschäftigung als Spezialist oder Experte an. 586 suchen eine Tätigkeit auf Helferniveau. Die jüngsten Zahlen zur Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen belegen für den Rhein-Kreis Neuss einen Anstieg von 4.560 auf 5.124 Männer und Frauen (12,4 Prozent/+564 Personen).

Agentur für Arbeit setzt sich für mehr Inklusion im Arbeitsleben ein

Fachkräfte der Arbeitsagenturen werben während der Aktionswoche vom 29. November bis 3. Dezember 2021 bundesweit unter anderem in Gesprächen mit Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern für mehr Inklusion im Arbeitsleben.

Die Agentur für Arbeit Mönchengladbach unterstützt die Integration von behinderten Menschen in den Arbeitsmarkt dauerhaft im Jahr mit einer Vielzahl von Dienstleistungen und Programmen, die von der finanziellen Förderung zur Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Menschen bis zur behinderungsgerechten Einrichtung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen reichen. Selbst geht die Arbeitsagentur mit gutem Beispiel voran, wenn eigene Arbeits- und Ausbildungsstellen zu besetzen sind. Die Quote bei der Besetzung der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Menschen liegt bei der Agentur für Arbeit Mönchengladbach im Jahresdurchschnitt bei rund elf Prozent; die Pflichtquote beträgt für Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitsplätzen laut Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) mindestens fünf Prozent.

Beratungsspezialisten für Menschen mit Behinderung

Insgesamt gehören 17 Spezialistinnen und Spezialisten dem Team für berufliche Rehabilitation und Teilhabe der Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss an, die sich dauerhaft im Jahr um die berufliche Beratung und Integration von Menschen mit Behinderungen kümmern.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einer Behinderung können über die kostenfreie Service-Hotline 0800 4555500 jederzeit einen Beratungstermin mit der Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss vereinbaren. Kontakt kann auch per E-Mail an moenchengladbach@arbeitsagentur.de aufgenommen werden.

Arbeitgeber können sich über die kostenfreie Hotline 0800 45555520 oder per E-Mail an moenchengladbach.arbeitgeber@arbeitsagentur.de an den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Mönchengladbach wenden.

Hintergrund: schwerbehinderte Menschen auf dem Arbeitsmarkt

Als schwerbehindert zählen Menschen mit einem anerkannten Grad der Behinderung von mindestens 50. Behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von unter 50 aber mindestens 30 sollen schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden, wenn sie ansonsten einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder behalten können (§ 2 Abs. 3 SGB IX). Die Gleichstellung wird auf Antrag des Behinderten durch die Bundesagentur für Arbeit festgestellt (§ 68 Abs. 2 SGB IX).

Arbeitgeber mit jahresdurchschnittlich monatlich mindestens 20 Arbeitsplätzen sind nach § 71 Abs. 1 Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) dazu verpflichtet, auf mindestens fünf Prozent dieser Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Zur Berechnung des Umfangs der Pflichtquote haben die Arbeitgeber jährlich bis zum 31. März die entsprechenden Daten bei der für ihren Sitz zuständigen Agentur für Arbeit anzuzeigen.

Für jeden Arbeitgeber wird geprüft, ob er der Verpflichtung zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen nachgekommen ist. Ist dies nicht der Fall, so hat er eine Ausgleichsabgabe zu entrichten. Aus allen Anzeigen wird die Quote der besetzten Pflichtarbeitsplätze für eine Region oder eine Branche errechnet (Ist-Quote). Teilweise können schwerbehinderte Menschen auch auf mehr als einem Pflichtarbeitsplatz angerechnet werden.

Die Bundesagentur für Arbeit kann nach dem § 76 Abs. 1 SGB IX die Anrechnung eines schwerbehinderten Menschen auf mehr als einen Pflichtarbeitsplatz, höchstens drei Pflichtarbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen zulassen, wenn dessen Teilhabe am Arbeitsleben auf besondere Schwierigkeiten stößt. Ein schwerbehinderter Mensch, der beruflich ausgebildet wird, wird nach § 76 Abs. 2 SGB IX auf zwei Pflichtarbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen angerechnet.

Solange Arbeitgeber die vorgeschriebene Zahl schwerbehinderter Menschen nicht beschäftigen, entrichten sie laut § 77 SGB IX für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz für schwerbehinderte Menschen eine Ausgleichsabgabe in Höhe von maximal 320 Euro. Die Ausgleichsabgabe darf nur für besondere Leistungen zur Förderung der Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben verwendet werden.