Wie können Migranten besser in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden? - Städtische Integrationsplanung und Wirtschaftsförderung diskutierten mit Experten und Unternehmern

Wie können Migranten besser in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden? Dies war die zentrale Frage einer Veranstaltung, zu der die Integrationsplanung der Stadt Mönchengladbach und die Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG) 60 Teilnehmer im Ratssaal des Rathauses Abtei begrüßen konnten. Geladen waren Akteure, die sich in Mönchengladbach um Menschen mit Migrationshintergrund kümmern. Ziel war es, diesen im Rahmen einer Talkrunde mit Vertretern der heimischen Wirtschaft unter der Moderation der WFMG die Erwartung von Personalentscheidern an Bewerber mit Migrationshintergrund zu vermitteln.

Während diese Frage zunächst von den Unternehmensvertretern mit den Worten beantwortet wurde „Nichts anderes als von anderen Bewerbern auch“, zeigten sich im Verlauf der Diskussion zwischen Podium und den rund 60 Gästen doch besondere Hürden. Diese könnten jedoch, so die einhellige Meinung aller Beteiligten, durch mehr Verständnis füreinander überwunden werden. So waren sich am Ende alle einig, dass Wissen über Einstellungsbedingungen und -verfahren von Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen die Vermittlung von Migranten in den heimischen Arbeitsmarkt deutlich erleichtern kann.

Viele Anregungen sowohl von den Unternehmensvertretern wie auch den teilweise sogar persönlich betroffenen Gästen will die Integrationsplanung in ihrer weiteren Arbeit aufgreifen. „Die Arbeit der Integrationsplanung orientiert sich an den Ergebnissen der 4. Integrationskonferenz, die im Sommer 2014 insgesamt fünf thematisch verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet hat. Hier haben über 200 Teilnehmer die Schwerpunkte für die kommunale Integrationsarbeit der nächsten Jahre gesetzt“, erklärte Integrationsbeauftragte Marion Blinten zu Beginn der Veranstaltung.

Besonders intensiv hinterfragten die Vertreter der Integrationskonferenz, wie besondere Umstände in den Lebensläufen von Fachkräften mit Migrationshintergrund in Bewerbungen aufgeführt werden sollen. Einstimmiger Tenor der Wirtschaftsvertreter war, dass man damit besser offensiv und mit Vertrauen in die Stärken der Menschen umgehen solle, anstatt darauf zu hoffen, dass etwaige Schwächen übersehen würden. „Letztlich muss der Mensch zum Unternehmen, in das Team und zu den Aufgaben passen“, fasste Christoph Poos, Inhaber der gleichnamigen Personalentwicklungsberatung und langjähriger Personalleiter in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, die Erwartungshaltung zusammen. Dabei könnten ein multikultureller Hintergrund und Mehrsprachigkeit bei weltweit tätigen Unternehmen ein großer Vorteil gegenüber anderen Bewerbern sein.

Für überraschte Gesichter sorgte indes Hannelie Bohnes, Hauptpersonalleiterin Personalentwicklung der real,- SB Warenhaus GmbH: „Natürlich ist die schriftliche Bewerbung die erste Visitenkarte, die ein Bewerber hinterlegt. Für uns spielen aber auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. So legen wir viel Wert auf den persönlichen Eindruck und wie der Bewerber auf andere Menschen zugeht. Die Bewerber im Handel müssen zuallererst den Geschäftsleiter vor Ort von sich überzeugen. Somit zählen bei uns, beispielsweise im Handel, insbesondere soziale Kompetenzen. Schließlich dreht sich bei uns alles um die Frage: Passt der Bewerber wirklich in den Verkauf, möchte er dort arbeiten und kann er kundenorientiert agieren“, fasst Bohnes ihre Erwartungen zusammen. Dies könne beispielsweise bei Bewerbern um einen Ausbildungsplatz leicht über ein Praktikum oder ein Probearbeiten erkannt werden. Ein entsprechendes Angebot vom Bewerber an den Unternehmer käme immer gut an. Andersrum würde danach im Auswahlverfahren um eine offene Stelle jedoch nur vereinzelt gefragt.

„Das ist eine Frage der Wertschätzung“, erklärt Thomas Fauhl, Personalleiter der Städtischen Kliniken das damit zusammenhängende Probleme. „Wenn eine voll ausgebildete Fachkraft, gar noch mit Studium, vor mir steht, soll ich ihr ein Praktikum anbieten? Wie lange soll es dauern und was soll ich ihr dafür zahlen?“ Außerdem gebe es im Krankenhaus viele Bereiche, in denen ein Praktikum aus juristischen wie auch aus fachlichen Gründen nicht immer möglich sei. Denn im Gesundheitswesen stünde Migranten oft die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse im Weg.

Ein Thema, um das sich bei der IHK Mittlerer Niederrhein Hans Martin Clauß als Verantwortlicher im EU-Projekt Europass kümmert. „Laut Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz darf das Verfahren zur Anerkennung von im europäischen Ausland gemachten Bildungs-, Studien- und Ausbildungsabschlüssen nicht länger als drei Monate dauern. Diese Zusage wird in der Regel auch eingehalten“, berichtete Clauß von der zentralen Prüfstelle der Industrie- und Handelskammern in Nürnberg. „Jeder Mensch hat seit 2012 das Recht, einen im Ausland erworbenen Abschluss in einem staatlich anerkennten Beruf auf Gleichwertigkeit mit einem entsprechenden Beruf in Deutschland überprüfen zu lassen.“ Doch viel zu wenige machten von diesem Angebot Gebrauch. Von den einst erwarteten weit über 10.000 Anfragen hätte man bei der IHK-FOSA (Foreign Skills Approval) bislang unter 1.000 erhalten. Als wesentliche Hürde erwiesen sich im Lauf der Diskussion die mit der Prüfung verbundenen Kosten in Höhe von bis zu 400 Euro. „Wir werden überprüfen, in wie weit das Jobcenter hier unterstützen kann“, versprach Bernd Meisterling-Riecks, Leiter Integration und Arbeitsmarkt des Jobcenters Mönchengladbach. Dabei wolle er nicht nur seine Leistungsempfänger im Blick haben, sondern auch präventiv recherchieren.

Wie leicht es indes ist, Wertschätzung zu zeigen, beschrieb exemplarisch für alle Podiumsteilnehmer Oliver Menk, Geschäftsführer von GV Logistik: Dem hohen Anteil von Mitarbeitern mit polnischen Wurzeln entsprechend wurde die Ansprache des Geschäftsführers auf der Weihnachtsfeier simultan ins Polnische übersetzt. „Das ist mehr als nur eine Geste“, erklärt Menk den für ein Unternehmen mit knapp über 100 Mitarbeitern eher ungewöhnlichen Aufwand. „Wir wollten damit zeigen, dass wir alle unsere Fachkräfte gleich wertschätzen.“ Denn wenn eventuelle Einstellungshürden erst einmal überwunden wären, gehe es letztlich darum, als Team im Arbeitsalltag zu bestehen. Verständnis füreinander sei dabei die wichtigste Voraussetzung. Ein Resümee, dem sich alle Besucher der Veranstaltung anschlossen.