Viele erfolgreiche Teilnehmer beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Im kühlen Ratskeller merkte man trotzdem eines: Die Schüler der Mönchengladbacher Schulen, die am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilgenommen haben, brennen für ihre Themen. Die Preisträger, der aus Mönchengladbach kommenden prämierten Arbeiten, hatten sich hier getroffen, um auch eine Gratulation von Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners entgegen zu nehmen: "Es ist toll, dass so viele sich für Geschichte und vor allem für die Geschichten aus dieser Stadt interessieren und ich bin gespannt auf die einzelnen Beiträge." Zuvor stellte aber Stadtarchivarin Ilona Gehards kurz noch das Thema des gesamten Wettbewerbs vor: "So geht's nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch - so lautete in diesem Jahr das Thema und ich bin wirklich begeistert, dass all diese Schülerinnen und Schüler sich davon nicht haben abschrecken lassen. Im Gegenteil, sie haben wirklich viel Zeit, Arbeit und Mühen hinein gesteckt und auch viele Stunden bei uns im Archiv verbracht."

Eine schriftliche Arbeit zur "Versorgungsnot im Ersten Weltkrieg Versorgungsnot im Zeitraum 1914 - 1918 am Beispiel Rheydt aus Sicht der Verwaltung und im Spiegel der Medien" stellte Martin Kuban vom Stiftisch Humanistischen Gymnasium (HUMA) vor. Er hat sie zusammen mit Moritz Bredt, bei der Klassenstufe 11, geschrieben.

Vor allem Emotionen wollten Franziska Hellwig, Mandana Bayat und Nora Wellens, ebenfalls vom HUMA und ebenfalls Klasse 11, in den Vordergrund ihrer Arbeit "Flüchtlinge und Vertriebene nach dem 2. Weltkrieg" stellen. Bei ihrem Hörspiel, das diese Erlebnisse aus der Sicht eines 16-jährigen Mädchens erzählt, haben sie genau das geschafft. Vorher standen aber zum einen das Sammeln von Fakten und ein Interview mit einem Mönchengladbacher Zeitzeugen an. Mit einer Mönchengladbacherin, die sich ohne große Aufmerksamkeit für die Bekämpfung der Krankheit Tuberkulose eingesetzt hat, haben sich Luca Fillipa Löbner und Moulka Maraoub, Klasse 11 des Hugo-Junkers-Gymnasiums beschäftigt. In ihrer Arbeit geht es um Louise Gueury.

Eine filmische Umsetzung wählten Can-Benjamin Weiss, Lukas Schapp, Okan Irgat und Philip Dohm, vom HUMA und ebenfalls Klasse 11, für ihre Arbeit "Die Textilkrise in Mönchengladbach Vom stillen Untergang des Rheinischen Manchesters zur textilen Renaissance?". Dafür interviewten sie unter anderem Rolf Königs, den Geschäftsführer der AUNDE Group. Der Film wird am 8. Juli, um 18 Uhr auch im Stadtarchiv zu sehen sein. Um eine Anmeldung unter stadtarchiv@moenchengladbach.de oder telefonisch unter 02161/2553511 wird gebeten.

Sie alle haben für ihre Arbeiten einen Landespreis erhalten. Trotzdem bleibt es noch spannend: Im November werden sie erfahren, ob es auch auf Bundesebene geklappt hat, sagt Tutor und Lehrer vom HUMA Michael Bergmann: "Fünf Erstpreisträger werden dann auch ins Schloss Bellevue eingeladen und 50 weitere Arbeiten prämiert. Vielleicht klappt es in diesem Jahr. Genügend Einsatz haben auf jeden Fall alle Schülerinnen und Schüler gezeigt und bisher stehen wir im bundesweiten Ranking auf Platz zwei. Außerdem möchte ich besonders dem Stadtarchiv-Team und vor allem Frau Gerhards danken, die weit mehr als Dienst nach Vorschrift gemacht hat, um alle bei ihren Arbeiten zu unterstützen." Dabei hob er auch die deutlich bessere neue Ausstattung des Stadtarchivs in den neuen Räumlichkeiten und die besseren Arbeitsbedingungen noch hervor.

Nicht zu vergessen bleibt aber auch ein Förderpreisträger aus Mönchengladbach: Simon Wilder aus der Klasse 8 des Gymnasiums Am Geroweiher hat sich in einer gut 50 Seiten starken Arbeit mit der Industrialisierung von Mönchengladbach auseinandergesetzt. "Eine wirklich starke Leistung", gratulierte Reiners und fügte schmunzelnd hinzu: "Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Schulzeit mal so viel geschrieben zu haben." Zum Schluss konnte sich Reiners auch darüber freuen, die verschiedenen Arbeiten persönlich überreicht zu bekommen.

Infos allgemein:

"So geht's nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch" - lautete das Thema der 26. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. Auch Mönchengladbacher Schüler beteiligten sich in diesem Jahr wieder an diesem renommierten Wettbewerb. Das Thema hatte bei den Schülern einen Nerv getroffen, das merkte man nicht nur an den vielen interessierten Anfragen im Stadtarchiv, auch bundesweit lag die Resonanz mit 1.992 eingereichten Beiträgen deutlich über der durchschnittlichen Teilnehmerzahl der vergangenen Jahre.

Aus allen eingereichten Beiträgen wurden nun die besten Arbeiten ausgewählt. Auf Landesebene vergibt die Körber-Stiftung insgesamt 250 Landessiege (je 250 Euro) und 250 Förderpreise (je 100 Euro). Aus diesen Landessiegern ausgewählt, wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im November die fünf Erstpreisträger auf Bundesebene in Schloss Bellevue in Berlin ehren. Der Wettbewerb ist also noch nicht zu Ende.

Umso erfreulicher ist es, dass wir in diesem Jahr in Mönchengladbach so vielen Preisträgern wie noch nie gratulieren dürfen.

Mönchengladbacher Preisträger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten sind die Beiträge:

Versorgungsnot im Ersten Weltkrieg Versorgungsnot im Zeitraum 1914 - 1918 am Beispiel Rheydt aus Sicht der Verwaltung und im Spiegel der Medien.

Ansprechpartner: Michael Bergemann (Tutor)

Teilnehmer: Martin Kuban, Moritz Bredt

Schule: Stiftisches Humanistisches Gymnasium 41061 Mönchengladbach

Klassenstufe: 11

 

Flüchtlinge und Vertriebene nach dem 2. Weltkrieg (Hörspiel)

Teilnehmer: Franziska Hellwig, Mandana Bayat, Nora Werens

Schule: Stiftisches Humanistisches Gymnasium 41061 Mönchengladbach

Klassenstufe: 11

Tutor: Norbert Blau

 

Die Textilkrise in Mönchengladbach Vom stillen Untergang des Rheinischen Manchesters zur textilen Renaissance? (Film)

Ansprechpartner: Michael Bergemann (Tutor)

Teilnehmer: Can-Benjamin Weiss, Lukas Schapp, Okan Irgat, Philip Dohm

Schule: Stiftisches Humanistisches Gymnasium 41061 Mönchengladbach

Klassenstufe: 11

 

Wohltäterin im Verborgenen: Louise Gueury und die Bekämpfung der Volkskrankheit Tuberkulose in Mönchengladbach

Ansprechpartner: Dimitrios Kritsimos (Tutor)

Teilnehmer: Luca Fillipa Löbner, Moulka Maraoub

Schule: Städt. Hugo-Junkers-Gymnasium 41236 Mönchengladbach

Klassenstufe: 11

 

Förderpreis:

Die Industrialisierung von Mönchengladbach

Ansprechpartner: Nicole Hannen (Tutorin) T

eilnehmer: Simon Wilder

Schule: Gymnasium Am Geroweiher 41061 Mönchengladbach

Klassenstufe: 8

Tutorin: Marina Litz

 

Wir gratulieren auch den übrigen Teilnehmern, die sehr viel Mühe und Zeit in ihre Beiträge investiert haben, bei der Preisvergabe aber leer ausgegangen sind. Auch sie haben durch kritische Auseinandersetzung mit Quellen, die Auseinandersetzung mit nicht von der Schule vorgegebenen Themen und die kontinuierliche langfristige Arbeit an einem Projekt wertvolle Erfahrungen gemacht.

Kurztexte der Beiträge der Landessieger:

"Versorgungsnot im Ersten Weltkrieg" von Moritz Bredt und Martin Kuban (Klasse 11, Stiftisches Humanistisches Gymnasium, Mönchengladbach)

In ihrem schriftlichen Beitrag beschäftigen sich Moritz Bredt und Martin Kuban mit der Versorgungssituation der Menschen in Rheydt während des Ersten Weltkriegs. Welche Maßnahmen wurden durch die öffentliche Verwaltung ergriffen, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern? Zur Beantwortung ihrer Fragestellung forschten die Elftklässler im Mönchengladbacher Stadtarchiv. Unter den Gesichtspunkten der allgemeinen Lebensmittelversorgung, finanzieller sowie materieller Unterstützung identifizieren und bewerten die beiden Schüler vollzogene Unterstützungsleistungen. Während sie in den Jahren 1914-1916 zunächst eine solide Versorgung der Bevölkerung nachweisen können, verschlechtert sich die Lage in den darauffolgenden beiden Kriegsjahren: Die Mittelmächte wurden im Zuge der Blockade der Nordsee durch die britische Seeüberlegenheit von der Versorgung aus Übersee weitestgehend abgeschnitten. Dieser Umstand spiegelte sich im gesamten deutschen Kaiserreich und damit auch in Rheydt in Form einer Versorgungskrise wider.

 

"Flüchtlinge und Vertriebene nach dem 2. Weltkrieg" von Mandana Bayat, Franziska Hellwig und Nora Werens (Klasse 11, Stiftisches Humanistisches Gymnasium, Mönchengladbach)

Die gegenwärtige 'Flüchtlingskrise' veranlasste Mandana Bayat, Franziska Hellwig und Nora Werens dazu, sich näher mit dem Thema Flucht und Vertreibung zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zu beschäftigen. Besonders interessiert die Elftklässlerinnen, wie Vertriebene in deutschen Städten behandelt wurden und welche Emotionen hierbei eine Rolle spielten. Hierfür sprachen sie mit einem Lokalhistoriker und recherchierten im Stadtarchiv Mönchengladbach. Ihre Ergebnisse bündelten sie in einem Hörspiel, in dem die Geschichte eines 16-jährigen Mädchens erzählt wird, das gemeinsam mit seiner Familie nach einer langen, strapaziösen Flucht 1945/46 aus dem heutigen Polen nach Mönchengladbach kommt. Das Mädchen berichtet von ihren Ängsten, erfahrener Ausgrenzung und Hoffnungen. Bezugnehmend auf das aktuelle Zeitgeschehen möchten die Schülerinnen zu mehr Nächstenliebe, Toleranz und Verständnis gegenüber Geflüchteten aufrufen.

 

"Die Textilkrise in Mönchengladbach" von 4 Schülern (Klasse 11, Stiftisches Humanistisches Gymnasium, Mönchengladbach)

Vier Schüler des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums in Mönchengladbach gehen in ihrem Dokumentarfilm der Krise der Textilindustrie in ihrer Heimatstadt nach, die sich hier ab Mitte der 1960er Jahre, hinein in die 1980er Jahre vollzogen hat. Unter Heranziehung von Berichten (ehemaliger) Angestellter und Führungspersonen in der Mönchengladbacher Bekleidungsindustrie sowie Material aus dem Stadtarchiv erläutern die Elftklässler den Wandel des Textilgewerbes in der Region, die einst als 'Textilhochburg' galt. In ihrem Film verdeutlichen sie, dass die Globalisierung und die damit verbundene Verdrängung durch Konkurrenzunternehmen ausschlaggebende Faktoren für die Textilkrise waren, aus der zahlreiche Werkschließungen und eine Erhöhung der Arbeitslosenquote resultierten. In einem Ausblick verweisen die Schüler auf eine 'Renaissance der Textilindustrie', die durch die Federn von Kreativität, Innovation und Technologie angetrieben werden soll.

 

"Wohltäterin im Verborgenen: Louise Gueury und die Bekämpfung der Volkskrankheit Tuber-kulose in Mönchengladbach" von Luca Fillipa Löbner und Moulka Maraoub (Klasse 11, Städt. Hugo-Junkers-Gymnasium, Mönchengladbach)

"Dass die couragierte Initiative einzelner Menschen einen Ausweg aus Krisen aufzeigen kann", zeigen Luca Fillipa Löbner und Moulka Maraoub am Beispiel von Louise Gueury. Wie viele ihrer Familienmitglieder verstarb die Mönchengladbacherin im Jahr 1900 an Tuberkulose und vermachte einen beträchtlichen Anteil ihres Vermögens an die Stadt zur Errichtung einer Lungenheilanstalt. Geleitet von ihrem Erkenntnisinteresse beschreiben die beiden Schülerinnen zunächst die Krankheit Tuberkulose im Kontext der damaligen Zeit. Darauffolgend stellen sie das Leben und Wirken Gueurys heraus, die durch ihren Nachlass den Aufbau der Lungenheilstätte 'Hardter Wald' ermöglichte. Hierbei stellen sie dar, wie die für das 20. Jahrhundert außergewöhnlichen Behandlungsmethoden eine Verbesserung der Verhältnisse ermöglichten und wie die Einrichtung regional zu einem Umdenken in der Wahrnehmung der Krankheit führte. Für ihren Beitrag analysierten die Autorinnen historische Quellen im Stadtarchiv Mönchengladbach.

 

Über den Geschichtswettbewerb:

Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der auf eine gemeinsame Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Stifters Kurt A. Körber zurückgeht. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Ausgeschrieben wird der mit bislang über 146.500 Teilnehmern und rund 33.500 Projekten größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland in einem zweijährigen Turnus und zu wechselnden Themen.

 

Das Thema: 

"So geht's nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch" ... lautete das Thema der 26. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. Nach Krisen, Umbrüchen und Aufbrüchen brauchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht lange zu suchen. Sie fanden sie in der eigenen Familie oder Region. Flucht- und Migrationserfahrungen haben in dieser Wettbewerbsrunde eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Darüber hinaus wurden Erlebnisse der Groß- und Urgroßeltern aus dem Zweiten Weltkrieg wie Hunger, Kinderlandverschickung oder Kriegsgefangenschaft stark aufgegriffen. Ebenfalls beliebt als Themen waren das geteilte Deutschland und die Auswirkungen von Mauerbau und -fall auf das Alltagsleben der Menschen. Aber auch die Revolutionen 1848 und 1918/19, der Niedergang des Bergbaus und Umweltkatastrophen haben Schülerinnen und Schüler zur Spurensuche motiviert.

Dies sind nur einige der Themen, zu denen bundesweit rund 5.600 Schülerinnen und Schüler zum aktuellen Wettbewerbsthema geforscht haben. Insgesamt 1.992 Beiträge von Teams oder Einzelpersonen sind in diesem Jahr eingegangen - damit ist es die beitragsstärkste Ausschreibung seit 1993.