Verwaltung berichtet über Masterplan Stadtbezirke

In der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am 06. März 2018 hat das Dezernat Planen, Bauen, Mobilität und Umwelt über Masterplan Stadtbezirke berichtet. Zuvor wurde bereits in den Sitzungen der Bezirksvertretungen Nord, West, Süd und Ost am 21. und 22. Februar 2018 sowie im Umwelt- und Feuerwehrausschuss am 28. Februar 2018 über die ersten Ergebnisse der Bestandsaufnahme und -analyse berichtet.

 

Ziel des Konzeptes mit städtebaulicher Schwerpunktsetzung ist es, in den peripheren Stadtteilen der Stadt Mönchengladbach Wachstum in Qualität in den unterschiedlichsten Lebensbereichen zu schaffen und diese somit langfristig zu stabilisieren. Die Honschaften sollen als eigenständige Wohn-, Arbeits-, Natur-, Sozial- und Kulturräume erhalten und ihre individuellen Stärken weiterentwickelt werden. Dabei sollen die Eigenarten der über mehrere Jahrhunderte gewachsenen Ortschaften gewahrt bleiben und diese den zukünftigen Erfordernissen angepasst werden. Dr.-Ing. Gregor Bonin, Technischer Beigeordneter der Stadt Mönchengladbach zum Masterplan Stadtbezirke: „Mit dem Masterplan Stadtbezirke legen wir zusammen mit den BürgerInnen einen Plan auf, auf den Sie einzahlen können. Sie werden eingeladen, an der Zukunft ihres eigenen Lebensraumes mitzuarbeiten.“

 

Die ersten Ergebnisse aus der Bestandsaufnahme- und –analyse zeigen, dass die peripheren Stadtteile Potenziale aufweisen, die es zu nutzen gilt, um die Ortschaften dauerhaft zu stabilisieren. Dabei wurden die sechs verschiedenen Themenfelder Bevölkerungsstruktur, Daseinsvorsorge, Städtebau, Wohnen, Mobilität & Verkehr sowie Freiraum & Umwelt näher betrachtet. Mittels der aus den Themenfeldern gewonnen ersten Erkenntnisse lassen sich für die peripheren Stadtteile spezifische Stärken und Schwächen identifizieren. Es fällt auf, dass sich die Stärken und Schwächen in den Bezirken in einigen Bereichen stellenweise decken.

 

Ein Blick auf die sozialräumlichen Strukturen in den peripheren Stadtteilen verdeutlicht, dass diese im Vergleich zu den beiden Innenstädten Gladbach und Rheydt größtenteils als positiv zu bewerten sind. So sind beispielsweise die vergleichsweise geringe Arbeitslosendichte oder der relativ hohe Anteil an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den peripheren Stadtteilen zu nennen.

 

Bezogen auf die Bevölkerungsentwicklung in den Bezirken fällt auf, dass es in den letzten Jahren sowohl periphere Stadtteile mit Wachstums- als auch mit Schrumpfungstendenzen gab. Beispiele für periphere Stadtteile mit Bevölkerungszuwachs sind Hardt-Mitte oder Odenkirchen-Mitte. Als Stadtteile mit abnehmender Bevölkerung sind z.B. Schelsen oder Wickrath-West zu nennen. Die Wachstums- und Schrumpfungstendenzen spiegeln sich auch auf der Bezirksebene wider. Während die Bezirke Nord und Süd im Zeitraum zwischen 2007 und 2017 eine Bevölkerungszunahme verzeichnen konnten (Nord: +3,96 %, Süd: +4,93 %), sank die Anzahl der EinwohnerInnen in den Stadtbezirken West (-1,86 %) und Ost (-1,43 %).

 

Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme und -analyse in Bezug auf die Daseinsvorsorge zeigen, dass in einigen peripheren Stadtteilen ein relativ geringes Nahversorgungsangebot vorhanden ist. Insbesondere die an den Siedlungsrändern lebenden BewohnerInnen sind häufig nicht ausreichend nahversorgt. Nahversorger existieren lediglich in Ortschaften mit einer relativ hohen Bevölkerungsdichte bzw. in Siedlungsbereichen mit vergleichsweise hohen Einwohnerzahlen (Vgl.: Nahversorgungs- und Zentrenkonzept, Dez. VI, Stand: 2017). Während sich beispielsweise in Rheindahlen-Mitte oder in Giesenkirchen-Mitte Lebensmittelhändler niedergelassen haben, fehlen in Stadtteilen, wie Wickrath-West oder Sasserath, Nahversorger gänzlich. Alternative Nahversorgungsmöglichkeiten sind in einigen peripheren Stadtteilen in Form von Hofverkäufen, Wochenmärkten oder in Form von einem Eier- und Kartoffelautomat vorhanden. Derartige Angebote verbessern die lokale Nahversorgungsinfrastruktur für die EinwohnerInnen.

 

Positiv hervorzuheben ist der Breitbandausbau in den peripheren Stadtteilen, da Versorgungslücken im Mönchengladbacher Stadtgebiet nach und nach behoben werden. Bis Ende 2019 werden mindestens 98,2 % der Adressen in Mönchengladbach Zugang zu 30 Mbit/s oder mehr haben. Für die restlichen 1,82 % ist ein FttB-Ausbau (Fibre To The Building) mit Hilfe von Fördermitteln vorgesehen. 4,5 Millionen Euro hat das Land NRW der Stadt Mönchengladbach dafür zur Verfügung gestellt. Das EU-weite Vergabeverfahren hierzu wurde Ende Januar 2018 gestartet.

 

Bildungs- und Jugendeinrichtungen sind in den peripheren Stadtteilen entsprechend der Bedarfe vorhanden. In den Stadtteilen mit einer höheren Bevölkerungsdichte sind eher Bildungs- und Jugendeinrichtungen vorhanden als in dünner besiedelten Stadtteilen. Als positiv ist der vorgesehene Kita-Ausbau zu betrachten, demgemäß auch in den peripheren Stadtteilen in den kommenden Jahren neue Kitas entstehen sollen.

 

Allen vier Bezirken gemeinsam sind die sowohl stellenweise dörflich als auch urban geprägten peripheren Stadtteile. Hier ist die gesamte Bandbreite des Städtebaus wahrnehmbar. Insbesondere das dörfliche Erscheinungsbild ist als positiv hervorzuheben, denn auch heute lassen sich noch verschiedene Dorfformen, wie bspw. Straßen- und Reihendörfer, aus dem Stadtbild heraus ablesen. Einen großen Stellenwert besitzen dabei die historischen und ortsbildprägenden Gebäude in Form von Wohnhäusern, Kapellen oder Hofstellen. Einige dieser Bauwerke stehen bereits unter Denkmalschutz.

 

Negativ hingegen fallen - insbesondere in den Zentren der peripheren Stadtteile - Leerstände und sanierungsbedürftige Fassaden auf. Stellenweise sind auch Baulücken und Brachflächen vorhanden. Diese Aspekte wirken sich teilweise negativ auf das Stadtbild und somit auf das Image der jeweiligen Stadtteile aus. Demgegenüber bieten gerade Baulücken und Brachflächen Potenziale für die Honschaften und deren Weiterentwicklung.

 

Sowohl aktuelle Wohnungsbauprojekte als auch kurz-, mittel- oder langfristige Wohnungsbaupotenziale sind in den Stadtteilen vorhanden (Vgl.: Berichtsvorlage 2207/IX, Planungs- und Bauausschuss der Stadt Mönchengladbach, März 2017).

 

Die Verkehrsanbindung für den motorisierten Individualverkehr ist in den peripheren Stadtteilen als größtenteils gut zu bezeichnen, da Bundesstraßen und -autobahnen zumeist schnell erreichbar sind. Stellenweise existieren in einigen Stadtteilen auch Bahnanbindungen, die als Standortvorteil angesehen werden können. Die Innenstädte Mönchengladbachs und umliegende Oberzentren, wie die Landeshauptstadt Düsseldorf, Köln oder Aachen, sind infolgedessen zügig zu erreichen.

 

Als Schwächen bzgl. der Verkehrssituation/Mobilität lassen sich vereinzelt Schäden an Geh- und Radwegen sowie kleinere Netzlücken bei Radverkehrsanlagen nennen. Zusätzlich ist als Restriktion der im Vergleich zur Innenstadt aufgrund der Stadtstruktur in den peripheren Stadtteilen hohe Anteil an motorisiertem Individualverkehr am Modal Split zu werten. Nahversorgungsangebote oder Ärzte sind bspw. fußläufig schwer erreichbar, weshalb tägliche Erledigungen überwiegend mit dem Auto durchgeführt werden.

 

Besonders positiv hervorzuheben sind die zahlreichen wohnortnahen und quartiersbezogenen Frei- und Grünflächen, die zur Naherholung dienen. Der Hardter Wald stellt das größte zusammenhängende Waldgebiet in Mönchengladbach dar. Sowohl Natur- und Landschaftsschutzgebiete als auch die Flora-Fauna-Habitat-Gebiete Knippertz- und Mühlenbachtal sind nicht nur von großer Bedeutung für den Schutz und Erhalt der Artenvielfalt im Stadtgebiet. Sie fungieren gleichzeitig auch als Kaltluftentstehungsorte und wirken sich dadurch positiv auf das Stadtklima aus.

 

Zahlreiche regional bedeutsame Kulturlandschaftsbereiche und -elemente, wie der Niersgrünzug oder das Joint Headquarter, zeichnen die peripheren Stadtteile aus. Auch der Hardter Wald, als Teil des grenznahen Naturparks Schwalm-Nette, ist mit seinen keltischen Grabhügelfeldern von großer kultureller Bedeutung.

 

Gewässer, wie der Knippertz-, Mühlen- und Gladbach bieten Optimierungspotenziale, da Sichtbeziehungen zu ihnen bislang oftmals fehlen und sie heute wenig erlebbar sind. Auch geht aus der Bestandsaufnahme und -analyse hervor, dass die Grünvernetzungen nicht überall optimal sind.

 

Auf Grundlage der bisher erarbeiteten Ergebnisse aus der Bestandsaufnahme und -analyse ergeben sich zum jetzigen Zeitpunkt folgende erste Themenschwerpunkte für den Masterplan Stadtbezirke: Darunter fallen neben dem Wohnen die Schwerpunkte Brachflächen, Baulücken, Gebäudeleerstand, Grünvernetzung sowie Nahversorgung.

 

Im weiteren Verlauf sollen aus den Analyseergebnissen Handlungsfelder mittels der Formulierung von Leitbildern und Zielen abgeleitet werden. Anhand der identifizierten Stärken und Schwächen der jeweiligen peripheren Stadtteile lassen sich konkrete Handlungsschwerpunkte herausarbeiten. Die dokumentierten Handlungsschwerpunkte dienen dabei als Grundlage für eine angestrebte Bürgerbeteiligung, die noch für dieses Jahr geplant ist. Die BürgerInnen sollen die Möglichkeit haben, als Experten vor Ort an der Stabilisierung der peripheren Stadtteile, in denen sie leben, mitzuwirken. Im Anschluss an die Bürgerbeteiligung werden Einzelmaßnahmen und somit Projekte definiert, die später umgesetzt werden sollen. Bereits geplante oder in Umsetzung befindliche Maßnahmen werden in den Masterplan Stadtbezirke integriert.