Verleihung des 5. Mönchengladbacher Integrationspreises

Am 16.01.2018 wurde zum fünften Mal der Mönchengladbacher Integrationspreis verliehen.
Für 11 Nominierte wurden in 6 Bewertungskriterien von Innovation bis Nachhaltigkeit des Projektes Punkte vergeben. Nach intensiver Auswertung der Vorschläge ließ sich die Jury in diesem Jahr von bemerkenswertem ehrenamtlichen Engagement überzeugen:

Das Café Welcome des SKM Rheydt e.V. ist eine Anlaufstelle und Treffpunkt für Geflüchtete, Zugewanderte und Einheimische und bietet damit einen Ort, an dem interkulturelle Begegnung stattfinden kann. Es existiert seit 2015 und wird von einem 20-köpfigen ehrenamtlichen Team unterstützt, das Hilfestellungen zu den vielfältigsten Alltags- und Sozialproblemen gibt. Auch weit über die zeitlichen und räumlichen Grenzen des Cafés hinaus engagieren sich die ehrenamtlich Mitarbeitenden für geflüchtete Menschen und werden durch diese Begegnung von Fremden zu Vertrauten und Freunden. Die Integrationsarbeit wird hierdurch nachhaltig gestärkt.

Ein wichtiger Beitrag für eine tolerante Gesellschaft, der durch die Verleihung des Integrationspreises honoriert wird.

Wir gratulieren herzlich!

 

Des Weiteren waren nominiert:

Mädchen- und Jungenarbeit der Katholischen Jugendarbeit, FB Jugend im Büro der Regionaldekane MG/HS des Bistums Aachen

Die Katholische Jugendarbeit trägt bereits seit vielen Jahren nachhaltig dazu bei, dass im Bewusstsein von Mädchen, Jungen, Eltern, Schulen, Pfarren und Ehrenamtlern die Integration ganz selbstverständlich zur Jugendarbeit dazu gehört. Immer sind alle Menschen eingeladen, unabhängig von Glauben, Herkunft oder Kultur. Die Angebote sind vielfältig, vom Mädchen- oder Jungenkamp über Projekte bis hin zu Ferien- und Wochenendfreizeiten. Ganz besonders das ehrenamtliche Engagement der jungen Menschen, die sich pädagogisch schulen lassen, um die Mädchen und Jungen zu begleiten und neben Schule und Beruf viel Zeit dafür investieren, sich persönlich einsetzen und eigene Interessen zurückstellen, ist bewundernswert und hat Anerkennung verdient.

International Meeting Point im Irfan Bildungs- und Kulturverein e. V.

Die Vision des Vereins ist es, in der Arbeit mit bzw. in der Betreuung von Menschen mit Flucht- und/oder Migrationshintergrund langfristig den Begriff Integration durch Inklusion zu ersetzen. Dieser Begriff zeigt viel besser die Vielfalt der Gesellschaft und soll eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft leichter ermöglichen. Inklusion betrachtet alle Menschen – egal welcher Nationalität, Hautfarbe, Glauben oder körperlicher Einschränkungen als gleichberechtigte Individuen, die unabhängig von persönlichen Merkmalen oder Voraussetzungen wie z. B. Religion oder Sprache Teil des Ganzen sind. Der Verein möchte dazu beitragen, dass Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, soziale Chancengleichheit, Frieden und Völkerverständigung gelebt wird und versteht sich als Brückenbauer und Mitgestalter der Zukunft. Derzeit sind ca. 140 Menschen ehrenamtlich für den International Meeting Point aktiv.

Gesundheits-Center JuSchuSu Jitsu Karate e.V.

Der Verein engagiert sich sehr im Bereich Integration durch Sport. Sehr intensiv und das bereits seit 2014, werden Flüchtlingsfamilien aus den verschiedenen Flüchtlingsunterkünften in der Stadt betreut. Viele der Mitglieder, Trainer und Übungsleiter sind aus unterschiedlichsten Herkunftsländern. Durch ein vielfältiges und -nicht ausschließlich nur- sportliches Angebot wie z. B. Therapiehunde nehmen Flüchtlingskindern Ängste und gemeinsame Aktivitäten z. B. von Kindern und Senioren werden das soziale Miteinander, Respekt, Toleranz und Geduld gefördert. Den Kindern und Jugendlichen wird im sportlichen Kontext beigebracht Probleme zu lösen, Verantwortung zu tragen, Herausforderungen anzunehmen, sich etwas zuzutrauen und Selbstvertrauen aufzubauen. Nicht der Wettkampfsport steht im Vordergrund, sondern der Spaß und die Freude am Miteinander, an Bewegung und Gesundheit. Wer sich bewegt, lernt auch besser und steigert sein Selbstwertgefühl. Über, auf, unter, zwischen…im Sport kann man wunderbar Präpositionen üben und die deutsche Sprache lernen, kann sich aber auch ohne große Worte begegnen. Das intensive Engagement des Vereins wurde im April 2017 in Berlin durch Bundeskanzlerin Angela Merkel gewürdigt und ausgezeichnet.

Interkultureller Familienverband MG e. V.

Seit der Gründung des Vereins im Mai 2007 als Nachfolgeverein für den Bund kinderreicher Familien, der bereits seit den achtziger Jahren aktiv war, arbeitet der Interkulturelle Familienverband eng mit dem städtischen Jugendclubhaus Westend zusammen und betreibt in den Räumen seit September 2010 das Kinderrestaurant Cantina Nest, in dem täglich bis zu 50 Kinder ein warmes Mittagessen erhalten. Das Essen wird von ehrenamtlich tätigen Menschen gekocht, meistens kochen hier 3 verschiedene Generationen, auch aus unterschiedlichen Kulturen für die Kinder. Herzstück des Vereins ist die Vorsitzende, Renate Bongartz-Thyssen, die sich seit über 30 Jahren ehrenamtlich für Familien engagiert und hierfür bereits mit der Ehrennadel der Stadt Mönchengladbach ausgezeichnet wurde. Der Verein ist für alle da und unterstützt Familien bei Behördengängen, erteilt Nachhilfeunterricht, betreut auch Ferienfreizeiten und ist aus dem Stadtteil als Stütze für Familien einfach nicht mehr wegzudenken.

Herr Ali Kalayci, Vorsitzender des Irfan Bildungs- und Kulturvereins e. V.

Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Ali Kalayci ehrenamtlich im Verein. Ohne ihn wäre der International Meeting Point, in dem sich über 140 Ehrenamtler für Menschen mit Fluchthintergrund, Migrationshintergrund und sozial benachteiligte Menschen einsetzen, so nicht machbar gewesen. Trotz großer Familie und beruflicher Verpflichtungen setzt er sich für diesen Ort der Integration, des Dialogs und des Friedens -neben seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Bildungs- und Kulturvereins Irfan e.V.- sehr stark ein und begleitet und unterstützt bei der Wohnungssuche, beim Beschaffen von Möbeln und bei Behördengängen. Herr Kalayci ist Brückenbauer und trägt mit seiner persönlichen Art, seinem Mitgefühl und seiner spontanen Bereitschaft, für das Wohl anderer zu handeln, zu einer nachhaltigen Integration bei. Ihm ist es außerordentlich wichtig, ein tolerantes Miteinander zu fördern und einen interreligiösen Dialog zu führen, der von Respekt, Offenheit und Interesse anderen Religionen und Kulturen gegenüber geprägt ist.

Heinz Menkhorst, Vorsitzender des Fördervereins Zukunft für Deutschlands Kinder e. V.

Im April 2008 gründete Heinz Menkhorst den Förderverein, mit dem Ziel, welches sich schon im Vereinsnamen findet: Kindern eine Chance für die Zukunft zu geben. Unermüdlich ist er unterwegs, um Spenden zu erbitten und damit Projekte und Aktionen für Kinder zu unterstützen. Wo auch immer Hilfe nötig ist, Heinz ist da! Zuverlässig und unkompliziert. Unterstützt wird z. B. das Kinderrestaurant Cantina Nest, das jährliche Kinderkarnevalsfest von Stadt und Integrationsrat, aber auch mal eine muslimische Gemeinde, deren Räumlichkeiten renoviert werden müssen. Dann steht Heinz da als selbständiger Malermeister auch mit Pinsel und Farbe und hilft mit. Zur Weihnachtszeit wird jedes Jahr eine Paketaktion gestartet für Kinder, deren Familien sich keine Geschenke leisten können. Familien können sich jederzeit an ihn wenden, um für ihre Kinder Unterstützung und auch praktische Hilfe zu erhalten.

Pfarrer Manfred Riethdorf, St. Marien Rheydt

Manfred Riethdorf ist Pfarrer, Zauberer und für viele ein guter Freund. Er erkennt Probleme, nennt auch unangenehme Dinge beim Namen und hilft, wo immer er kann. Vielen Mönchengladbachern ist er als Pfarrer ein Begriff und das Amt des Geistlichen füllt er mit vollem Herzen aus. Doch das ist nur eine Seite von Manfred Riethdorf. Als Zauberer ist er stets darum bemüht, den Menschen Freude zu bereiten. Dafür wurde er von der KG Immer lustig Holt zum „Mensch der guten Tat“ ernannt. Manni Riethdorf ist ein Seelsorger, der die Menschen liebt und den die Menschen lieben in einer Zeit, in der die Kirchen über leere Gotteshäuser klagen, Skandale um Missbrauch und einen maßlosen Bischof sie beschädigen und es Diskussionen um den rechten Weg zwischen modern und konservativ gibt. Ein Beispiel seiner Menschenliebe:
Als Weihnachten 2014 vier Kinder und ein Jugendlicher, allesamt muslimischen Glaubens die Krippenfeier in St. Marien Rheydt störten und Gemeindemitglieder als Scheißchristen bezeichneten, suchte Manfred Riethdorf danach das Gespräch mit deren Eltern, um zu verstehen und zu vermitteln, statt zu verurteilen.

Shamas ud-din Sadiq, Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat KdöR, Gemeinde VIE/MG

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde beteiligte sich erstmals am interkulturellen Straßenfest zum Auftakt der Interkulturellen Woche mit einem Imbissstand. und der Absicht, alle Einnahmen daraus einer gemeinnützigen, wohltätigen Organisation in Mönchengladbach zukommen zu lassen. Nach einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Integrationsrates einigte sich die Gemeinde darauf, die Einnahmen dem Interkulturellen Familienverband MG e. V. zur Unterstützung des von ihm geführten Kinderrestaurants Cantina Nest zukommen zu lassen. Die ehrenamtlichen, aus verschiedenen Kulturen stammenden Helfer der Gemeinde bereiteten Hand in Hand die unterschiedlichsten Speisen zum Verkauf vor. Im Beisein von Oberbürgermeister Reiners wurden die Einnahmen dann im Oktober dem Interkulturellen Familienverband übergeben. Aus dieser Absicht entsteht nun das Engagement der Gemeinde, regelmäßig für einen Tag das Kochen für die Kinder des Kinderrestaurants inklusiver aller entstehenden Kosten zu übernehmen. Die Gemeinde will damit in die Zukunft der Kinder Mönchengladbachs investieren und diese bei ihrer Entwicklung unterstützen.

Projekt EHAP – Bereit für Europa in Mönchengladbach der AWO-Familienservice gGmbH

Ziel des Projektes ist, die soziale Eingliederung von aus der EU zugewanderten Menschen zu verbessern. Der Hilfebedarf insbesondere bei Einwanderern aus Rumänien und Bulgarien ist besonders hoch, da diese oft mit falschen Versprechen zur Auswanderung nach Deutschland gelockt werden, um dann ihre mangels Aufklärung oft hilflose Lage auszunutzen. Das Projektteam ist sehr engagiert und geht oft über persönliche Grenzen hinaus, um den Menschen zu helfen. Durch hohe fachliche Kompetenz, Hilfsbereitschaft, Aufopferung und mit viel Motivation ist es den Mitarbeitern gelungen, innerhalb kurzer Zeit ein vertrauensvolles Verhältnis zur Zielgruppe aufzubauen und die Menschen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben durch Aufklärung und Unterstützung zu begleiten.

Himmelszelt, Städtische Kindertagesstätte, Hohlstr. 83 in Rheydt

Himmelszelt ist ein zertifizierter Bewegungskindergarten mit dem Pluspunkt Ernährung und Sprache, in dem Integration täglich gelebt wird. Die KiTa ist oft die erste Anlaufstation für Familien. Dem Team ist es daher sehr wichtig, dass sich die Familien mit ihren vielfältigen kulturellen Hintergründen auch untereinander kennenlernen und Kontakte aufbauen. Dazu werden Begegnungsmöglichkeiten geschaffen wie z. B. ein Kennenlernfest zu Beginn des Kindergartenjahres oder ein Fest der Nationen, bei dem auch die Familien ihre Kultur präsentieren können. Die Kinder sind im Alter zwischen 4 Monaten und 6 Jahren und das Fundament, um in dieser Gesellschaft zu bestehen, kann nicht früh genug geschaffen werden. Diese Grundbausteine erleichtern die Integration und sind einer hochmotivierten und über die Maßen engagierten Kindergartenleiterin und ihrem gesamten Team zu verdanken.