Verleihung des 4. Mönchengladbacher Integrationspreises

Am Abend des 18.01.2017 wurde zum vierten Mal der Mönchengladbacher Integrationspreis verliehen.
Für 11 Nominierte wurden in 7 Bewertungskriterien von Innovation bis Nachhaltigkeit des Projektes Punkte vergeben. Nach intensiver Auswertung der Vorschläge ließ sich die Jury in diesem Jahr von geballter Frauenpower überzeugen:

Das Projekt Frauen stärken Frauen der Polizei und des Polizeisportvereins Mönchengladbach e.V. ist ein Angebot für Frauen mit Migrationshintergrund. Es besteht seit 2012 und wird von engagierten Polizistinnen stetig weitergeführt, die sich zum Ziel gesetzt haben, Frauen aus aller Welt stark zu machen, um ihnen ein gewaltfreies Leben zu ermöglichen. Die Förderung von selbstbewusstem Auftreten und Verhalten, das Vermitteln von Techniken zur Abwehr körperlicher Angriffe, Hinweise zum frühzeitigen Erkennen von Gefahrensituationen, die Hilfestellung zur Lösung von Konflikten über Kommunikation sowie das Vermitteln von Beratungs- und Hilfsangeboten zur Integrationsförderung sind ein wertvoller Einsatz für unsere Stadt. Die Integrationsarbeit wird hierdurch nachhaltig gestärkt.

Ein bemerkenswertes Projekt, das durch die Verleihung des Integrationspreises honoriert wird.

Wir gratulieren herzlich!
Weitere Infos und Bilder von der feierlichen Preisverleihung folgen...

Des Weiteren waren nominiert:

IRFAN Bildungs- und Kulturverein e.V.

Der Verein bemüht sich um die Unterstützung und Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten und bietet mit seinem International Meeting Point die Basis für die Arbeit von aktuell mehr als 120 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus den verschiedensten Kulturen. Die vielfältigen Angebote richten sich an alle Menschen, die aufgrund ihrer Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland einen Integrationsbedarf haben. Darüber hinaus werden interkulturelle Begegnungen und Projekte durchgeführt, die dem Kennenlernen dienen. Es gibt ein vielfältiges Kursangebot, Kinderbetreuung und eine Hausaufgabenhilfe, ein Spendenlager sowie eine Kleiderkammer. Die Kurse, die Betreuung, die Organisation und Verwaltung werden ehrenamtlich geleistet.            Irfan e. V. möchte einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander leisten. Motivation ist die Überzeugung, dass nahezu jeder mit seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten einen Beitrag leisten kann und möglichst viele dies auch tun, um die Gemeinschaft lebensfähig und menschlich zu gestalten.

Van Ri Nguyen

Im Juni 1981 wurde Herr Nguyen gemeinsam mit seiner Familie von der Cap Anamur gerettet und lebt seitdem in Mönchengladbach. Von Beginn an engagierte er sich - und das bis heute- für seine vietnamesischen Landsleute in Deutschland und unterstützt diese mit einem Höchstmaß an Sensibilität, Hingabe und kreativer Fantasie für neue Ideen und Impulse, die er für seine Landsleute entwickelte und immer noch entwickelt. Immer ist er bereit, zu helfen und sammelte vielfach Spenden, so zum Beispiel für die Opfer der Flutkatastrophe im Juni 2013 in Deutschland, für die philippinischen Flutopfer im September 2013 und 2014 für die Kriegsopfer in Syrien und dem Irak. In vielen Gremien bringt er noch heute seine Erfahrung und seinen Rat zum Nutzen aller ein, so z. B. im Exekutivkomitee des Bundesverbandes der vietnamesischen Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland, im Cap Anamur Komitee, bei Grünhelm e.V. oder der vietnamesisch-katholischen Mission im Bistum Aachen.

Bereits 2005 wurde er als erster vietnamesischer Bootsflüchtling mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Efe Efehosa

Flüchtete 2013 aus Ghana nach Deutschland auf der Suche nach einer neuen, sicheren Heimat. Seit 3 Jahren wartet er auf eine Entscheidung -ohne die Gewissheit-, ob er in Deutschland bleiben darf oder nicht. Das hält ihn nicht davon ab, sich zu engagieren. Auf seine charmante Art erklärt er, worauf es bei der Integration ankommt. „Es geht im Kern nicht um die Hilfsbedürftigkeit der Menschen, sondern darum, Ihnen mit dem Herzen zu begegnen.“ Was er dazu braucht: Just a smile! Das Zeichen für Respekt und Freundlichkeit. Wenn man mit ihm spricht, wird einem unmittelbar klar, dass eine Begegnung auf Augenhöhe auch für einen selbst wichtig ist, weil man so viel von den Menschen lernen kann. Er zeigt deutlich, dass nicht sein Status darüber entscheidet, wer er ist und ob er Mitglied unserer Gesellschaft ist. Er hat sich früh entschieden, etwas zu tun, um teilzuhaben an unserer Gesellschaft. Zunächst als Sprachrohr und Vermittler für viele geflüchtete Menschen, dann als Förderer von interkulturellen Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Deutschen. Die Internetseite Asyl in Mönchengladbach gestaltete er inhaltlich und konzeptionell mit und machte sie bei vielen Flüchtlingen bekannt. Im Juni 2016 schloss er die Ausbildung zum Integrationsbegleiter ab und ist in dieser Funktion auch seitdem weiterhin ehrenamtlich tätig.

Isoliertechnik Hartmann

Die Firma integriert zwei unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge (Sidiki Keita aus Guinea und Youssef Lwali aus Marokko) und mit viel Engagement und der intensiven Einbringung von Arbeitszeit ins Erwerbsleben. Dazu gehörte auch die Unterstützung (u.a. finanziell) zum Erreichen von Schulabschlüssen bereits während einer Einstiegsqualifizierung, die im März 2016 startete. Seit September sind die beiden nun in Ausbildung bzw. Praktikum und dies ist neben der hohen eigenen Motivation vor allem der funktionierenden betrieblichen Gemeinschaft und der guten Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg in Kempen sowie den zuständigen Ämtern zu verdanken.

Café Welcome

Seit anderthalb Jahren engagieren sich rund 15 Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Niveaus, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft ehrenamtlich und weit über die Öffnungszeiten des Cafés hinaus für zugewanderte und geflüchtete Menschen. Welche Funktion das Café erfüllt, hat eine Helferin des Cafés im August 2016 zum Ausdruck gebracht:

„Die Begegnung mit Geflüchteten baut Vorurteile und Hass ab, wie es keine andere Maßnahme vermag. Das Café Welcome bildet eine wichtige, niedrigschwellige und unvergleichbar unkomplizierte Möglichkeit, Kontakt mit Geflüchteten zu suchen, als Helfer aktiv zu werden und sich zu informieren. Gleichzeitig bildet es eine Anlaufstelle für Leute und Institutionen, die Jobs, Wohnungen, Bildungsangebote etc. kommunizieren möchten. Es ist ein regelrechtes Nervenzentrum, fördert den Dialog zwischen den unterschiedlichen Gruppen, die vor Gewalt und Krieg nach Deutschland geflüchtet sind und jenen, die bereits hier sind und bildet eine Keimzelle für Frieden, Nächstenliebe, Kooperation und Entfaltung.“

Ökumenische Jugendarbeit Eicken e.V.

Die ÖJE bietet aufgrund ihrer zahlreichen und unterschiedlichen Angebote eine große Auswahl für Kinder und Jugendliche, sich im Stadtteil zu integrieren, Orte, Menschen und die deutsche Sprache besser kennenzulernen. Die engagierten Mitarbeiter gestalten tolle Projekte, pflegen Kooperationen und haben immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Kinder und Jugendlichen und deren Familien. Ihr ganzheitlicher Einsatz ist überaus wichtig im Stadtteil Eicken und nach 25 Jahren nicht mehr aus Mönchengladbach wegzudenken.

Gesundheits-Center JuDjuSu Jitsu Karate e.V.

Der Verein engagiert sich sehr im Bereich Integration durch Sport, viele der Mitglieder, Trainer und Übungsleiter sind aus unterschiedlichsten Herkunftsländern. Durch ein vielfältiges sportliches Angebot und gemeinsame sportliche Aktivitäten z. B. von Kindern und Senioren werden das soziale Miteinander, Respekt, Toleranz und Geduld gefördert. Den Kindern und Jugendlichen wird im sportlichen Kontext beigebracht Probleme zu lösen, Verantwortung zu tragen, Herausforderungen anzunehmen, sich etwas zuzutrauen und Selbstvertrauen aufzubauen. Sehr intensiv und das bereits seit 2 Jahren, werden Flüchtlingsfamilien aus den verschiedenen Flüchtlingsunterkünften betreut. Dazu gehört für den Verein auch, diese für die Trainingseinheiten aus den Unterkünften abzuholen, damit eine verbindliche Regelmäßigkeit entstehen kann, die diese Menschen oftmals aus ihrer eigenen Kultur so einfach nicht kennen. Hier ist Geduld, Zeit und beiderseitiges Verständnis erforderlich und es funktioniert!

Das Team des Familienzentrums „Zauberland“

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet das Team mit Familien, die eine Zuwanderungsgeschichte haben. Mittlerweile mit Familien aus mehr als 24 Ländern. Ständig wurden die Einrichtung und das Team weiterentwickelt, um den Herausforderungen durch verschiedene Sprachen, Kulturen, Religionen, Familienmodellen und der Inklusion von Menschen mit Behinderungen gerecht zu werden. Dies ist im Rahmen der Regelarbeitszeit nicht zu leisten. Nur dem außerordentlichen Engagement des Teams sowie einer guten Vernetzung, die auch gepflegt werden muss, ist es zu verdanken, dass ein Familienzentrum entstanden ist, in dem alle Familien kostenlose oder aber kostengünstige Angebote wahrnehmen können, die sie unterstützen und weiterbilden. Das Familienzentrum trägt einen großen Anteil daran, wesentliche Grundbausteine für die Zukunft von Kindern und deren Familien zu legen, verbessert die Kommunikation untereinander und fördert die Begegnung mit Menschen anderer Kulturen.

Kerstin Jansen

Koordiniert seit Jahren die Deutschkurse in der Viktoriastraße, veranstaltet Nachbarschaftsfeste und interkulturelle Begegnungen, fördert und unterstützt die Eigeninitiative der Flüchtlinge und vermittelt bei Unstimmigkeiten. Sie ist eine aktive, einfühlsame Ansprechpartnerin, Begleiterin und Vertrauensperson -nicht nur für die Flüchtlinge und ihre Familien- sondern auch für andere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Sie ist voller kreativer Ideen, immer erreich- und ansprechbar, mit Leib und Seele dabei und ohne sie wäre Mönchengladbach ein Stück weit „ärmer“.

Radio Mussidal Haalipular e.V.

Der Verein gründete sich im Jahr 2012 mit dem Ziel, Migranten aktiv am Leben und dem Arbeitsmarkt teilhaben zu lassen und arbeitet unermüdlich daran, die Verständigung zwischen den Völkern zu verwirklichen. Er bietet regelmäßig Beratung, Begleitung und Unterstützung sowie als Begegnungsstätte seine Vereinsräume an. Ein erster wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung war die Mitgliedschaft im Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine Dortmund, aus dem heraus die Gründung des Bundesverbandes NEMO e. V. (Netzwerke von Migrantenorganisationen) Ende 2015 initiiert wurde, mit dem RMH als Gründungsmitglied. Im April 2016 wurde von NEMO das Projekt samo.fa ins Leben gerufen, welches die Stärkung von Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit zum Ziel hat und in 30 Städten -darunter MG- durchgeführt wird. Gefördert wird das Projekt von der Integrationsbeauftragten des Bundes. RMH e. V. arbeitet seit 2015 mit dem SKM Rheydt e. V. im Rahmen des Projektes samo.fa zusammen und kooperiert auch mit Paritätischen NRW in MG. Im Juli 2016 veranstaltete RMH ein interkulturelles zweitägiges Musikfestival auf dem Geroplatz welches anschließend die Gründung des Verbandes für Kultur und Integration in MG e. V. ermöglichte. Hier arbeiten 6 weitere Vereine = Le Cri des Opprimes, Bolingo NRW, Living Hope, Solidarität Afrikas, der eritreische Verein MG und Vereinte Igbos gemeinsam daran, die globale Kultur in MG zu fördern und die Möglichkeiten zur Verständigung und zum Austausch voranzutreiben.

 

Angesichts dieser tollen und vielfältigen Bewerbungen war es keine leichte Aufgabe für die Jury einen Preisträger zu ermitteln. Das elfköpfige Gremium war in diesem Jahr wie folgt besetzt:

Gesetzte Mitglieder:

  • Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners
  • Integrationsbeauftragte Marion Blinten
  • Integrationsratsvorsitzender Yilmaz Karaca

Jährlich wechselnde Mitglieder:

  • Sarah Fermen, Leiterin des Projekts MINZE
  • Ehrenamtlerin Annette Frontzeck
  • Boxweltmeisterin Ina Menzer
  • Markus Offermann, SKM Rheydt e.V.
  • Dörte Schall, Beigeordnete für Recht, Soziales, Jugend, Gesundheit und Verbraucherschutz
  • Noyan Scheeren, Fachberaterin für Integration und Migration
  • Rukiye Sönmez-Öztürk, Leiterin der Arbeitsstelle für interkulturelle Bildung und Integration
  • Polizeipräsident Mathis Wiesselmann