Stadtteil- und Quartierskonzept: 44 Stadtteile unter der Lupe

Im kommenden Ratszug, der mit der Bezirksvertretung West am Dienstag, 4. September, beginnt, stellt die Stadtverwaltung den politischen Gremien das von der Stabsstelle Sozialplanung erarbeitete Integrierte Stadtteil- und Quartierskonzept vor. Das Konzept beinhaltet auf 153 Seiten unter anderem Kurzprofile der 44 Mönchengladbacher Stadtteile. 

Die beschreiben unter anderem räumliche und geographische Besonderheiten, Daten zur Bevölkerungszusammensetzung, zu Arbeits- und Transferleistungen sowie den aktuellen Stand der Quartiersarbeit im Stadtteil. Zu jedem Kurzprofil gehört eine Karte, die zeigt, welche Stadtteilangebote – von der Kita bis zum Altenheim, vom Sportplatz bis zum Gemeindezentrum – vorhanden sind.  

„Mönchengladbach hat viele Gesichter. Jeder der 44 Stadtteile ist anders und zeichnet sich durch Besonderheiten und unterschiedliche Gemeinwesen-Strukturen aus“, betonte Beigeordnete Dörte Schall bei der Vorstellung des Konzeptes, das langfristig dazu beitragen soll, die Lebensbedingungen der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern.  

Zwei Bausteine der wachsenden Stadt

Das Stadtteil- und Quartierskonzept ist ein Baustein der Stadtentwicklungsstrategie „mg+ Wachsende Stadt“. Ein weiterer ist der Masterplan Stadtbezirke, der im Planungsdezernat erstellt wird und städtebauliche Schwerpunkte unter anderem in den Handlungsfeldern Wohnen, Mobilität / Verkehr, Freiraum und Umwelt für die Stadtteile jenseits der beiden Innenstädte setzt. Die Bereiche sollen in Zukunft eng zusammenarbeiten und sich unter anderem mit dem Thema „Wohnen im Bestand“ beschäftigen.  

„Es ist zwar ein deutliches Einkommensgefälle zwischen den Innenstädten und den ländlicheren Bezirken erkennbar. Aber anders als in manch anderer Großstadt ist die Bevölkerung in der den Mönchengladbacher Stadtteilen immer noch gut gemischt: Finanziell unabhängige Familien und weniger gut betuchte leben oft im gleichen Viertel. Das hat für das Zusammenleben im Quartier Vorteile“, so Schall weiter. 

Große soziale Herausforderungen

Deutlich wird bei der Analyse aber auch: In Mönchengladbach sind immer noch überdurchschnittlich viele Bürgerinnen und Bürger von Arbeitslosigkeit betroffen. Jedes dritte Kind ist von Armut bedroht. In manchen Stadtteilen gibt es einen deutlichen Trend zur Singularisierung: Immer mehr Menschen leben allein und haben wenig soziale Kontakte. Die alternde Gesellschaft stellt die Stadt vor weitere Herausforderungen. Zusätzlich muss die Stadt die Integration zugewanderter Menschen umsetzen und vorantreiben. 

Quartiersarbeit hat hohen Stellenwert

Der Begriff des Quartiers hat in dem Konzept eine große Bedeutung zu, denn in einer Gesellschaft, die immer bunter wird und deren Problemlagen sich auf verschiedenste Weise darstellen, ist es besonders wichtig, Nachbarschaft, Zusammengehörigkeit und gegenseitige Verantwortung zu fördern sowie Berührungsängste abzubauen. Das bürgerschaftliche Engagement und das Ehrenamt sollen gefördert und die Bürger in ihrem Stadtteil aktiviert werden. 

Im Rahmen einer Bestandsaufnahme und Analyse wurden mit verschiedenen Methoden aktuelle Quartierprojekte in Mönchengladbach untersucht, die in diesem Konzept als gute und wirksame Beispiele Berücksichtigung finden. Nicht verschwiegen werden auch Schwierigkeiten und Herausforderungen in der Mönchengladbacher Quartiersarbeit.  

Eines dieser Ergebnisse ist, dass es keinen „Königsweg“ für Quartiersarbeit gibt, sondern dass jeder der 44 Stadtteile anders ist und andere Bedürfnisse hat. Manche Stadtteile organisieren sich sehr gut selbst, bei anderen bedarf es der Unterstützung. 

Dörte Schall: „Bei der Arbeit am Konzept wurde schnell klar, dass es in der Quartiersarbeit keine einheitliche Lösung für alle Stadtteile geben kann. Die aktiven Bürger in den Stadtteilen sind die Experten in ihrer Nachbarschaft und wollen sich keine Strukturen vorgeben lassen. Deshalb ist ein Dokument entstanden, das über die bestehenden Projekte und Initiativen berichtet und die vorhandenen Strukturen analysiert. Diese Bestandsaufnahme  und Analyse soll ein Auftakt sein, die Gemeinwesen- und Quartiersarbeit in den Mönchengladbacher Stadtteilen weiter zu fördern und auszubauen.“  

So werden Best-Practice-Beispiele zusammengetragen, aber auch bestehende Lücken und Herausforderungen definiert. “Integrierte Stadtteil- und Quartiersarbeit muss zu einer langfristigen Aufgabe der Stadt Mönchengladbach werden. Dieses Konzept ist ein erster Aufschlag“, so Schall weiter.

Broschüre Stadtteil- und Quartiersarbeit in MG