Stadt beteiligt sich am landesweiten Bewerbungsverfahren „SchulversuchTalentschulen“

Für die Schulformen Hauptschule, Realschule und Gesamtschule soll jeweils eine Mönchengladbacher Schule am Bewerbungsverfahren teilnehmen

Die Stadt Mönchengladbach beteiligt sich am landesweiten Bewerbungsverfahren Schulversuch Talentschulen. Gleich nach Bekanntwerden der konkreten Ausführungen und Vorgaben des Ministeriums für Schule und Bildung NRW zum Schulversuch Talentschulen hat sich der Fachbereich Schulen und Sport auf den Weg gemacht, um die Chancen für den Schulstandort Mönchengladbach und die einzelnen Schulen zu ermitteln.

Mönchengladbach weist gesamtstädtisch im Vergleich zum nordrhein-westfälischen Durschnitt im Hinblick auf eine Vielzahl an sozioökonomischen Kennzahlen eine deutlich höhere Belastung auf. Bezogen auf die Einkommens- und Kinderarmut, gemessen mithilfe der SGB II-Quote sowie dem Anteil an Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren in SGB II-Bedarfsgemeinschaften weisen in NRW nur Kommunen im Ruhrgebiet höhere Quoten der Einkommens- und Kinderarmut als Mönchengladbach auf. Auch der Anteil an Abgängern ohne jeglichen Schulabschluss ist in Mönchengladbach überdurchschnittlich.

Darüber hinaus können in Mönchengladbach einzelne Stadtteile identifiziert werden, die – auch im Vergleich zum Mönchengladbacher Durchschnitt – als sozial benachteiligte Sozialräume eingestuft werden können. Deshalb sieht die Stadt den Bedarf zur Verortung von Talentschulen in Mönchengladbach als gegeben. Anhand eines vom Ministerium vorgegebenen Kriterienkataloges ermittelt der Schulträger die Rangfolge der in Frage kommenden Schulen. Zunächst soll für die Schulformen Hauptschule, Realschule und Gesamtschule jeweils eine Mönchengladbacher Schule am Bewerbungsverfahren teilnehmen.

Die Schulen müssen im Rahmen des Antragsverfahrens ein besonderes pädagogisches Konzept mit Fördersäulen zur sprachlichen Förderung, mit dem Angebot zu mehr praktischem Arbeiten, zu erweiterten Lernmöglichkeiten im Rahmen eines MINT-Profils (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) oder eines Profils im Bereich der kulturellen Bildung, mit mehr individuellen Beratungselementen sowie Elementen der Berufsorientierung ausarbeiten. Außerdem muss die Bereitschaft bestehen, sich im Quartier stärker zum Beispiel mit den Grundschulen, Einrichtungen der Jugendhilfe, weiterführenden Bildungseinrichtungen, Migrantenselbstorganisationen, der Wirtschaft oder Stiftungen zu vernetzen.

Ob die ausgewählten Schulen bereit sind, diese Voraussetzungen zu erfüllen und die erforderliche Konzeption zeitnah zu erarbeiten, müssen diese zunächst im Kollegium abstimmen und anschließend in der Schulpflegschaft beschließen. Die Schulen wurden vom Fachbereich Schule und Sport angesprochen, mit Beginn des Schuljahres erfolgen die Abstimmungsverfahren. Der Bewerbungszeitraum läuft bis Anfang Dezember 2018. Anfang 2019 will das Land NRW zunächst bis zu 35 Schulen auswählen, die zum Schuljahr 2019/2020 als Talentschule starten. Der Schulversuch ist auf sechs Jahre ausgelegt.

Zum Hintergrund: Das Landeskabinett hat im Juli beschlossen, insgesamt 60 Schulen (45 allgemeinbildende und 15 berufsbildende Schulen) in besonderen Problemlagen bzw. mit einem hohen Anteil benachteiligter Schüler/innen im Rahmen eines Schulversuchs durch zusätzliche Ressourcen, insbesondere durch Stellenzuschlag auf die Grundstellenzahl, zu unterstützen. Durch das Programm sollen „messbare Verbesserungen“ wie die Steigerung der Schulabschlussquote erzielt und die Chancengerechtigkeit gefördert werden.

Die am Schulversuch teilnehmenden 45 allgemeinbildenden Schulen der Sek I sollen mit einem Zuschlag in Höhe von 20 Prozent auf den Grundstellenbedarf unterstützt werden. Für die Umsetzung des Konzepts stellt das Land für die allgemeinbildenden Schulen 315 zusätzliche Lehrerstellen bereit. Jede ausgewählte Schule soll außerdem ein um 2.500 Euro erhöhtes Fortbildungsbudget zur Verfügung gestellt bekommen.