Soap-Opera im Einkaufszentrum

Städtisches Museum Abteiberg: Ausstellungsprogramm 2018

Möbelstücke aus Mönchengladbachs Wohnzimmern, gefundene Objekte von der Straße, Teenager, das Einkaufszentrum Minto als Drehort für ein künstlerisches Projekt, eine Kunstsammlung, die erstmals in einem deutschen Museum zu sehen sein wird, und die Zukunft der Zeichnung: Weit gespannt ist das Ausstellungsprogramm 2018 im Museum Abteiberg.

Bis zum 18. Februar läuft die große historische Ausstellung „Von da an. Räume, , Werke, Vergegenwärtigungen des Antimuseums 1967 – 1978“ im Museum Abteiberg und im alten Städtischen Museum in der Bismarckstraße. Parallel ist im Grafischen Kabinett „Die Zukunft der Zeichnung: Konstruktion“ mit zahlreichen Werken aus der Sammlung Etzold zu sehen. Unter dem Titel „Das Antimuseum I-IV) finden Vorträge und Diskussionen zur Ära von Johannes Cladders statt, Themenführungen in beiden Häusern widmen sich einer neuen Annäherung des Publikums an die radikalen und visionären Gedanken der Kunst in dieser Zeit.

Henrike Naumann versammelt in ihrer Ausstellung mit dem Titel „2000“, die vom 11. März bis 10. Juni gezeigt wird, eine zeitgeschichtliche Archäologie der Hinterlassenschaften der Postmoderne in Deutschland. Was macht die Allgegenwärtigkeit postmodernen Designs in Kopie der Kopie im Alltag mit den Deutschen? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hatte der postmoderne Bauboom ab 1990 für das Leben der Menschen in der ehemaligen DDR? Das Jahr 2000 gilt gemeinhin als Endpunkt der Postmoderne. Der Ort dieser Ausstellung spricht Zeichen: Das Museum Abteiberg, eröffnet 1982, war einer der Gründungsbauten der Postmoderne. Henrike Naumann nimmt das Milleniumsjahr als Ausgangspunkt für eine Betrachtung der 1990er Jahre in Ost- und Westdeutschland und der Nachwirkungen postmodernen Designs auf die deutsche Gesellschaft. Basierend auf ihren Überlegungen verwandelt sich die Große Wechselausstellung des Museums Abteiberg in einen sonderbaren ‚Deutschen Pavillon‘, eine Grabungsstätte, in der die Trümmer der Postmoderne freigelegt sind. In ständigem Dialog mit Hans Holleins Architektur und seiner vorausgegangenen Ausstellung „Alles ist Architektur.

Vom 15. April bis 2. September ist die amerikanische Künstlerin Laurie Parsons mit der Ausstellung „A Body of Work“ zu Gast im Museum Abteiberg. Die Künstlerin wurde in den späten 1980er Jahren in der Kunstwelt bekannt und wandte sich nach einigen Ausstellungen von ihr ab, mit der engagierten Geste eines Kommitments für etwas anderes. Die Künstlerin wurde in den späten 1980er Jahren in der Kunstwelt bekannt und wandte sich nach einigen Ausstellungen von ihr ab, mit der engagierten Geste eines Kommitments für etwas Anderes: Sie wurde Sozialarbeiterin. Eine Galerienausstellung, die sie 1988/89 in New York und Köln zeigte, wird in einem Raum des Museums neu aufgebaut. Gefundene Objekte von der Straße, über die Parsons damals sagte, dass „ihre Präsenz so kraftvoll wie die eines Kunstwerks“ sei. Realisiert mit der Schürmann Stiftung.

Im zweiten Teil der Ausstellung „Die Zukunft der Zeichnung: Algorithmus“, die herausragende Werke der Sammlung Etzold zeigt, rückt vom 10. Juni bis 13. Januar 2019 das Konvolut der Computergrafik und deren Algorithmen ins Zentrum. Frühe computergrafische Bilder von Herbert W. Franke, Manfred Mohr, Frieder Nake und Georg Nees, digital inspirierte Bilder von K.O. Götz, François Morellet, Victor Vasarely und anderen mehr zeigen die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von zeichnerischer Geste und programmierter Maschine. Durch ein Rahmenprogramm mit Vorträgen von Fachleuten und Künstlern wird das Thema der Computergrafik in die Jetztzeit erweitert.

„Truth_Ruth“ lautet der Titel der neuen Soap-Opera der Künstlerin, Filmerin und Schauspielerin Britta Thie. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Teenagern, die sich nachmittags im Minto treffen. Basierend auf Interviews mit den Teenager-Gruppen wird die Storyline entlang der persönlichen Geschichten gemeinsam im Dialog zwischen der Künstlerin, Jugendlichen und Schauspielern entwickelt. Der Elektrofachhandel Saturn wird bei dieser Inszenierung sprichwörtlich zum Schauplatz, zunächst als Drehort der Serie und später als Ausstrahlungsort, wenn die Folgen dort im Geschäft auf den regulär ausgestellten Flatscreens zu sehen sind. Parallel werden im Ausstellungsraum des Museums Abteiberg in einer raumgreifenden Installation narrative Stränge zu den einzelnen Hauptfiguren vertieft, ausgebaut, fortgesetzt und reflektiert. Der Museumsraum bildet dabei ein "behind the scenes", das in der Verschränkung von Realität und Fiktion immer auch zugleich ein "before the scenes" ist. Eine dritte Ebene ist die Online-Streaming-Distribution der Soap Opera selbst. Nach jeder Erstausstrahlung einer Episode auf den Screens der Ausstrahlungsorte wird diese ein paar Tage später online gestellt. Durch diese drei Ebenen findet ein Verweben von Kunst- und Nicht-Kunstorten, On- und Offline Spaces und von Entertainment und Bildender Kunst statt. Aber auch von Erinnerung, Gegenwart und Zukunft, die ineinander verschränkt und miteinander verkoppelt werden. Die Ausstellung hat einen starken Ortsbezug, indem sie ganz konkret vor Ort lebende Menschen mit einbezieht, mit ihnen gemeinsam arbeitet und ihre Geschichten erzählt.

Vom 11. November bis 24. Februar 2019 wird im Museum Abteiberg die Kunstsammlung von Ramon Haze unter der Bezeichnung „Der Schrank“ erstmalig in einem deutschen Museum präsentiert. Was wird aus der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts? Welche Werke bleiben erhalten? Ramon Haze, ein Kunstdetektiv und Sammler, der in der kommenden Kulturepoche lebt, gibt Antworten. Er sammelt mit seinen Schergen, Holmer Feldmann und Andreas Grahl, Objekte aus dem 20. und 21. Jahrhundert, deren Funktionen er nicht mehr erkennen kann und sie deshalb dem Feld der sogenannten Kunst zuordnet.