Oberbürgermeister Reiners zeichnet großes ehrenamtliches Engagement aus

Drei Ehrennadeln und eine Verdienstmedaille gingen an Mönchengladbacher, die sich in vielen unterschiedlichen Bereichen in der Stadt ehrenamtlich einsetzen.

Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners hat am 7. März im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus Abtei vier Bürger, die sich über viele Jahre ehrenamtlich in unterschiedlichen Projekten und Institutionen engagiert haben, geehrt. Die Ehrennadel der Stadt Mönchengladbach haben Icek Ostrowicz, für Tätigkeiten in Zusammenhang mit der jüdischen Gemeinde, Ruth Seidel, Einsatz im Vogelschutz und unter anderem beim Naturschutzbund und Andreas Wenzel, der unter anderem die Gladbacher Tafel seit Jahrzehnten unterstützt, erhalten.

Außerdem bekam Peter Neuß die Verdienstmedaille unter anderem für sein jahrelanges Engagement im kulturellen Bereich.

Dabei dankte Reiners allen vier Geehrten, dass sie viel für das Gemeinwohl der Stadt  getan haben und immer noch tun: „Sie tun mehr als man eigentlich tun muss. Doch für die Demokratie ist ihre Unterstützung unverzichtbar. Denn sie zeigt besonders vorbildhaft, wie Menschen Zusammenleben mitgestalten können. Und sie zeigen in welcher Vielfalt Ehrenamt möglich ist. Sie packen dort an, wo sie Handlungsbedarf sehen.“

Musikalisch umrahmt wurden die Ehrungen von einem Trompetentrio der Musikschule Mönchengladbach mit Josefine Ahner, Max Gistelinck und ihrer Musiklehrerin Annette Bauernfeind-Gormanns, die für ihren erkrankten Schüler Paul Joeris, eingesprungen war. 

Die Verdienste der Geehrten im Einzelnen: 

Icek Ostrowicz kam nach dem Krieg nach Mönchengladbach, wo er eine Familie gründete und als erfolgreicher Textilunternehmer tätig war. Gleichzeitig ist er seitdem ein geachtetes Mitglied der jüdischen Gemeinde, die er immer wieder ideell wie auch materiell großzügig unterstützt. Zuletzt war er maßgeblich an der Neuanschaffung von Thorarollen für seine Gemeinde beteiligt. Darüber hinaus hat Icek Ostrowicz aber auch immer wieder seine Verbundenheit mit seiner neuen Heimatstadt vor allem dadurch zum Ausdruck gebracht, dass er sich wenn immer möglich, um einen Ausgleich und um Versöhnung zwischen den Religionen und um die Integration der jüdischen Gemeinde in das kommunale Leben der Stadt bemüht hat. So war er mehrfach ein erfolgreicher Vermittler zwischen der jüdischen Gemeinde und der Stadt. Diese Vermittlerrolle, die Herr Ostrowicz übernimmt, dient dem Wohle der Stadt und dem guten Miteinander mit der jüdischen Gemeinde.  

Ruth Seidel trat vor ca. 35 Jahren der Ortsgruppe Wickrath des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV) bei, dem Vorläufer des bundesweit tätigen Naturschutzbundes (NABU). In der Zeit von 1984 bis 1991 war sie ehrenamtlich als Kassiererin beim DBV tätig.

Von 1995 bis zur Schließung 2012 war Ruth Seidel Museumswärterin des vogelkundlichen Museums im Schlosspark Wickrath. 1999 wurde sie als Beisitzerin in den Vorstand des NABU Mönchengladbach gewählt. 2008 bis März 2017 übte sie das Amt der ersten Vorsitzenden des NABU Stadtverbandes Mönchengladbach aus. Der Stadtverband hat ca. 600 Mitglieder. Ruth Seidel ist neben dieser intensiven Arbeit als Vorsitzende auch seit 2009 Mitglied im Beirat der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Mönchengladbach. Ihr anerkanntes Fachwissen über Amphibien, Libellen, Wespen, Bienen und Hummeln gibt sie unentgeltlich in zahlreichen Vorträgen weiter. Ruth Seidel betreut im Landschaftsschutzgebiet Hardter Wald seit vielen Jahren 500 Nistkästen. Sie organisiert für den NABU jährlich zahlreiche Infostände und die Verteilung der Mönchengladbacher NABU Zeitung „Steinbrecher“.

Seit sechs Jahren wird die Rettung von Amphibien an der Luise-Gueury-Straße in Hardt von ihr geleitet. Mit ihrer Hilfe konnten bisher mehr als 1.000 Amphibien vor dem Verkehrstod gerettet werden. Ruth Seidel koordiniert den Helfereinsatz und ist oftmals selber vor Ort, um aktiv Amphibien zu retten.  

Andreas Wenzel ist seit über 20 Jahren in der Gladbacher Tafel e.V. tätig. Frau Bartsch - Vorsitzende der Tafel - bestätigte seine Mitgliedschaft seit 1998. Er arbeitet, wie 100 andere ehrenamtliche Helfer auch, aktiv im Verein. Er holte viele Jahre mit dem Transporter Lebensmittel ab und verschenkte sie anschließend bei der Ausgabe an Bedürftige.

Nachdem seine Gesundheit ihm das Tragen von Kisten nicht mehr erlaubte, bot er sich an, das Tafeltelefon zu übernehmen. Jeder Anruf von Kunden, Sponsoren oder an der Tafel Interessierte, kommt bei ihm an und er leitet die Wünsche und Anfragen entsprechend weiter oder kann sie sofort erledigen. Andreas Wenzel hat seine Aufgaben bei der Tafel immer sehr zuverlässig erledigt und ist mit viel Herzblut bei der Sache. Seine Hilfsbereitschaft wissen diejenigen Kunden zu schätzen, die sich mit Problemen und Fragen bei ihm melden.

Daneben hat er in der Stadtbibliothek eine Lesepatenschaft übernommen. Diese führte er von 2007 bis 2015 im kath. Kindergarten „Hand in Hand“ in der Gutenbergstr. aus. Er wählte die Bücher in der Stadtbibliothek aus und las einmal wöchentlich Bücher vor. Für die Großen gab es anspruchsvollere Bücher, für  die Kleinen Bücher mit wenig Text und vielen Bildern.

Für den Kindergarten war es ein großer Verlust, als Herr Wenzel nach acht Jahren aus persönlichen Gründen nicht mehr als „Lese-Opa“ zur Verfügung stehen konnte. 

Peter Neuß hat durch sein jahrelanges Engagement vor allem im kulturellen Bereich auszeichnungswürdige Verdienste erworben.

1994 wurde er Beisitzer im Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg 1930 e.V. (VHD), von 1998 bis 2013 war er dessen Vorsitzender. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das historisch Gewachsene zu schützen, bei der Gestaltung öffentlicher Flächen mitzuwirken, das Brauchtum und das Dorfleben zu pflegen. Innerhalb des Vereins hat Peter Neuß insbesondere auf die Fortführung der Erinnerungsarbeiten um das ehemalige Kriegsgefangenenlager Wickrathberg hingearbeitet. Er hat es durch akribische Forschung und Recherche geschafft, Kontakt mit den jeweiligen Familien der ehemaligen Insassen aufzunehmen und auch aufrecht zu erhalten. So gelang ihm durch umsichtige und gute Organisation, ein jährliches Treffen in Wickrathberg zu initiieren. Dieser durch  Peter Neuß herbeigeführte Austausch hat sicher dazu beigetragen, dass sich die Beteiligten ein Stück weit mit Wickrathberg und der Region versöhnen konnten. Sein Engagement ist generationenübergreifend wertvoll und führt auch bei denjenigen zur Auseinandersetzung mit den dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte, die diese Zeit nicht selbst erlebt haben. Auf diese Weise hat er die Entwicklung Wickrathbergs an entscheidender Stelle mitgeprägt. 

Die Betreuung und Pflege durch die „Gärtnertruppe“ des VHD, die Peter Neuß gründete und auch aktiv führt, gewährleistet den Erhalt des Denkmals für die Gefallenen der beiden Weltkriege wie auch die Instandhaltung des Bresser-Platzes und des kleinen Dorfplatzes „Et Schlenk-loeck“ in Wickrath. Letzterer wurde auf Initiative von ihm vom VHD erworben, so dass der Platz hergerichtet werden konnte und nun u.a. als Ort für jährlich wiederkehrende Veranstaltungen dient.

Dank seines kultur- und heimatgeschichtlichen Interesses und seiner kommunikativ-verbindlichen Art hat Peter Neuß auch maßgeblich Anteil an der Kooperation mit anderen Ortsvereinen in Wickrathberg, wodurch es gelang, ehrendamtliche Energien zu bündeln. Ob Kirmesveranstaltungen, die „Wickrathberger Schlemmereien“ 2005 und 2010 oder Volksradfahren – vieles konnte gemeinsam und erfolgreich gestaltet werden. Auch der von ihm im Jahr 2000 ins Leben gerufene St. Martinszug erfreut sich seither jedes Jahr mit mehreren hundert Besuchern einer großen Beliebtheit. 2012 organisierte er federführend ein Bürger-Treffen, bei dem eine Präsentation von bislang unveröffentlichten historischen Fotos von Wickrathberg und ein Dorfrundgang angeboten wurden. 

Im Wickrather Männergesangsverein war Peter Neuß 38 Jahre aktiver Sänger und Vorstandsbeisitzer, bevor er sich 2010 dem heimatnäheren Männergesangsverinen „Eintracht Wickbergrath“ angeschlossen hat. Acht Jahre lang gehörte er als Mitglied dem Pfarrgemeinderat der Ofarre St. Antonius Wickrath an.  2001 wurde er als verdienter Mitbürger zum Kreuzritter der „Wickrtaher Kreuzherren“ ernannt und 2012 wurde ihm das Wickrather „Schöffensiegel“ des Stadtbezirks West verliehen.