„Nobelpreisträger in Mönchengladbach“

Beatrice Fihn: Leidenschaftliches Plädoyer gegen in Vergessenheit geratene Nuklearwaffen

Klimawandel, Erderwärmung, Energiewende, Migration - dies sind die Themen, die derzeit Deutschland und die Welt bewegen. Fast in Vergessenheit geraten ist dabei, dass es auf der Welt immer mehr nukleare Sprengköpfe gibt. Seit Ende des Kalten Krieges und trotz Abrüstung gibt es seitdem drei Staaten zusätzlich, die über diese schrecklichen Massenvernichtungswaffen verfügen. Daran erinnerte jetzt Beatrice Fihn, Direktorin der (ICAN), im Rahmen der renommierten Reihe "Nobelpreisträger in Mönchengladbach". ICAN ist die Abkürzung für "International Campaign to Abolish Nuclear Weapons" (Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen). Die erst 2007 gegründete Nicht-Regierungsorganisation mit Sitz bei Genf bekam 2017 in Oslo den Friedensnobelpreis verliehen.

In einem mitreißenden Vortrag vor mehr als 400 Gästen erinnerte die 36-jährige Juristin Fihn an die unglaubliche Zerstörungskraft von Atombomben. Die Schwedin sieht in der Verfügbarkeit der Nuklearwaffen die potenzielle Gefahr, dass sie bewusst oder auch durch menschliche Fehler eingesetzt würden. Atombomben seien keine militärischen Waffen, weil sie sich in erster Linie gegen die Zivilbevölkerung - zum Beispiel in großen Städten - richten. Diese latente Gefahr sei seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr in der Öffentlichkeit präsent. ICAN hat deshalb einen Vertrag zum völkerrechtlichen Verbot von Atomwaffen bei den Vereinten Nationen initiiert. Sobald 50 Staaten den Vertrag ratifiziert haben, tritt er in Kraft.

Die Kampagne wird von 468 Organisationen in 101 Ländern unterstützt. "Wir brauchen keine Ostermaschierer, wir haben Social Media, wir reden mit Regierungen und Institutionen. Wir wollen mit Argumenten überzeugen", sagt die 36-Jährige in Mönchengladbach. Angeblich gibt es noch rund 27.000 Sprengköpfe aus Zeiten des Kalten Krieges. Nach Angaben von Fihn sind in Deutschland auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz circa 21 B61-Nuklearbomben der US-Streitkräfte gelagert. Fihn: "Diese Art von Bomben sind die gefährlichsten: Ihre Explosionsstärke einstellbar und damit sinkt die Schwelle, sie einzusetzen."

Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an ICAN, so Fihn, habe es eine hohe Aufmerksamkeit für ICAN und das Thema der Abschaffung von Atomwaffen gegeben. Es sei ein langer Weg, aber "Menschen, die Nuklearwaffen bauen, könnten sie auch wieder zerstören". Als Beispiel nannte sie die Ächtung und Vernichtung von Chemiewaffen. Fihn hatte bei einer zweiten Veranstaltung im Audimax der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach vor Studenten und Schülern für ihr Thema geworben.

Seit 2003 holt der Initiativkreis Mönchengladbach regelmäßig herausragende Persönlichkeiten, die für ihre Leistungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, in die Stadt. Neben Friedensnobelpreisträgern sind das auch Wissenschaftler aus aller Welt. Zu den bisherigen Gästen zählen unter anderem der Dalai Lama, Michail Gorbatschow, Kofi Annan und Lech Walesa.

Der Initiativkreis Mönchengladbach wurde 2003 gegründet und ist ein Zusammenschluss von derzeit 32 Unternehmern und Privatpersonen der Stadt. Ziel war und ist es, durch besondere Veranstaltungen den Bekanntheitsgrad der Stadt und Region zu steigern. Der Erfolg lässt sich sehen: Mehr als 6.000 Zuschauer im Jahr - und damit 100.000 insgesamt - zieht es zu den Top-Veranstaltungen. Inzwischen ist Mönchengladbach als Eventstadt weit über ihre Grenzen hinaus bekannt.

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