Museum Abteiberg Ausstellungsprogramm 2019

Noch bis Mitte Januar ist im Museum Abteiberg „Die Zukunft der Zeichnung: Algorithmus - Das Neue in der Sammlung Etzold - Folge 2“ zu sehen. Der rare Sammlungsbereich der Computergrafik ins Zentrum.
Anfang Februar geht es dann mit Folge 3 weiter: „Die Zukunft der Zeichnung: Konzept“. Welche Auffassung von „Zeichnung“ ist künstlerischen Arbeiten eigen, die weniger von einer individuellen handwerklichen Geste ausgehen als vielmehr von Konzepten in Form von Handlungsanweisungen und Systematiken, deren Ausführung nach vorbestimmten Strukturen abläuft?

Zu sehen sind Werke aus den 1960er und 70er Jahren u.a. von Christo, Marcel Broodthaers, Stanley Brouwn, Hanne Darboven, Marcel Duchamp, Michael Heizer, Sol LeWitt und Konrad Sieben sowie eine zeitgenössische Position: Thomas Locher ist mit einer ortsspezifischen Arbeit vertreten und realisiert im Museumscafé anlässlich dieser Ausstellung seine Wandarbeit Imperative / Aufforderungen, Befehle und Kommandos.

Ab dem 26. Mai wird die Museumsbesucher eine spezielle Serie erwarten: Cécile B. Evans „Amos‘ World“. „Amos’ World“ ist eine fiktive Fernsehserie, die von einem Architekten und den Gefühlen der Bewohner seiner Gebäude handelt. Sie spielt in Wohnkomplexen der Nachkriegsmoderne, idealistischen Großarchitekturen aus Beton. In einer filmischen Montage von realen und medialen Räumen entsteht ein Szenario, das zugleich gegenwärtige Wirklichkeit und dystopische Zukunft ist. Mittels filmischer Animation werden Protagonisten kreiert, die sich als Chimären aus realen und gerenderten Konturen zeigen, dabei zumeist einsam sind und oft weinen, der Architekt Amos gleichermaßen wie die Bewohner.

Cécile B. Evans (geb. 1983)realisierte eine dreiteilige Filmserie, die in speziell entworfenen Auditorien gezeigt wird. Wie Kulissen der gefilmten brutalistischen Architektur wirken die Räume für das Publikum. Dieses neue intermediäre Projekt der in London lebenden amerikanisch-belgischen Künstlerin ist eine Kooperation mit dem Wiener MUMOK, Tramway in Glasgow und mit weiteren Projektpartnern an den Orten der Dreharbeiten in London und Neapel. Das Museum Abteiberg zeigt zum Abschluss des mehrjährigen Projekts alle drei Episoden und das ‚Making of‘.

Im Sommer (29. Juni) gibt es Amnesia Scanner bei einem Konzert für die Ensemblia 2019 zu hören. Das Elektronik-Musik-Duo Amnesia Scanner ist zurzeit weltweit in wichtigen Konzerten und Festivals präsent, ihre aktuellen Produktionen werden vielfach als posthumane Musik bezeichnet. Die in Berlin lebenden finnischen Musiker Ville Haimala und Martti Kalliala treten sowohl im Musikkontext als auch im Kunstkontext auf und hatten frühe Auftritte u.a. 2015 im PS1 des New Yorker Museum of Modern Art. 2018 erschien das Album „Another Life“ mit dem dritten artifiziellen Bandmitglied Oracle.
Das Konzert von Amnesia Scanner setzt die Tradition elektronischer Konzerte im Museum Abteiberg fort. U.a. waren Thomas Brinkmann, Oren Ambarchi und Chris Cole (Ensemblia 2017), Damo Suzuki und Jan St. Werner (Ensemblia 2015), Manuel Göttsching zu Gast.

Die Ausstellung „Tour de Madame/Libertine“ von Jutta Koether wird dann ab dem 13. Oktober im Museum Abteiberg zu finden sein. Jutta Koether, eine der wohl einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart, plant für das Museum Abteiberg ein Projekt, das in die Sammlung eindringt. Ausgangspunkt ist der 2016/17 entstandene Gemälde-Zyklus Tour de Madame, den sie kürzlich in ihrer großen Werk-Retrospektive in München als jüngstes Werk präsentierte. Ursprünglich eine Antwort auf Cy Twomblys Lepanto-Zyklus wird Koether diesen Gemäldekomplex nochmals neu im Museum Abteiberg installieren und ihn zum großen Denk- und Drehmoment für die dortige Sammlung entwickeln.

Auch in 2019 wird der „Erste Sonntag“ weiter fortgesetzt. Dank der kontinuierlichen Förderung durch die Stadtsparkasse Mönchengladbach ist dann im Museum Abteiberg der Eintritt frei. Es gibt offene Führungen und offener Malklasse an den ersten Sonntagen aller Monate beginnend mit dem 6. Januar.

Eine weitere mittlerweile feste Instanz sind die MG_Arfriends. Sie richten sich an junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren, die sich mit ihrer Neugier auf Kunst und Kultur im Museumsverein organisieren möchten. Inspiriert von aktuellen Ausstellungen und Kunstprojekten gestalten die jungen Freunde des Museums Abteiberg an den dritten Donnerstagen des Monats ein variationsreiches Veranstaltungsprogramm im Museum und tauschen sich in lockerer Runde am Jour fixe aus.

Neben den Ausstellungen und anderen Aktivitäten im Museum geht es auch um die Entwicklung des Standortes. Nach vielen künstlerisch experimentellen Projekten des Museums Abteiberg in der Stadt ist nun ein großer städtebaulicher Plan für den Abteiberg in Vorbereitung, der eine bessere Anbindung des Museums an die Stadt schaffen soll. Das Museum Abteiberg ist Ankerpunkt der Neuen Auftraggeber im Rheinland. Die Initiative Neue Auftraggeber plant für die kommenden Jahre Projekte für den öffentlichen Raum, die durch die Bedürfnisse und Wünsche von Bürgern bestimmt werden. Die Vernetzungsarbeit der Mediatorin Kathrin Jentjens führt voraussichtlich im Jahr 2019 zu ersten Projektideen. Im Rahmen des Förderprogramms „Museen Verändern“ der Kulturstiftung des Bundes beschäftigt sich bis Sommer 2019 ein Volontariat im Bereich Vermittlung mit der Entwicklung und Erprobung neuer Vermittlungskonzepte für das Museum Abteiberg.

  • Schenkungen:
    Das Museum Abteiberg freut sich auch über eine großzügige Schenkung der Familie Hoffmann. Solange Erika und Rolf Hoffmann in Mönchgladbach lebten, fühlten sie sich dem Museum eng verbunden und unterstützten es nach Kräften. Angeregt vom Austausch mit Künstlern, deren Arbeiten sie im Städtischen Museum kennenlernten, begannen sie in den späten 1960er Jahren zu sammeln. Seitdem verfolgten sie die jeweils aktuellen Entwicklungen und Fragen der Gegenwartskunst. Nun gehen insgesamt sechs Werke von Isa Genzken, Felix Gonzalez-Torres / Christopher Wool, Mike Kelley, Gordon Matta-Clark und Steve McQueen in die Sammlung des Museums Abteiberg ein, ausgesucht von Susanne Titz mit dem Wunsch, die Sammlungsbestände durch diese unterschiedlichen künstlerischen Positionen an präzisen Anschlussstellen zu ergänzen. Diese Werke wollen wir der Öffentlichkeit im 1.Quartal des Jahres, im Beisein der Familie Hoffmann, vorstellen.
  • Veröffentlichungen:
    Im Frühjahr 2019 erscheint eine umfassende Publikation zur Ausstellungsgeschichte 1967 bis 1978 im alten Städtischen Museum an der Bismarckstraße. Die Düsseldorfer Kunsthistorikerin Susanne Rennert (gemeinsam mit Susanne Titz und Olivier Foulon Kuratorin der Ausstellung „Von da an“. Räume, Werke, Vergegenwärtigungen des Antimuseums 1967 – 1978) erarbeitet erstmalig die archivarischen Materialien und Dokumente zur legendären Ära des Museumsdirektors Johannes Cladders. Sie versammelt neben allen Ausstellungen auch eine Darstellung der kompletten Reihe der Kassettenkataloge, die Cladders von 1967 bis 1978 produzierte.
  • Provenienzforschung:
    Seit 2016 betreibt das Museum Abteiberg eine systematische Provenienzforschung an Objekten der Kunst vor 1945 aus dem Sammlungsbestand – realisiert mit finanzieller Förderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste Magdeburg. Die Forschungsergebnisse werden 2019 im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert.