Mönchengladbach hat viele Gesichter – Menschen in Gladbach 2015

Zum ersten Mal ist der Integrationspreis in diesem Jahr an zwei Nominierte verliehen worden. Eine zwölfköpfige Jury, zu der unter anderem Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners, Integrationsbeauftragte Marion Blinten und der Integrationsratsvorsitzender Yilmaz Karca gehören, hat darüber entschieden. Für 14 Vorschläge wurden in sieben Bewertungskriterien von Innovation bis Nachhaltigkeit des Projektes Punkte vergeben. In besonderem Maße haben dabei die DJK Sportfreunde 08 e.V. in Vertretung durch Norbert Weyers und das Team des Dokumentarfilms „Asyland“ um Cağdas Yüksel diese Kriterien erfüllt. Für beide Projekte hat es jeweils 500 Euro Preisgeld gegeben und eine Laudatio durch den Oberbürgermeister. Was die DJK Sportfreunde 08 angeht, sagte Reiners: „Die Jury ist beeindruckt von der Vielfalt der Migrationshintergründe und Religionen der Menschen, die hier in friedlichem Miteinander einen Verein führen und ihren Sport ausüben.“ Der Film „Asyland“ handelt vom Leben als Asylbewerber in Deutschland. „Er rückt das Schicksal der Asylbewerber näher an uns heran. So nah, dass es uns berührt. Und was uns berührt, ist uns nicht egal.“

 

Kulturelle Vielfalt und ein funktionierendes Zusammenleben: Damit das möglich ist, dafür ist Integration ein wesentlicher Bestandteil. Auch das betonte Reiners mehrfach und er stellte heraus, wie wichtig generell jedes Projekt für Mönchengladbach sei. Die jährliche Verleihung des Integrationspreises ist eine Maßnahme aus dem Integrationskonzept der Stadt Mönchengladbach, die das Engagement für gelingende Integration auszeichnet und honoriert. In diesem Jahr wurde er zum dritten Mal durch Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners an die Preisträger übergeben: „Wir wollen uns als eine Einheit mit vielen Facetten verstehen. Eine Einheit, die dem Einzelnen genug Raum lässt zur Pflege kultureller Identität und Religion. Eine Einheit, die jedoch auch akzeptiert, dass die eigene Freiheit dort endet, wo die Grenzen des anderen beginnen. Eine Einheit, die nach grundlegenden Werten und moralischen Vorstellungen miteinander in friedlicher Eintracht lebt.“ Dazu haben alle 14 Nominierten in besonderer Weise beigetragen. Alle haben eine Urkunde als Anerkennung für ihre Leistungen erhalten.

Die beiden Preisträger:

Cağdas Yüksel
Der Sozialwissenschaftsstudent produzierte mit Spendengeldern und als Teil eines 7-köpfigen Teams junger Studenten unentgeltlich den Dokumentarfilm „Asyland“, der den Alltag geflüchteter Menschen aus ihrer Perspektive zeigt. Ziel dieses Projektes ist es, etwas zu verändern, die Menschen davon zu überzeugen Verantwortung zu übernehmen, sich gegen Diskriminierung und Alltagsrassismus zu stellen und Vorurteile abzubauen. Im Frühjahr 2016 ist eine Kino Tour geplant, bei der nach jeder Vorstellung eine Podiumsdiskussion mit örtlicher Politik und Hilfsorganisationen anschließt. Die Einnahmen daraus und aus dem Verkauf der DVD werden gespendet. Darüber hinaus war Cağdas Yüksel als Kommunikationsreferent im Team der Jugendmedientage 2015 in Bonn aktiv, wo die Rolle der Medien inmitten gesellschaftlichen und politischen Wandels diskutiert wurde.

Norbert Weyers als Vertreter des DJK Sportfreunde 08 Rheydt e.V.
Herr Weyers setzt sich als Geschäftsführer aktiv für den Aufbau integrativer Strukturen beim ehrenamtlichen Engagement im Sportverein ein. Mehr als 60 Prozent der Mitglieder haben Migrationshintergrund, der Verein hat den höchsten Anteil an tamilisch stämmigen Mitgliedern eines nicht tamilischen Vereins in NRW und ist dazu auch noch katholisch. Mit seiner Arbeit versucht er Deutsche und Migranten zusammenzubringen und als Vorbild die häufig national geprägten Strukturen in Sportvereinen aufzubrechen. Der Verein kooperiert mit Behinderteneinrichtungen, Kindergärten, Grundschulen und Gymnasien und führt seit mehr als 10 Jahren Talentsichtungen, Minimeisterschaften und Turniere an Mönchengladbacher Grundschulen durch.

 

Des Weiteren waren nominiert:

Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e. V.
Im Arbeitslosenzentrum werden Menschen aus über 60 Nationen beraten und un-terstützt. Die Prinzipien Integration und Teilhabe stehen dabei im Vordergrund. Die Arbeitslosenberatung berät in Fragen, die originär mit Arbeitslosigkeit verbunden sind, die Sozialberatung unterstützt Ratsuchende individuell bei Problemen, die im Zusammenhang mit Sozialhilfebedürftigkeit und Arbeitslosigkeit stehen.

Amar Hayati
Herr Hayati beobachtete im Frühjahr 2015 immer wieder Jugendliche und junge Erwachsene, die in der Rheydter Innenstadt Drogen an Kinder und Jugendliche verkauften und meldete aus Angst um die Zukunft der Kinder und Jugendlichen seine Beobachtungen der Polizei. Durch Protestaktionen mit Plakaten u. a. auf dem Rheydter Marktplatz oder beim Straßenfest zum Auftakt der Interkulturellen Woche setzte er mit seiner Ein-Mann-Demo ein Zeichen für den Schutz insbesondere von Kindern und älteren Mitbürgern und kam mit Passanten und Besuchern ins Gespräch, die seiner Aktion positive Rückmeldungen gaben.

Gesundheits-Center JuDjuSu Jitsu Karate e.V.
Der Verein engagiert sich sehr im Bereich Integration durch Sport. Allein in der Karateabteilung stammen 50% der Mitglieder aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern. Durch vielfältige Angebote, u.a. auch an Schulen wie z. B. die Schul-AG „Sicher-stark-selbstbewusst, das Trommelprojekt „Drums alive“ oder gemeinsame sportliche Aktivitäten von Kindern und Senioren werden das soziale Miteinander, Respekt, Toleranz und Geduld gefördert. Ganz aktuell und mit Unterstützung der Borussiastiftung haben die Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft in Rheindahlen die Möglichkeit, in den bestehenden Kindergruppen des Vereins mit zu trainieren.

Nadiye Yuvarlak
Stellvertretende Vorsitzende der Initiative „arbeiterkind.de“, die Studierenden aus Zuwandererfamilien Mut machen und Mentoren zur Unterstützung vermittelt. Durch Vorträge an weiterführenden Schulen und Hochschulen macht die Initiative auf sich aufmerksam. Zudem engagiert sich Frau Yuvarlak in der Kommunalpolitik als stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Migration und Vielfalt“, die ratsuchende MigrantInnen unterstützt und arbeitet als Mitglied in der Liste „Zukunft in Vielfalt“, die zwei Mitglieder des Integrationsrates stellt, mit.

Semra Özekinci
Frau Özekinci unterstützt in ihrem Stadtteil mit Zeit und Engagement die Arbeit eines Streetworkers, begleitet Jugendliche, organisiert Veranstaltungen und Feste mit und setzt sich für ein offenes und friedliches Miteinander in der Nachbarschaft ein.

Gemeinschaft St. Egidio e.V.
Der Verein organisiert in Mönchengladbach u.a. die Projekte „Regenbogenschule“ und „Schule des Friedens“, die Kinder und Jugendlichen verschiedenster Herkunft aus sozialen Brennpunkten der Stadt beim Erlernen der deutschen Sprache und schulischen Problemen unterstützen. Die Gemeinschaft bietet auch am Wochenende Aktivitäten, Ausflüge sowie in den Schulferien eine mehrtägige Ferienfreizeit an.

Saima Hashimi
Initiatorin des Frauenkulturtreffs im Familienzentrum Mühlenstraße. Unter dem Motto „Interkultureller Austausch“ treffen sich die Frauen zu verschiedenen Aktivitäten und Themenschwerpunkten, die zuvor gemeinsam anhand von selbstbestimmten Themen organisiert und geplant werden, wie zum Beispiel: Kulturelle Lebensweisen im Familienalltag oder ein Blick in den Kochtopf der Nachbarin. Ziel der Frauen mit unterschiedlichen Zuwanderungsgeschichten ist es, interkulturelle Vielfalt in den Alltag zu integrieren. Der Treff existiert seit 5 Jahren und ist zu einem stabilen sozialen Netzwerk für die Frauen geworden.

Treff am Kapellchen
Initiator des Treffs war vor zehn Jahren Edmund Erlemann. Unter dem Motto „Solidarisch unterwegs für eine bessere Welt“ leben und arbeiten im TAK Menschen unterschiedlichster Herkunft miteinander. Verschiedene Nationalitäten feiern hier ihre Gottesdienste, begegnen sich und tauschen sich aus. Die Steyler Missionsschwestern leiten das TAK und organisieren mehrmals im Monat Veranstaltungen z. B. kulturelle Höhepunkte literarischer und musikalischer Art.

Abdalnafe Arfali
Herr Arfali ist ein sehr engagierter syrischer Flüchtling, der andere geflüchtete Menschen beim Umzug sowie beim Einrichten der Wohnung unter Einsatz seines handwerklichen Geschicks ehrenamtlich und kostenlos unterstützt. Er lebt erst seit einigen Monaten mit seiner Frau und drei Kindern im Römerbrunnen und ist aufgrund seines Könnens ein gefragter Mann bei den Flüchtlingsfamilien dort.

Makenda Williams-Mawete
Herr Williams-Mawete gründete 2012 den Verein „Viele in Eins e.V.“ und engagiert sich für die Integration von Menschen in Mönchengladbach. Neben der Beratung von Migranten, Flüchtlingen, Menschen mit Behinderung und interessierten Mönchengladbachern unterstützt der Verein vor allem Familien mit Migrationshintergrund, bezieht die Eltern in die Bildungs- und Entwicklungsprozesse ihrer Kinder ein, berät und begleitet, um so den Zusammenhalt zwischen den Generationen zu stärken. Des Weiteren bietet der Verein Freizeitangebote wie z. B. mit Menschen unterschiedlicher Kultur gemeinsam Musik zu machen und das Erlernen der deutschen Sprache für Flüchtlinge an.

Türkischer Elternverein MG e.V.
2004 wurde der politisch und konfessionell neutrale Verein von interessierten Eltern gegründet, um das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften zu befördern, sich im Elternsein gegenseitig zu unterstützen und die eigene Meinung in Schulfragen einzubringen. Dies geschieht durch Veranstaltungen und Vorträge, Informationsabende und Erfahrungsaustausch mit den Eltern. Durch individuelle Förderung wurde die Schullaufbahn vieler Migrantenkinder bereits erfolgreich unterstützt.

Islamisches Zentrum Milli Görüş
Die ehrenamtlichen tätigen Mitglieder des Vorstandes, Kadir Sevim und Ibrahim Karge engagieren sich sehr für geflüchtete Menschen. Sie sind immer ansprechbar und bereit zu helfen und organisierten bereits mehrfach Feste und Freizeitaktivitäten für Flüchtlinge und deren Familien, so wurde z. B. ein Indoorspielplatz angemietet, in dem die Kinder stundenlang ausgelassen toben konnten und die Familien bei einem Essen Kontakte knüpfen konnten. Daraus entstanden auch Patenschaften für Flüchtlingsfamilien, die in verschiedenen Alltagssituationen weiterhin unterstützt werden.

Die Jurymitglieder für 2015:

Gesetzte Mitglieder:

  • Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners
  • Integrationsbeauftragte Marion Blinten
  • Integrationsratsvorsitzender Yilmaz Karaca

Jährlich wechselnde Mitglieder:

  • Maria Weihrauch, Migrationsberatung AWO
  • Jochen Anderl-Breuer, Arbeitsstelle für interkulturelle Bildung und Integration
  • Klaus Müller, Jobcenter Mönchengladbach
  • Wolfgang Rombey, Stadtsportbund
  • Helmut Keymer, Kathl. Forum für Erwachsenen- und Familienbildung
  • Prof. Dr. Beate Küpper, Hochschule Niederrhein
  • Markus Aretz, Borussia Mönchengladbach