Jugendliche sollen in Mönchengladbach politisch mehr mitmischen

Kira Sammet und Jule Imschweiler haben Anfang September ihre Arbeit als FSJ-lerinnen im Projekt „Stärkung der Jugendpartizipation“ aufgenommen

Die Stadt Mönchengladbach will die Beteiligung von Jugendlichen an politischen Prozessen stärken und ausbauen. Und damit dies nicht an der Zielgruppe vorbei geplant wird, hat sie junge Menschen gesucht, die sich in einem Freiwilligen Sozialen Jahr für Jugendliche einsetzen möchten.

Kira Sammet (19) und Jule Imschweiler (18) sind die beiden FSJ-lerinnen, die seit Anfang September im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie ihre Ideen für das Projekt "Stärkung der Jugendpartizipation in Mönchengladbach" einbringen und umsetzen können.

Die Freiwilligen sollen - unterstützt unter anderem von Projektkoordinatorin Lisa Schopen - junge Leute im Alter zwischen 12 und 21 Jahren, die politisch mitmischen wollen, motivieren, informieren und beraten, sich mit Schülervertretungen, Jugendzentren, dem Stadtjugendring und anderen Gruppen und Initiativen von jungen Menschen vernetzen und eigene Beteiligungsprojekte durchführen.

Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und Beigeordnete Dörte Schall stellten die beiden FSJ-lerinnen und die weiteren Planungen für das Projekt jetzt der Öffentlichkeit vor.

 

Vorgeschichte

Der Stadtrat hatte Rat der Stadtverwaltung Ende 2017 den Auftrag gegeben, ein entsprechendes Konzept zur Stärkung der Jugendpartizipation zu erarbeiten, das schon bestehende Beteiligungsmöglichkeiten berücksichtigt und schon aktive Gruppen wie zum Beispiel Schülervertretungen, Jugendzentren und den Stadtjugendring mit einbezieht.

Auf Grundlage des Ratsbeschlusses hat der Fachbereich Kinder, Jugend und Familie im vergangenen Jahr die Eckpunkte des Konzeptes erarbeitet. Ein Vorbild für Mönchengladbach ist dabei der Ansatz der Städteregion Aachen, das nicht nur in der Fachöffentlichkeit hohes Ansehen genießt und Modellcharakter hat. Dreh- und Angelpunkt aller Projekte für mehr Mitbestimmung von Jugendlichen ist auch dort eine Koordinationsstelle, in der eine Fachkraft und junge Erwachsene im FSJ zusammenarbeiten, um Jugendliche zu informieren, zu vernetzen und für politische Mitbestimmung zu begeistern. Sie unterstützen engagierte Jugendliche, und bringen sie mit Entscheiderinnen und Entscheidern in Politik und Gesellschaft zusammen und fungieren in Lokalpolitik und Verwaltung als Sprachrohr für die Interessen von Jugendlichen. 

Aber auch in Mönchengladbach muss nicht bei "Null" angefangen werden. Denn bereits seit 2014 gibt es eine Arbeitsgemeinschaft Jugendbeteiligung, die aus Mitgliedern des Stadtjugendringes, der Bezirksschülervertretung, der Gesamtschule Stadtmitte und des Jugendclubhauses Westend besteht. In lockerer Folge wurden und werden hier Workshops und Veranstaltungen zu jugendpartizipatorischen Themen und Treffen mit Vertretern der Kommunalpolitik durchgeführt.

 

Eckpunkte des Projektes

Das Ziel: 
Jugendliche sollen aktiviert und befähigt werden, sich in die Entwicklung ihres direkten Lebensumfeldes und der Gesamtstadt einzubringen. Hier ist es die zentrale Aufgabe einer strukturierten Partizipation, der Zielgruppe eine wirksame Beteiligung an für sie bedeutsamen Verwaltungshandeln und politischen Entscheidungsprozessen zu ermöglichen. Dies beinhaltet auch den Transfer jugendrelevanter Inhalte in das Gesamtkonzept mg+ - wachsende Stadt. 
Daneben gilt es Jugendliche für die Wahrnehmung ihrer demokratischen Rechte, insbesondere was die Teilnahme an Wahlen betrifft, zu motivieren.

Die Zielgruppe: 
Das Konzept richtet sich an junge Menschen aller gesellschaftlichen Milieus in Mönchengladbach im Alter zwischen etwa 12 und 21 Jahren. Es erscheint zweckmäßig, Jugendliche, die bereits in vorhandenen Strukturen wie der Bezirksschülervertretung, Jugendverbänden und Sportvereinen organisiert sind, über Dachverbände und Gremien wie beispielsweise den Stadtjugendring oder den Stadtsportbund anzusprechen. Weitere Jugendliche können über Schulen, Schulvertretungen oder als Besucher eines Jugendzentrums, Nutzer eines informellen Treffpunktes oder Teil einer Jugendkultur erreicht werden.

Koordinationsstelle: 
Die Koordinationsstelle soll als zentraler Knotenpunkt die die Strukturen schaffen, die an der Schnittstelle zwischen den Jugendlichen auf der einen Seite und den politischen Gremien und der Verwaltung auf der anderen Seite ansetzen. Sie wird mit zwei jungen Menschen im FSJ und einer Fachkraft in Teilzeit (halbe Stelle) betrieben. Junge Menschen lassen sich am besten von Gleichaltrigen ansprechen, diese kennen ihre Bedürfnisse und Wünsche aus eigener Anschauung. Die Koordinationsstelle könnte folgende Aufgaben bearbeiten:

  • Informationsarbeit in den Themenfeldern Partizipationsmöglichkeiten, Demokratiebildung und Wertevermittlung
  • Beratung von Jugendlichen, die konkrete Partizipationsanliegen haben und umsetzen möchten
  • Organisation und Moderation von Dialogveranstaltungen zwischen Jugendlichen und Politik bzw. Verwaltung
  • Organisation und Begleitung von Politikberatung durch Jugendliche im Sinne der GO NRW § 58 Abs. 3, Satz 6: "Die Ausschüsse können Vertreter derjenigen Bevölkerungsgruppen, die von ihrer Entscheidung vorwiegend betroffen werden und Sachverständige zu den Beratungen zuziehen."
  • Beteiligungsprojekte im Bereich Freizeitangebote

Für das Projekt, das zunächst auf zwei Jahre angelegt ist, sind derzeit rund 54.000 Euro pro Jahr (Personal und Sachkosten) angesetzt, wobei zusätzliche Projektgelder über Fördertöpfe und/oder Stiftungen eingeworben werden sollen.

 

Wie geht es weiter?

Nachdem die Fachkraftstelle und die beiden FSJ-Stellen jetzt besetzt sind, kann nun die konkrete Arbeit beginnen. Dabei soll allerdings nicht nur ein Programm nach dem Vorbild Aachen oder anderer Städte abgespult werden. Die Beteiligung von Jugendlichen kann nur funktionieren, wenn keine Entscheidungen ohne Vertreter der Zielgruppe getroffen werden. Vielleicht hat die Mönchengladbacher Jugend ganz andere Interessen, Wünsche, Ziele und Ideen. Auch die Entscheidung, wo das Büro der Koordinationsstelle sein wird, soll zusammen mit den jungen Menschen getroffen werden.