Geschichtsunterricht mit neuem Glanz für Stolpersteine

Ein Passant geht am Verwaltungsgebäude Oberstadt vorbei. „Oh, jetzt sieht man sie ja wieder“, sagt er mit erfreutem Ton. Gemeint sind die Stolpersteine, die an dieser Stelle an der Aachener Straße 2 verlegt sind. Dass die Steine wieder glänzen, dafür haben die Schüler der 7b des Stiftisch Humanistischen Gymnasiums  zusammen mit ihrem Lehrer Jörg Dickmanns gesorgt. Sie sind dem Aufruf von Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners gefolgt, bis zum 9. November, dem Tag des Gedenkens  an die Schrecken der Reichspogromnacht und vor allem an die Opfer nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die Stolpersteine in der Stadt zu reinigen. Die Stolpersteine selbst, die der Künstler Gunther Demnig verlegt hat, sollen dieses Gedenken permanent wach halten.

Die Stimmung unter den Schülern ist ausgelassen. „Ist halt schon mal cooler, so eine Geschichtsstunde draußen“, sagt die zwölfjährige Laura. Dabei kommt der Ernst der Sache aber nicht zu kurz. Schon in der Schule haben sich die Schüler mit dem Thema auseinandergesetzt und sich über die Stolpersteine und ihre Zusammenhänge informiert. „Klar machen wir mit“, waren sich da auch die ebenfalls zwölfjährigen Amant und Vincent einig. Und so schafft es ihr Lehrer auch schnell, die Gruppe wieder zu sammeln. Trotz des Straßenlärms und des geschäftigen Treibens um sie herum  folgen die Schüler den Berichten ihres Lehrers, der über die Biografien der Opfer berichtet, die einst hier gelebt haben. Doch dann geht es weiter. Es gibt noch zu tun. An insgesamt sechs Standorten wollen die Schüler die Steine wieder zum Glänzen bringen und sich mit den Geschichten der Menschen, deren Namen auf den Steinen stehen beschäftigen.

So wie sie haben sich noch sieben weitere Schulen auf den Weg gemacht und Anfragen von 31 Mönchengladbachern konnten bei dieser Aktion berücksichtigt werden. Ein großes Engagement, das Oberbürgermeister Reiners sehr freut: „Wir hatten sogar noch mehr Anfragen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass dies nicht die letzte Aktion dieser Art sein wird. Und generell sind alle Mönchengladbacher auch herzlich aufgerufen, das ganze Jahr über mal einen Blick auf die Steine zu werfen und zu schauen, ob sie wieder neuen Glanz gebrauchen können.“

Bisher gibt es über 270 Stolpersteine an 82 Stellen in der Stadt. Eine Übersicht der Stellen findet sich auf der Homepage der Stadt. Dort gibt es auch Informationen darüber, wie man Patenschaften für weitere Stolpersteine übernehmen kann. „Danke an alle, die in unserer Stadt so gegen das Vergessen angehen und auch zeigen, dass es für Ausgrenzung und Gewalt gegen Menschen egal welcher Herkunft und Religion in unserer Gesellschaft keinen Platz gibt.“